Rheinpfalz Ein demoliertes Motorrad als Mahnmal

Der Verkehrssicherheitstag der Polizeipräsidien Westpfalz und Rheinpfalz in Johanniskreuz ist am Samstag sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Nur wenige Motorradfahrer besuchten bei teils starkem Regen den Informations- und Präventionstag an der sonst viel befahrenen B 48.
Zwei Hingucker machen die Verkehrsteilnehmer bereits vor dem großen Parkplatz auf die Veranstaltung aufmerksam. Am Straßenrand ein demoliertes Unfall-Motorrad: Das Vorderrad ist komplett verzogen, die Bremsscheibe verbogen und der Lenker hängt total verdreht in der Karosserie. Wenige Meter weiter: ein Unfall-Fahrzeug, oder besser das, was davon übrig ist. „Die Unfallgeschwindigkeit lag hier bei rund 120 Kilometern pro Stunde“, erläutert Willibald Weigel vom Polizeipräsidium Westpfalz. „Das Fahrzeug wurde beim Aufprall regelrecht geteilt.“ Zwei Wracks, die nachdenklich machen. Genau das sollen sie: Die beiden „Unfalldenkmäler“ hat die Stiftung zur Vermeidung von Unfallopfern zur Verfügung gestellt, um Auto- und Motorradfahrer für die Gefahren im Straßenverkehr und die Folgen von zu hoher Geschwindigkeit zu sensibilisieren. Ähnliche Ziele verfolgen auch der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr, das Deutsche Rote Kreuz, der Tüv Rheinland, die Rennleitung 110 sowie die Blue Knights Germany, ein internationaler Polizeimotorradclub, die mit Informationsständen auf dem Verkehrssicherheitstag vertreten sind. Doch die Resonanz ist mau: Während vor zwei Jahren einige Unfälle auf der B 48 den Polizisten am Veranstaltungstag einen Strich durch die Rechnung gemacht hatten, war es dieses Mal der starke Regen, der wohl viele Leute von einem Besuch abhielt. „Das ist sehr schade und für die, die hier helfen, ärgerlich“, bedauert Weigel, der mit 50 Kollegen den Weg nach Johanniskreuz angetreten hatte. Vom Wetter unbeeindruckt zeigen sich die Nachwuchs-Biker des Automobilclubs (AMC) Kerzenheim. Mit ihren Motorrädern geben sie auf einem kleinen Parcours Einblicke in das so genannte Trail-Fahren. Hindernisse wie Baumstümpfe oder Holzpaletten gilt es zu überwinden, einige springen mit ihren Motorrädern kurzentschlossen auf einen Autoanhänger. „Die haben echt was drauf“, so ein Polizist beeindruckt. Wenige Meter weiter sucht Stephanie Müller vom DRK-Kreisverband Kaiserslautern-Land Schutz vor dem Regen. „Eigentlich wollten wir Erste-Hilfe-Maßnahmen nach einem Unfall aus der Sicht eines Ersthelfers demonstrieren.“ Leider sei – aus ihrer Erfahrung – bei vielen Motorradunfällen Leichtsinn im Spiel. „Die Fahrer tragen zwar einen Helm, dafür Badelatschen und T-Shirt.“ Die Folge: schlimme Abschürfungen, teils bis auf die Knochen, Schnitte, Knochenbrüche. Komme man als Ersthelfer zu einem Unfall hinzu, stehe jedoch immer der Eigenschutz im Vordergrund. „Zuerst die Unfallstelle und sich selbst sichern, dann einen Notruf absetzen“, informiert Müller über das richtige Vorgehen: „Dann den Verletzten ansprechen, Bewusstsein und Atmung überprüfen, den Helm abziehen, den Verletzten in die stabile Seitenlage bringen“, zählt sie auf. In vielen Fällen bräuchte es jedoch erst gar nicht zu einem Unfall zu kommen, so die Polizei. „Da ist einfach die Geschwindigkeit zu hoch“, sagt Weigel. Auch am Samstag gibt es auf der B 48 drei Kontrollpunkte. „Der erste gemessene Motorradfahrer war mit 202 Stundenkilometern unterwegs“, berichtet der Polizist und schüttelt angesichts solch einer Raserei auf den kurvigen Strecken nur den Kopf. (hlr)