DUDENHOFEN / RÖMERBERG
Ein 17-Jähriger Dudenhofener als Dirigent für den Berghausener Kirchenchor
ornelius Appelmann hat nicht gerade das, was man als durchschnittliche Biografie für einen 17-Jährigen bezeichnen könnte: Im vergangenen Jahr, mit 16, hat er schon das Abitur am Kaiserdom-Gymnasium in Speyer gemacht. „Ich bin früher eingeschult worden und habe dann noch ein Jahr übersprungen“, erzählt der junge Mann ganz nüchtern. Eigentlich würde Cornelius Appelmann sogar schon seit ein paar Monaten Musik an der Universität in Mannheim studieren, hätte ihm da nicht eine beidseitige Sehnenscheidenentzündung vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die wiederum hat ihren Ursprung in einem Hobby, das ebenfalls nicht alltäglich ist: Der Dudenhofener spielt nämlich Harfe und war damit auch schon bei Jugend musiziert erfolgreich.
Organist in Dudenhofen
Das ist allerdings nicht das einzige Musikinstrument, das Appelmann beherrscht. Genauso lange, nämlich seit seinem sechsten Lebensjahr, spielt er Klavier. Wenige Jahre später kam dann noch die Orgel dazu. Mit 13 Jahren begann der Dudenhofener eine Kirchenmusikausbildung, die er mit 16 abschloss. Heute ist Cornelius Appelmann Kirchenorganist in seiner Heimatgemeinde. Das erklärt freilich noch nicht ganz, warum Pfarrer Josef Metzinger den Dudenhofener fragte, ob er nicht Lust hätte, Leiter des Kirchenchors in Berghausen zu werden, als der langjährige Dirigent Hermann Utz sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgab. „Als ich klein war, bin ich schon in den Domchor gekommen“, berichtet Appelmann von seinen Chor-Erfahrungen. Und damit nicht genug: In der Jugendkantorei sowie in Dudenhofen bei Chorissimo und im dortigen Kirchenchor hat der junge Mann ebenfalls gesungen. Auf die Anfrage des Pfarrers hin hat sich Appelmann über den Berghausener Kirchenchor schlau gemacht. „Mir war schnell klar: Da habe ich Lust drauf“, erzählt er.
Die Frage, ob der Chor auch Lust auf ihn hat, stellte sich der 17-Jährige natürlich auch. „Der Altersschnitt im Chor ist mit knapp 70 Jahren recht hoch“, sagt er. „Aber die Gruppe war wirklich sehr aufgeschlossen. Es herrscht eine sehr sympathische Grundstimmung“, berichtet Appelmann von seinen Eindrücken beim ersten Zusammentreffen. Dem jungen Mann ist klar, dass er erst einmal Aufbauarbeit leisten muss. „Zuletzt gab es noch 23 aktive Mitglieder, aber der Chor hat über ein halbes Jahr lang nicht geprobt“, erzählt er. Er hoffe, dass möglichst viele der alten Besetzung wieder einstiegen. Außerdem wünscht er sich, dass ein paar jüngere Sänger dazustoßen.
Mehr modernes Liedgut
„Durch die dünne Personallage bei den Männern ist vierstimmiges Singen derzeit nicht mehr möglich“, erklärt der neue Chorleiter. „Wir steigen deshalb erstmal auf dreistimmig um.“ Langfristig möchte Appelmann auch das Repertoire erweitern und erneuern. „Ich würde gerne moderneres Liedgut einbringen“, sagt er. „Die Entwicklung, die die Kirchenmusik macht, soll sich auch im Chor widerspiegeln.“ Dieser sei der Sache auch aufgeschlossen, ist sein Eindruck.
Die erste gemeinsame Probe am Dienstag sei gut gelaufen, berichtet er. Mehr als 20 Sängerinnen und Sänger seien gekommen. Und Appelmann ist zuversichtlich, dass sich über Mundpropaganda noch weitere Verstärkung findet. Ideal wäre für ihn ein Chor mit rund zehn Sängern und 15 bis 20 Sängerinnen. An Ostern soll der Chor auf jeden Fall im Gottesdienst singen, kündigt der Dirigent an.
Dass Cornelius Appelmann kein ganz gewöhnlicher 17-Jähriger ist, das dürfte bis hierhin klar geworden sein. Doch nicht alles im Leben des Dudenhofeners, der noch neun Geschwister hat, dreht sich um Kirchenmusik. Gerade hat er – zur Überbrückung bis zum Studienbeginn – ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Kita Spatzennest in Heiligenstein begonnen. Und auch was die Musik angeht, hat er durchaus noch andere Vorlieben. „Queen oder die Beatles mag ich total gerne“, erzählt er. „Wenn ich abends im Bett sitze, dann höre ich mir jedenfalls keine Messe an.“
Termin
Zur Sache: „Ideen für Neues“
Pfarrer Josef Metzinger ist voll des Lobes über seinen Schützling: „Ich habe Cornelius Appelmann die letzten Jahre als einen sehr engagierten, korrekten, hochintelligenten junge Mann erlebt, der zudem so unglaublich viel kann an der Orgel. Zudem ist er sehr verlässlich.“ Er traue ihm zu, dem Chor beizustehen und zu helfen, eine Zukunft aufzubauen. „Er hat Ideen für Neues ohne dabei die Tradition aufzugeben, ist sowohl in modernem Liedgut als auch klassischer musikalischer Literatur und Kirchenmusik bewandert, und er erfreut sich eines sehr guten Rufes bei unserer kirchlich engagierten Jugend. Er ist hoch angesehen. Vielleicht gelingt es ihm ja auch neue, junge Mitglieder für den Kirchenchor in Berghausen zu gewinnen.“ Bei der jüngsten Mitgliederversammlung sei deutlich geworden, dass der Chor sehr gerne mit Cornelius Appelmann arbeiten möchte. Appelmanns Vorgänger Hermann Utz habe ihm Unterstützung zugesagt.