Rheinpfalz „Ein Hobby kostet halt Geld“

Wahnwegen. „Könnt ihr bitte wegfahren, wenn es geht?“ Ronny Thimmig unterbricht die Fachsimpeleien der Opelfahrer und treibt sie zur Eile an. Bei der Fahrzeugbewertung des achten internationalen Opeltreffens in Wahnwegen hat sich eine längere Autoschlange gebildet. Thimmig und sein Jury-Kollege Dominic Knapp hinken im Zeitplan hinterher. Sie müssen an diesem Samstagnachmittag noch etliche umgebaute Opel-Modelle bewerten.
In 25 Kategorien küren die beiden jeweils die drei besten Fahrzeuge. Vom Kadett bis zum Zafira ist nahezu die komplette Produktpalette des Autobauers vertreten. Knapp erklärt das Vorgehen: „Ich gucke zuerst nach dem Gesamteindruck aller Autos in einer Kategorie. Es geht um das, bei dem Laien sagen, das ist ein geiles Auto.“ Erst dann wirft er einen genaueren Blick auf Motorraum, Innenraum, Fahrwerk und Karosserie. Bei welchem Wagen stimmt die Qualität, wo wurde beim Umbau geschludert? In einigen Kategorien sind sich die Juroren schnell einig. „Beim ersten sieht man gleich, dass extrem viel gemacht wurde. Da steckt ein Konzept dahinter“, erklärt Thimmig und zeigt auf einen Corsa B mit auffälliger weißer Innenausstattung. Für die aufwendige Lackierung, die Musikanlage im Kofferraum und andere Umbauarbeiten wird der Fahrer mit dem ersten Platz belohnt. Sein französischer Konkurrent kann hingegen nicht punkten. Die mattschwarze Lackierung und die Karosserie fallen bei Knapp durch: „Da stimmt das Konzept nicht. Das passt nicht zusammen.“ Auch bei den Corsa D ist das Urteil schnell gefällt. Kaum haben die drei Teilnehmer ihre Autos hintereinander geparkt, meint Knapp: „So wie sie stehen, können wir es machen.“ Thimmig sieht sich indes bereits das erste Auto an. Andere Felgen und Rückleuchten, ein neuer Auspuff sowie Veränderungen im Motorraum – ein Katalogmodell ist das definitiv nicht mehr. „Zwei oder drei Malediven-Urlaube stecken da schon drin“, sagt Besitzer Sascha Hoffmann und fügt lachend an: „Zu viel eigentlich. Aber es ist mein Hobby, und ein Hobby kostet halt Geld.“ Für die Jury hat er sogar Fotos von seinem weißen Corsa mit grünem Monster-Design im Dunklen gemacht – als Beweis, dass die eingebaute Beleuchtung funktioniert. Thimmig entdeckt trotzdem einen kleinen Makel: Bei der Lackierung im Motorraum wurde unsauber gearbeitet – Punktabzug. Für den Sieg wird es am Ende dennoch reichen. Ganz anders sieht der Corsa des späteren Zweitplatzierten, Tobias Müller, aus. Bei seinem Auto dominieren silber und schwarz, im Motorraum hat er mit Alu und Chrom gearbeitet. Er habe bewusst alles dezent gehalten, erklärt er. „Für den Alltag hat mir das besser gefallen.“ Am liebsten schraubt er selbst an seinem Opel herum: „Bei der Werkstatt habe ich Angst, dass sie was kaputt machen.“ Seine Freundin Stephanie Kopp ist mit ihm nach Wahnwegen gekommen. „Sie ist die, die das alles ertragen muss“, stellt Müller sie grinsend vor. „Wenn er das Auto ins Wohnzimmer stellen könnte, würde er es machen“, meint die Freundin wenig begeistert. Mittlerweile steht Thimmig mit seinem Bewertungsbogen neben einem dunkelgrauen Opel Insignia. „Sieht aber original aus“, lautet sein kritisch-knapper Kommentar. Auch das nächste Auto erweist sich als wenig spektakulär. Ob es weitere Besonderheiten gebe, fragt Thimmig, nachdem er Fahrwerk und Felgen begutachtet hat. Die erfrischend lockere Antwort des Luxemburgers: „Zählt ein Kratzer in der Felge?“ Zur Erheiterung aller fällt ihm dann doch noch etwas ein: „Ich habe ein Navi!“ Die Besitzer der beiden letzten Insignia an diesem Tag, Monika Bach und Hanse Sieber, haben sich kurz vorher von einem Aussteller noch Airbrush-Motive auf die Autos malen lassen – bestimmt nicht die letzte Veränderung, wie die spätere Siegerin und treue Opelfahrerin Bach verrät. Etwa 300 Opel sind mittlerweile auf dem Gelände bei Wahnwegen eingetroffen. Das dreitägige Treffen, das von den Opelfreaks vom Glan organisiert wird, hat trotz des schlechten Wetters Hunderte Opelfans mobilisiert. Bei der Fahrzeugbewertung ist die Stimmung noch immer gut. Am Ende des Tages werden sich Knapp und Thimmig rund 100 Opel angesehen und mit ihren stolzen Besitzern gesprochen haben.