Rheinpfalz Ein mutiges Mädchen und seine Geschichte

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Theater im Klassenzimmer: Am Donnerstag gastierte das Pfalztheater Kaiserslautern mit seinem Stück „Malala – Mädchen mit Buch“ an der Realschule plus Lauterecken/Wolfstein. 20 Schüler kamen dank der Initiative und der Finanzierung des Jugendfonds Kusel, Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ im Landkreis Kusel, in den Genuss einer besonderen Vorstellung.

Jungschauspieler Luca Zahn steht entschlossen und herausfordernd vor der Klasse. Er spielt alleine, wechselt zwischen den Charakteren hin und her, variiert mit der Stimme und erzählt so die unglaubliche Geschichte von Malala Yousafzai. Mit elf Jahren beginnt das Mädchen 2009 einen Blog zu schreiben und berichtet unter einem Pseudonym über die Gräueltaten der pakistanischen Taliban im Swat-Tal, ihrer Heimat. Ihr und ihren Freundinnen wird der Besuch der Schule verboten. Frauen und Mädchen dürfen die Häuser nicht verlassen, sie müssen sich verschleiern, gefügig und hörig sein. Jeder, der etwas gegen die Gesetze und die Religion der Taliban sagt, wird ausgepeitscht, gesteinigt oder enthauptet. Malala macht weiter, berichtet täglich und beginnt mit ihrem Kampf für das Recht von Mädchen und Frauen auf Bildung. Dann, 2011, fliegt ihr Pseudonym auf. Am 9. Oktober 2012 verüben die Taliban einen Anschlag auf das damals 14-jährige Mädchen. Knapp entkommt sie mit schweren Kopfverletzungen und überlebt. Eine einseitige Gesichtslähmung und die Taubheit auf dem linken Ohr bleiben. Luca Zahn hält inne und schaut in der Stille des Klassenraumes umher. Er greift einen flaschengrünen Seidenschal von der Wäschespinne, wickelt ihn sich um die Hüften und wechselt vom neutralen Erzähler in die Rolle der Malala. „Ich will, dass die Menschen wissen, was hier passiert. Wenn die Erwachsenen den Mut nicht haben, müssen wir Kinder unsere Stimme erheben“, ruft er auffordernd. Die Aufforderung zeigt Wirkung, die Neuntklässler sind gebannt von Luca Zahn und von der Geschichte Malalas. Nachdenklich blicken sie einander an. Nach kurzweiligen 45 Minuten ist Schluss. Luca Zahn lässt seine Charaktere los, verbeugt sich und überlässt Melanie Pollmann, Schauspieldramaturgin und Jugendreferentin am Pfalztheater, das Wort. „Vorbereitung und Nachgespräch sind ein wichtiger Pflichtteil unseres Klassenzimmer-stücks“, erklärt sie. Ohne den Austausch und das Gespräch mit den Schülern sei ein solches Stück nicht verantwortbar. Geduldig beantworten sie und Luca Zahn alle Fragen, erläutern noch mal die politischen Hintergründe und gehen gemeinsam mit Klassenlehrerin Jutta Fischer sicher, dass alles richtig verstanden wurde. Jutta Fischer ihrerseits hofft, dass ihre Schüler den Wert und die Bedeutung von Bildung und Schule nach dem Stück etwas mehr zu schätzen wissen. Und Malala? Ihr wurde 2014 als jüngste Preisträgerin jemals der Friedensnobelpreis verliehen. Sie lebt mit ihren Eltern und ihren Brüdern in Birmingham. Und setzt sich dafür ein, dass alle Kinder dieser Welt den Zugang zu Schulbildung bekommen.

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