Nussdorf
Ein Brunnen mit einem emsigen Eichhörnchen
An heißen Sommertagen haben es die Nußdorfer Grundschüler besonders gut. Denn direkt vor ihrem historischen Schulhaus lockt ein noch relativ neuer Brunnen zu übermütigen Wasserspielen. Aus vier bronzenen Nüssen rinnt das begehrte kühle Nass in einen Sandsteintrog und von dort in einem breiteren Schwall in ein quadratisches Becken, in das man prima die Füße eintauchen kann.
Der Hagenbacher Bildhauer Dirk Boege hat die jüngsten Dorfbewohner fest in seine Planungen einbezogen, als er sich im Auftrag der Gemeinde dazu anschickte, eine Brunnenskulptur als Wahrzeichen für das über 800 Jahre alte Weindörfchen Nußdorf zu erschaffen.
Viele Ortsbezüge sind eingearbeitet
Und das ist ihm so gut gelungen, dass sein Kunstwerk auch dann ein schöner Blickfang ist, wenn ihm im Winter zur Vermeidung von Frostschäden der Hahn abgedreht wird. Denn das bronzene Eichhörnchen turnt zur Freude der jüngsten Nußdorfer auch in der Trockenzeit den blätterbedeckten „Stamm“ entlang, und für die älteren Bürger verbergen sich in der Skulptur viele Ortsbezüge, die das ganze Jahr Symbolwert haben.
Natürlich spielen die aufgebrochenen Nüsse auf den Dorfnamen, vor allem aber auf das Ortswappen an, das schon seit dem 15. Jahrhundert einen goldenen Walnusszweig auf grünem Grund zeigt. Vier Nüsse sind in Boeges Brunnen daraus geworden, weil der Ort im vierten Jahrhundert durch die Römer besiedelt wurde. Den prominentesten Beweis dafür liefert wiederum ein Viergötterstein, den man heute eingemauert an der Nordost-Ecke des Langhauses der protestantischen Kirche findet.
Das Spiel mit dem Namen des Bürgermeisters war eine spontane Idee
Die Zahl Vier erinnert aber auch an die mittelalterliche Vorstellung von den vier Weltenden, die heute als vier Himmelsrichtungen ihre Entgrenzung erfahren. All das, verbunden mit dem Sinnbild des Wassers als Quelle des Lebens und Fülle der Schöpfung, war schon in den Entwurf eingespeist, den Dirk Boege dem damaligen Ortsvorsteher Rudi Eichhorn und seinem Ortsgremium vorlegte. Das Eichhörnchen aber, so erzählt der heute 81-jährige Bildhauer rückblickend, sei ihm „als kleines Kuriosum“ ganz spontan eingefallen. Das Spiel mit dem Namen des damaligen Ortsvorstehers habe eben allzu gut ins Gesamtbild gepasst, zumal auch dessen Vater Ludwig schon die Geschicke Nußdorfs lenkte.
Seit 2019 ist Thorsten Sögding, der Schwiegersohn, am Ruder, und seine Aufgabe wird es sein, die Ortserneuerung, zu der die Gestaltung des Platzes vor der Schule gehörte, fortzuführen. Auf lange Sicht soll die hier ausgeführte Rocca-Pflasterung bis zum ebenfalls neu gestalteten Kirchplatz mit dem Bauernkriegsdenkmal von Peter Brauchle fortgeführt und so ein roter Faden entlang der reichen Ortsgeschichte ausgerollt werden.
Bildhauer Dirk Boege lebt in Hagenbach
Zu dieser Historie gehören auch viele weitere Wasserspender. Belegt ist, dass es in Nußdorf um 1800 noch 30 Brunnen – Privatbrunnen, Gemeinschaftsbrunnen und sogar einen Gemeindebrunnen – gab. Dieser stand auf dem Kirchplatz und wurde nun quasi in neuer Gestalt ans Schulhaus verlagert. Das erhoffte generationsübergreifende Zusammensein hat hier seit dem Einweihungstag bestens funktioniert. Bis Corona zum Spaßverderber wurde, trafen sich hier Jung und Alt zum jährlichen Brunnenfest.
Der Bildhauer und Maler Dirk Boege, der 1940 im Pommerschen Köslin geboren wurde, an den Akademien der Künste in München und Karlsruhe studierte und in Hagenbach seine Heimat fand, orientiert sich bei seinen Arbeiten gerne an geschichtlichen Zusammenhängen und örtlichen Begebenheiten. „Ich will aufmerksam machen auf das Besondere und Schöne in der Pfalz“, beschreibt er seine Motivation, die er schon in vielen öffentlichen Objekten zum Ausdruck bringen konnte.
Derzeit arbeitet er an der Wörther Kirche St. Theodard
Auch der Korbflechterbrunnen in Schaidt und der Winzerbrunnen in Flemlingen, die Dorfbrunnen in Scheibenhardt und seiner eigenen Heimatgemeinde Hagenbach sind in seiner Werkstatt entstanden. Dazu viele Auftragsarbeiten für die Kirche. In der katholischen Kirche des Nachbarortes Berg hat Boege den ganzen Altarraum gestaltet und ihm in Sandstein, kombiniert mit Keramikmalereien, ein markantes Profil gegeben.
Vor der modernen Auferstehungskirche in Hagenbach ließ er aus einem gespaltenen Sandsteinfindling ein Kreuz erwachsen. Ganz besonders wichtig war ihm aber die Altarraumgestaltung der Sankt-Barbara-Kirche in Bexbach-Oberbexbach, bei der er für Altar, Ambo und Tabernakel Stein- und Holzelemente kombinierte. Auch seine aktuelle Arbeit ist sakraler Natur. Es handelt sich um die Weiterführung der bunten Bleiverglasungen für die Kirche St. Theodard in Wörth.
Und wenn der vielseitige Künstler, der auch mal als Kunsterzieher in der Hagenbacher Schule und als Dozent für Zeichnen und Bildhauerei an der Villa Wieser in Herxheim wirkte, mal ein paar ruhigere Tage haben will, dann greift er zu Aquarell- und Pastellkreide und verlegt sich auf die Landschaftsmalerei und das Stillleben.