Rheinpfalz Ein Kirchlein als sehnlichster Wunsch
Mit der Bitte der Ludwigswinkler Protestanten nahm vor 125 Jahren alles seinen Anfang: „Unser sehnlichster Wunsch ist ein Kirchlein, in dem wir uns Sonntags an Gottes Wort erbauen können.“ Vorige Woche wurde der 125. Geburtstag der Lutherkirche mit einem Festgottesdienst gefeiert. Damals wie heute ist der kleine schlichte Kirchenbau den Gläubigen der Gemeinde ein Herzensanliegen.
Am 31. Oktober 1893 wurde die Kirche eingeweiht. Finanziert wurde der Bau damals aus Mitteln vom Gustav-Adolf-Verein und staatlichen Zuschüssen. Dass die Ludwigswinkler eine eigene Kirche haben, ist dem damaligen Regierungsrat Braun aus Speyer zu verdanken. Schon damals kam dieser gerne nach Ludwigswinkel zur Jagd. Braun schätzte damals schon die Ludwigswinkler Einwohner, wie er schriftlich festhielt, „obwohl sie mit sehr kärglichen Böden leben müssen, sind sie trotzdem nicht verroht“. Er wollte den Leuten etwas Gutes tun und fragte, was sie sich wünschen, dachte dabei aber wohl eher an Steuererleichterungen. Nicht schlecht staunte er, als der Ortsvorsteher die Bitte der Bevölkerung nach einer Kirche vorbrachte. Für manchen verwunderlich, war es den Ludwigswinklern ein echtes Bedürfnis, Heimat im eigenen Gotteshaus zu finden, waren sie zuvor doch gezwungen, jeweils nach Obersteinbach oder Schönau zum Gottesdienst zu gehen. 1818 gehörte die protestantische Bevölkerung zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Obersteinbach, auch politisch gehörte Ludwigswinkel zu Obersteinbach. 1827, als Obersteinbach dann dem Elsass zugesprochen wurde und Ludwigswinkel politisch zu Fischbach gehörte, gehörte die Protestanten fortan zur Pfarrei Schönau. Dieser Geschichte entsprang sicherlich der sehnliche Wunsch nach einer eigenen Kirche. Braun hielt sein Versprechen und machte sich für die Finanzierung und den Bau stark. Entstanden ist eine schlichte Dorfkirche mit 120 Plätzen, die keine Besonderheiten aufweist, aber durch ihre Schlichtheit überzeugt. In den 1970ern wurde renoviert, der Turm erhielt einen neuen Hut und seit damals gibt es auch eine neue Orgel, die alte Orgel mit sechs Registern hat Ort und Konfession gewechselt, sie steht in der katholischen Kirch ein Erlenbach. Allein durch ihren Standort auf einem kleinen Hügel lädt die Kirche ein, den Alltag hinter sich zu lassen. Seit zwei Jahren ist der Aufgang barrierefrei gestaltet. Der Weinberg des Herrn ist in Ludwigswinkel nicht nur eine Metapher, sondern liegt direkt hinter der Kirche. Vor zwei Jahren wurde er durch Engagierte angelegt und in diesem Jahr wurden zum Erntedankfest zum ersten Mal von den Kita-Kindern Trauben geerntet. Zum Jubiläum am vorigen Wochenende spielte der Posaunenchor Senior Brass unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Traugott Baur. Die Festpredigt hielt Oberkirchenrat Manfred Sutter zur Schriftlesung aus dem ersten Buch der Könige, Kapitel acht, der Einweihung des Tempels in Jerusalem – die gleiche Stelle, die vor 125 Jahren bei der Einweihung gelesen worden war. Sutter zitierte Pascal Mercier aus dessen Werk „Nachtzug nach Lissabon“ – „ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben“. Und knüpfte daran an, dass die Kirche in Ludwigswinkel allein durch ihr Da sein schon Mahner sei und die Menschen einlade, Ruhe zu finden. Beim Empfang sprachen Dekanin Zimmermann-Geisert, Gemeindereferentin Barbara Zickgraf und Ortsbürgermeister Sebald Liesenfeld. Liesenfeld sagte, dass es vor 125 Jahren wohl noch nicht so war, dass ein Vertreter der Katholischen Gemeinde zur Einweihung kam, geschweige denn der Fischbacher Bürgermeister. Auch Gäste aus Lembach waren der Einladung gefolgt.