Rheinpfalz Ein Jubiläumsjahr, zwei Arten zu feiern

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KAISERSLAUTERN

/MAINZ. Rheinhessen und Pfälzer haben manches gemeinsam. Beispielsweise die Weinlandschaft, von der behauptet wird, dass sie den Charakter ihrer Bewohner präge. Oder die von Carl Zuckmayer in „Des Teufels General“ beschriebene „Kelter Europas“: Die Menschen entlang des Rheines sind die Nachkommen ungezählter Völker, die sich hier im Laufe der Zeit vermischten. Und natürlich kamen die Bewohner beider Regionen Ende des 18. Jahrhunderts in direkten Kontakt mit den Idealen der Französischen Revolution, allerdings auch mit dem Feldherrn Napoleon. Die Franzosen bereiteten den bis dahin auf dem Gebiet von Rheinhessen und der linksrheinischen Pfalz existierenden Dutzenden von Herrschaften ein Ende. Sie packten diesen Flickenteppich in einen gemeinsamen Verwaltungsbezirk mit dem Namen Département Donnersberg und verleibten ihn 1801/02 ihrem Staat ein. Pfälzer und Rheinhessen lernten so die moderne französische Verwaltung kennen und das von ihr eingeführte Rechtswesen schätzen. Außerdem versuchten die Franzosen, die Eroberten durch die Einberufung eines Départementalrates zu versöhnen. Manche Historiker wie Hans Fenske sehen in diesem Gremium lediglich ein Feigenblatt für einem zentralistisch geführten Staat. Hatte doch dieser Rat im wesentlichen nur das Recht, die durch Napoleons Kriegszüge zunehmend drückender werdende Steuerlast zu verteilen. Andere wie Kurt Baumann urteilen, dass „bei aller Unzulänglichkeit im einzelnen prinzipiell ein modernes Staatsdenken zum Durchbruch gekommen war, das den Staatsbürger erst an den öffentlichen Angelegenheiten Anteil nehmen ließ“. Mit der endgültigen Vertreibung Napoleons im Jahre 1815 wurde die europäische Landkarte neu gezeichnet. Rheinhessen und Pfalz gingen nun getrennte Wege: Das Gebiet im Rheinknie zwischen Worms, Mainz, Bingen und Alzey kam zum Großherzogtum Hessen mit der Zentrale im rechtsrheinischen Darmstadt. Die linksrheinische Pfalz wurde dem Königreich Bayern zugeschlagen. Die Pfälzer befanden sich damit in einer wenig komfortablen Lage: ohne Landverbindung zum bayerischen Kernstaat, abgeschnitten vom französischen Markt und umgeben von Zollschranken. Immerhin beließ ihnen der bayerische König die Neuerungen und Rechte aus der französischen Zeit, während sie in „Altbayern“ zunächst kein Thema waren. Es wurde sogar ausdrücklich auf das Gesetz aus französischer Zeit Bezug genommen, mit dem der Départementalrat eingeführt worden war. Und dieses Gremium, so hieß es in der Verordnung, die am 24. September 1816 unterschrieben und am 16. Oktober im Amtsblatt veröffentlicht wurde, werde „von nun an mit dem Namen Landrath ... bezeichnet werden“. Dieses Ereignis nehmen der Bezirksverband Pfalz und sein „Parlament“, der Bezirkstag, zum Anlass, um im kommenden Jahr ihr 200-jähriges Bestehen zu feiern. In den folgenden Jahrzehnten bildete sich in der bayerischen Exklave auf der linken Rheinseite eine starke pfälzische Identität heraus: zum einen aufgrund des gemeinsam erlittenen Schicksals. Zum anderen, weil die von der Franzosenzeit geprägten Pfälzer mit den der alten Zeit verhafteten Bayern und deren Mentalität wenig gemein hatten. Anders entwickelte sich Rheinhessen, wie auf der Internetseite „200 Jahre Rheinhessen“ zu erfahren ist: Zwar weigerten sich die Bürger auch dort, die Errungenschaften aus französischer Zeit wie die Umverteilung kirchlichen und feudalen Eigentums, Gewerbefreiheit, Bürgerrechte und Geschworenengerichte unter der neuen hessischen Herrschaft aufzugeben. Aber im Unterschied zur Pfalz mit ihrem Bezirksverband bildeten sich in Rheinhessen keine tragfähigen Bezirksinstitutionen heraus. Der Einfluss der gewählten Bürgermeister wurde nach dieser Darstellung gegen übergeordnete Kreis-Strukturen, die die Regierung in Darmstadt einführte, „energisch verteidigt“. Vor diesem Hintergrund machen seit längerem Bürger mobil, um das Jubiläumsjahr 2016 für einen „Aufbruch in eine gelebte rheinhessische Identität“ zu nutzen. Zu den treibenden Kräften zählt dabei der Unternehmer und Vorsitzende des Vereins „Rheinhessen Marketing“, Peter E. Eckes. Ziel des Vereins ist es, die Region bekannter zu machen. Im Jubiläumsjahr sollen regionale Identität gestärkt, regionales Selbstbewusstsein geweckt und Rheinhessen als Marke weiter etabliert werden. Um dieses anspruchsvolle Ziel zu erreichen, trommeln Eckes und seine Mitstreiter mit Konferenzen, Aufrufen und einer bunten Internetplattform, um möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen. Geplant ist ein „rheinhessisches Jubiläums-Feuerwerk“ mit über 550 Veranstaltungen. Anders geht man in der Pfalz an das Jubiläumsjahr heran: „Das ist das Jubiläum eines Parlamentes beziehungsweise einer Körperschaft und nicht einer Region“, sagt der pfälzische Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder. Die Region habe es schließlich schon immer gegeben. Natürlich sei es legitim, ein solches Jubiläum auch zu Marketing-Zwecken zu nutzen. Aber dies wäre dann eine Aufgabe des Vereins Pfalzmarketing. Dessen Geschäftsführer ist Detlev Janik, zugleich auch Geschäftsführer von Pfalz-Touristik und Pfalzwein. Ein Jubiläum „200 Jahre Pfalz“ würden die Pfälzer seiner Meinung nach nicht nachvollziehen: „Wir sehen uns in der Nachfolge der alten Kurpfalz.“ Deren viel weiter zurückreichende Geschichte würde man mit einem Jubiläum „200 Jahre Pfalz“ abschneiden. Eine Persönlichkeit wie Lieselotte von der Pfalz gehöre aber in den Köpfen der Pfälzer ebenso zu ihrer Heimat. Weniger zurückhaltend war übrigens der frühere Regierungspräsident Paul Schädler. Der feierte am 15. Januar 1988 in der Neustadter Zentrale der damals noch bestehenden Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz das Jubiläum „150 Jahre Pfalz“. Anlass war die Umbenennung des „Bayerischen Rheinkreises“ durch „Königlich allerhöchste Verordnung“ in „Pfalz“. „Herzliche Grüße“ kamen damals per Telegramm aus dem Bundeskanzleramt: „Wir Pfälzer wissen ja, dass die Geschichte unserer Heimat und ihr Name viel älter sind als das offizielle Dekret König Ludwigs“, kabelte Helmut Kohl von Bonn aus in die Pfalz. „Aber erstens entspricht es pfälzischer Tradition, die Feste zu feiern wie sie fallen, und zweitens war eine gute Nachricht vom königlichen Hof in München schon immer ein guter Grund zum Feiern.“

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