Rheinpfalz Ein Anstoß von außen

Studieren geht auch im Alter von 50 plus Jahren, wie hier an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität.
Studieren geht auch im Alter von 50 plus Jahren, wie hier an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität.

Am heutigen Samstag ist das vierte Treffen: Manfred Dechert hat in Waldfischbach-Burgalben eine neue Gesprächsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit dem Thema „Leben ab 50“ beschäftigt. Es ist schon die vierte Gruppe in diesem Format, die Dechert eingerichtet hat.

„An meinem 50. Geburtstag war es fast ein Schock – der Gedanke, dass ich jetzt ins dritte Lebensdrittel eintrete. Ich habe mich gefragt, ist die Jugend jetzt vorbei?“, erzählt Dechert von einem einschneidenden Erlebnis vor nunmehr zehn Jahren. Er habe das Bedürfnis gehabt, sich mit anderen auszutauschen, die im selben Alter sind, das Gleiche erlebt haben. Also gründete er eine Gesprächsgruppe, damals in Mannheim. Es sollte keine reine Geselligkeitsrunde werden, sondern eine gemeinsame Reflektion über die Veränderungen ermöglichen, die die Generation zwischen 50 und 60 Jahren erlebt. „Ich bin selber Suchender, ich biete nichts“, erklärt Dechert, dass er nicht vorhatte, in belehrender Funktion aufzutreten. Was bedeutet Freundschaft in diesem Alter, wie viel Raum nimmt das Internet inzwischen ein, was erleben Menschen in puncto Einsamkeit, Lebenskrisen? Ist ein beruflicher Umbruch über 50 noch zu schaffen? Wie steht es mit Beziehungen zu Partnern? Über solche Fragen wolle man sich austauschen, erzählt Dechert. Auch die Probleme des Einzelnen könnten besprochen werden. „So viel Zeit muss sein.“ Auch durch Schlagwörter wie „Humor“, „Sehnsucht“ und „Träume“ entstünden Diskussionen. In Waldfischbach-Burgalben hat Dechert, der in Ludwigshafen wohnt, die inzwischen vierte Gruppe gegründet. Nach Mannheim gab es Gruppen in Kaiserslautern und Pirmasens. Diese haben sich entweder aufgelöst oder alleine weitergemacht, sagt Dechert auf Nachfrage. Nun probiert er es im Wallfahrtsort. Sein Elternhaus stehe in Schmalenberg, deshalb sei er ohnehin oft in der Südwestpfalz. Bei den Treffen biete er Themen an, diese müssten aber nicht zwingend besprochen werden. „Es geht auch mal querbeet“, meint Dechert. Was nicht unbedingt gewünscht sei, sind Alltagsunterhaltungen à la: „Wie war dein Tag so?“ Da sei ein wenig mehr Ernsthaftigkeit und Reflektion gefragt. „Wir sind keine reine Geselligkeitsrunde.“ Sieben oder acht Personen hätten sich in Waldfischbach-Burgalben bisher zusammengefunden. „Wenn die Gruppe zu groß wird, verliert man sich in Einzelgesprächen“, meint der ehemalige Schriftsetzer. Es sehe so aus, als könnte sich ein fester Kern bilden, auch wenn Dechert zunächst nicht sicher war, ob das Konzept in Waldfischbach-Burgalben funktionieren würde. Angebote zur Selbsterfahrung seien auf dem Land selten. Die Teilnehmer kämen von der Sickinger Höhe, aus Clausen und Donsieders. „Es setzt da an, wo traditionelle Freizeitgruppen aufhören. Das schließt gemeinsame Aktivitäten nicht aus“, erzählt Dechert vom Konzept der Treffen. Erfahrungsgemäß seien etwa zwei Drittel der Teilnehmer Frauen. „Vom Banker bis zum Arbeitslosen“ seien höchst unterschiedliche Teilnehmer dabei gewesen. „Es ist ein offener Rahmen, keine geschlossen Gruppe.“ Über die Jahre habe er durch die Gruppen „viele gute Kontakte“ geknüpft und interessante Begegnungen erlebt. Sein Bekanntenkreis habe sich erweitert. Manchmal sei er auch frustriert gewesen, weil Teilnehmer nur Unterhaltung oder Partner gesucht hätten. Und es bestehe „das Risiko, dass ich relativ schnell abgeschossen werde“ und die Teilnehmer die Gruppen alleine weiterführen. Missen will Dechert die gemeinsamen Abende aber nicht. Um sich weiterzuentwickeln, brauche es gelegentlich einen Anstoß von außen. Info Die nächsten Treffen sind für Samstag, 11. August, und Samstag, 25. August, jeweils ab 18.30 Uhr im Dolomiti-Eiscafé in Waldfischbach-Burgalben geplant.

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