Eisenberg Ein Konzert mit Überraschungen

Ein gelungener Auftritt: Gardemädchen des SV Lautersheim unterstützten die Musiker des Orchesters mit einer Tanzeinlage.
Ein gelungener Auftritt: Gardemädchen des SV Lautersheim unterstützten die Musiker des Orchesters mit einer Tanzeinlage.

Dass das Erste Akkordeon Orchester Grünstadt (1. AOG) am Samstag schon beim Einmarsch ins Weinstraßencenter mit tosendem Applaus begrüßt wurde und die Dirigentin Nadeshda Schmidt noch einen gesonderten Beifall bekam, waren keine unberechtigten Vorschusslorbeeren. Das Publikum im voll besetzten Saal erlebte ein grandioses und abwechslungsreiches Frühjahrskonzert mit einigen Überraschungen.

Gleich der Auftakt der von Arthur Hofmann moderierten Veranstaltung war von mitreißendem Schwung. Die 22 Musiker, die über den Abend verteilt insgesamt sieben Stücke unterschiedlicher Stilrichtungen spielten, präsentierten die „New World March Parade“ nach der 9. Sinfonie, die Antonin Dvorak (1841 bis 1904) nach seinem dreijährigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten geschrieben hat. Ausgezeichnet haben die Akkordeonisten die teils schwungvolle, teils romantisch-verträumte Komposition voller Dynamik einstudiert. Schmidt wirbelte mit dem Taktstock herum, dass es eine Freude war, ihr zuzuschauen. Fantastisch war auch die Bahnfahrt durch die vielseitige Landschaft Oregons in dem gleichnamigen Jacob-de-Haan-Stück. Vor dem geistigen Auge sah man die Dampflok losschnaufen, den Zug über die Schienen rattern, mal schneller, mal langsamer. Das Schlagzeug simulierte gekonnt galoppierende Pferde. Stets mit einem Lächeln auf den Lippen arbeitete die temperamentvolle Dirigentin mit großer Hingabe. Unter ihrem schwarzen Mantel dürfte sie mächtig ins Schwitzen geraten sein. Nach dem letzten Ton des schwierigen Werks stand Schmidt die Erleichterung über die gelungene Interpretation ins Gesicht geschrieben. Anschließend konnte die Orchesterleiterin ein wenig durchatmen, dafür waren die Akteure an den Instrumenten vermutlich besonders aufgeregt. Denn nun hatten die „Coolen Akkordeonzwerge“ auf der Bühne Platz genommen. Einige der Grundschüler saßen das erste Mal im Rampenlicht. Mit großer Konzentration und manchem verstohlenen Kontrollblick auf die Tasten sowie mit Unterstützung einiger größerer, durchschnittlich zwölfjähriger Mitglieder der „Tas Teens“ meisterten sie ihren Auftritt aber mit Bravour. Das Jugendorchester wurde begleitet von einer großen Abordnung von Streichern und ein paar Flötistinnen aus der Musikschule Leiningerland, wo die Nachwuchs-Akkordeonisten ausgebildet werden. Zusammen brachten sie unter anderem ein von Schmidt und ihrem Musiklehrer-Kollegen Volker Gütermann arrangiertes Science-Fiction-Medley mit Melodien aus Raumschiff Enterprise, Raumpatrouille Orion und Star Wars zu Gehör. Wer zuvor glaubte, die zarten Geigen und die sanften Querflöten würden im kräftigen Klang der Schifferklaviere untergehen, musste sich eines Besseren belehren lassen: Die so unterschiedlichen Instrumente harmonierten sehr gut miteinander. Das Publikum war so begeistert, dass es spontan eine Zugabe verlangte, die ihm – ganz flexibel – auch gewährt wurde. Die Vorsitzende des 1. AOG, Annette Brenner, bemerkte strahlend: „Unsere Jugend sitzt eben nicht nur an Smartphone und Play-Station, sondern beschäftigt sich in ihrer Freizeit sinnvoll.“ Von den Jugendlichen und Heranwachsenden der FunTastic Harmonists gab es drei hervorragend dargebotene Stücke, darunter einen Volkstanz auf kubanischen Rhythmen und Adeles „Skyfall“, der Titelsong eines James-Bond-Films. Und da dieses Lied ohne Gesang kaum vorstellbar ist, trat Lea-Caroline Hopfinger ans Mikrofon. Ihre voluminöse Stimme ging unter die Haut. In die Finger, die unwillkürlich den swingenden Rhythmus mitschnippen mussten, ging der fröhliche Chanson „Je veux“, mit dem das 1. AOG seinen letzten Block startete. Auch den Augen wurde an dem Abend etwas geboten: Zu „Best Of Grease“ tanzten sechs Gardemädchen des SV Lautersheim vor der Bühne. Möwengeschrei (und viel mehr) zum „Rock von der Waterkant“ erzeugte Lisa Demmler auf ihrer Violine. Insgesamt war alles mitreißend und voller Leidenschaft gespielt. Ohne Zugaben ließ das Publikum die Akkordeonisten nicht von der Bühne.

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