Rheinpfalz Eberhard Gienger turnt vor
Hochkarätiger Besuch zum Jubiläum. Zum 125-jährigen Bestehen des Turnvereins (TV) Rammelsbach, das morgen, Samstag, mit einem sportlichen Teil und einem Festakt begangen wird, hat sich auch der frühere Turnweltmeister Eberhard Gienger angekündigt.
Gienger kommt jedoch nicht mit dem Auto, sondern landet gegen 13.30 Uhr mit dem Fallschirm nahe der Turnhalle und präsentiert anschließend einige Turnübungen. Der sportliche Teil der Jubiläumsfeier beginnt allerdings bereits um 9 Uhr mit Tischtennis und Turnen in der Halle sowie Leichtathletik auf dem Sportgelände hinter der Schule. Auf dem Bolzplatz wird Tennis gespielt. Gegen 14.30 Uhr wird dann der Festakt eröffnet und die einzelnen Sportgruppen vorgestellt. Der TVR ist der größte Verein im Ort – aktuell zählt er 470 Mitglieder. Im Jahr der Gründung, 1891, gab es in der Umgebung lediglich die Turnvereine Kusel, Wolfstein, Waldmohr, Schönenberg und Lauterecken. Somit gehört der TVR auch zu den ältesten Turnvereinen im Landkreis. Noch im Gründungsjahr legte der Verein mit seinen damals schon 50 Mitgliedern, darunter 31 aktive Turner, einen Turnplatz neben dem ehemaligen Gasthaus Becker an. Um fürs Turnen als Hauptsportart zu werben, wurde ab 1900 jährlich ein Schauturnen veranstaltet. Zweimal richtete der Verein das Turnfest des Pfälzer Nord-West-Turngaus aus und war an der Gründung des Glan-Lauter-Turngaus maßgeblich beteiligt. Nach dem Ersten Weltkrieg – in der Chronik wird Julius Niebergall als Sieger des Turngau-Wettkampfs in Erlenbach erwähnt – hielt auch die Sportart Fußball Einzug in Rammelsbach. 1922 führte dies dazu, dass sich aus den Reihen des TV der Arbeiterturn-und Sportverein bildete, der vorrangig Fußball spielte. Der Turnverein stellte sich in der Folge breiter auf: 1926 wurde ein Spielmannszug und eine Turnerkapelle unter der Leitung von Josef Arnold gegründet. Zwischen 1924 und 1931 wurden Theaterstücke aufgeführt. Doch auch sportlich war der TV erfolgreich. Beim dritten Gauturnfest errang Emil Bier den ersten Preis im Geräte-Zwölf-Kampf. Beim Deutschen Turnfest 1928 in Köln war der Verein mit 16 Aktiven vertreten. Anfang der 1930er Jahre öffnete sich die Sportart auch für Frauen. Beim Deutschen Turnfest in Breslau 1938 waren die Rammelsbacher erstmals auch mit Turnerinnen vertreten und wurden bei ihrer Rückkehr am Bahnhof von einer großen Zuschauermenge mit Musikkapelle empfangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der TV nach einem von den Alliierten erlassenen Turnverbot aufgelöst und 1950 neu gegründet. In den darauf folgenden Jahren blühte der Verein auf und feierte zahlreiche turnerische Erfolge. Im Jahre 1967 wurde ein Tischtennis- und zwei Jahre später eine Judoabteilung gegründet, die nach neun Jahren wieder aufgelöst wurde. Bis heute ist das Sportangebot des Vereins gewachsen. Außer Turnen und Tennis werden beim TV, Tischtennis, Leichtathletik und Beachvolleyball betrieben. Zudem gehört dem Verein eine Herzsportgruppe an. |say