Eisenberg „Eigentlich müssen wir zweimal feiern“

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Jeden Tag beglückwünscht die Unterhaardter Rundschau in der Rubrik „Auf einen Blick“ Geburtstagskinder über 70, sofern sie von den Verwaltungen an die Redaktion gemeldet werden. Von den neun Eisenbergern, denen wir zum Ehrentag am 1. Januar gratulieren, tragen acht einen türkischen Namen. Das ist kein merkwürdiger Zufall, wie SPD-Stadtratsmitglied Ender Önder erklärt.

„Auch in der Kleinstadt Zara in der Provinz Sivas in Anatolien, woher meine Eltern und Vorfahren stammen, haben viele am 1. Januar Geburtstag“, berichtet Önder. Und in anderen Städten sieht es ähnlich aus: So hat laut einem Artikel in den Deutsch-Türkischen-Nachrichten in der Stadt Siverek ein Fünftel der 200.000 Einwohner am ersten Tag des Jahres Geburtstag. „Das ist in Zara auch der Fall“, schätzt Önder. „Meistens sind es Menschen aus dem tiefen Anatolien, die von diesem merkwürdigen Zufall betroffen sind.“ Doch ein Zufall ist es eigentlich nicht: Türken, wüssten, dass jene, auf deren Pass der 1. Januar als Geburtsdatum eingetragen ist, höchstwahrscheinlich nicht an diesem Tag geboren worden sind. Meistens sei dies bei älteren Menschen der Fall. Der Grund sei, dass die Anmeldung auf dem Amt teilweise erst Monate nach der Geburt erfolgte. „Im Winter war es nicht möglich, in die Provinzstadt zu fahren. Auch in den Sommermonaten hatte man wegen der Erntezeit kaum die Möglichkeit dazu“, sagt der türkischstämmige Eisenberger. Einige Väter seien in Großstädten oder im Ausland beschäftigt gewesen und nur alle paar Monate nach Hause gekommen. Deshalb habe es Sammelmeldungen gegeben, weiß Önder. „Kinder, die zwischen Juli und Dezember eines Jahres geboren wurden, hat man zum 1. Januar angemeldet. So war es für die Verwaltungsstelle und für die Eltern einfach.“ Die tatsächlichen Geburtsdaten seien nicht dokumentiert worden, der 1. Januar sei zudem leicht zu merken gewesen. Auch in seiner eigenen Familie wichen tatsächliches und offizielles Geburtsdatum bei einigen Verwandten voneinander ab. „Mein Vater ist zum Beispiel erst nach zehn Monaten angemeldet worden“, erzählt Önder. Er sei laut seiner Großmutter im Oktober 1954 auf die Welt gekommen, eingetragen wurde die Geburt erst im Juli 1955. „Eigentlich müssen wir zwei Geburtstage feiern. Wir feiern aber im Juli, damit es seine Ordnung hat. So ist er ja eingetragen“, meint Önder augenzwinkernd. Bei seiner Mutter sei es ähnlich. Sie sei sechs Monate nach ihrer Geburt angemeldet worden. „Jeder, der am 1. Januar seinen Geburtstag hat, hat seine eigene Geschichte“ erzählt der Eisenberger weiter. „Bei unseren Bekannten ist es jedes Mal eine Freude, den Opa nach seinem Alter zu fragen. Es wird hin und her überlegt und anscheinend wird er auch jedes Jahr jünger“, meint Önder und lacht. Und der türkischstämmige Eisenberger ergänzt: „Da ich über den Jahreswechsel in der Türkei bin, muss ich viele Geburtstage feiern.“

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