Rheinpfalz „Drei Tage haben zum Jubiläum gefehlt“

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„Schaffe, schaffe Häusle baue“, ist ein bekannter Satz der Schwaben zum Thema, was man im Leben machen sollte. Den Satz kann Walter Bauer aus Wallhalben unterschreiben. 80 Jahre alt ist der frühere Betriebsratsvorsitzende von Adidas in Wallhalben mittlerweile, und das Thema Bauen begleitet ihn bis heute durch sein Leben. Wird er nach seinem Hobby oder seiner Berufung gefragt, „sage ich immer, dass ich Bruchsteine klopfe“, verrät Bauer lachend.

Die Bruchsteine setzt er zusammen, zu Mauern, zu Wänden, zu Häusern. „Schon mein Leben lang“, bekennt der gelernte Maurer, der sich beruflich im Laufe seines Lebens lange Zeit mit ganz anderen Dingen beschäftigen musste. Der Ausbau des früheren Adidas-Werkes in Wallhalben und Hettenhausen beschäftigte ihn noch als Maurer. Dass er als Betriebsrat maßgeblich die Abwicklung der Adidas-Produktion an diesen Standorten mit organisieren musste, „das war nicht abzusehen“, sagt Bauer. Fast 20 Jahre lang arbeitete Bauer bei Adidas. „Drei Tage haben zum Jubiläum gefehlt“, erinnert er sich. Die Abwicklung des Standortes, „eine der schwierigsten beruflichen Zeiten“, sagt er. Die Strecke von Wallhalben nach Herzogenaurach in die Adidas-Zentrale, „die habe ich einige Male zurückgelegt“, erinnert sich Bauer. Dass der Sportartikelhersteller mal sein Arbeitgeber werden würde und er sich dort gewerkschaftlich stark einbringen würde, war nicht geplant. Geboren wurde Bauer in Herschberg. „Mitten rein in eine Maurer-Familie“, erzählt er. Folglich lernte auch er Maurer. Bei Wolf & Sofsky. In den 50er Jahren, „hatten wir große Baustellen. Uni-Bibliothek in Mainz, in Zweibrücken die Berufsschule“. Ehefrau Marianne stammt aus Wallhalben, und der Liebe wegen zog Bauer vom Berg ins Tal. Eine der ersten Taten dort: „Ich habe in Wallhalben gebaut“, sagt er lachend. Sein eigenes Haus. Nicht das einzige Haus in Wallhalben, das er gebaut hat. Die Kenntnisse des Bau-Fachmanns, der noch heute gefragter Ansprechpartner ist, wenn es beispielsweise um das schwierige Thema Bauen mit Sandstein geht, waren hoch geschätzt. „Walter, passt das?“ oder „Walter, wie geht das?“ oder „Walter, könntest du mir mal helfen?“, sind oft gehörte Fragen. Sein Bausachverstand war auch in der Familie gefragt. Bei vier Kindern war der Papa mehrfach als Bauherr tätig. In den 60er Jahren arbeitete seine Frau bei Adidas. Dass Walter Bauer das Bauen im Blut hat, sprach sich bis zu Adidas rum. „Das war schon ein guter, sozialer Arbeitgeber. Es wurden für die Region gute Löhne bezahlt“, erinnert sich Bauer. Er wurde gefragt, ob er nicht für Adidas arbeiten wolle und sich zum Beispiel um alles kümmere, was mit dem Thema Bauen dort zu tun hat. Konnte er. „Am 27. März 1967 fing ich bei Adidas an“, erzählt Bauer. Der Produktionsstandort wuchs und wuchs, die Mitarbeiterzahl stieg. „600 Mitarbeiter waren dort in den 1960er-Jahren beschäftigt. Täglich wurden 2500 Paar Adiletten und 5000 Paar Sportschuhe produziert“, erinnert sich Bauer. Damit das möglich war, musste Bauer auch bauen. 1972 das erste Lagergebäude. „15 mal 18 Meter“, hat Bauer die Maße noch genau im Kopf. Wie von nahezu jedem Gebäude, in dem er in seinem Leben bautechnisch mal Hand angelegt hat. 1974/75 wurde die Lagerfläche erweitert. In Hettenhausen wurde die frühere Schuhfabrik Mattil von Adidas übernommen, umgebaut von Bauer. „Da haben 199 Stepperinnen und ein Stepper drin gearbeitet“, erinnert er sich, dass die Stepperei eine Frauen-Domäne war. Zu seiner Domäne, dem Bauen, kam 1978 die Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzender dazu. Gewerkschaftlich organisiert war er schon in jungen Jahren. Der Job-Wechsel brachte einen Gewerkschaftswechsel mit sich. Von der IG Bau wechselte Bauer zur IG Bergbau, Chemie, Energie. Zwei Sozialpläne musste Bauer in der Abwicklungsphase für die Mitarbeiter mit ausarbeiten. „Keine schöne Zeit. Man kannte sich ja, hat zusammen im Dorf gewohnt oder im Nachbardorf. Und es wurde festgelegt, wer gehen muss, wer bleiben kann“, erinnert sich Bauer an schwierige Verhandlungen im Adi-Dassler-Raum in Herzogenaurach. Bis Adidas schließlich seine Standorte in der Westpfalz komplett abwickelte. Schwierige Zeiten. „Kenne ich aber. Ich bin ja schon lange in der SPD“, verrät Walter Bauer lachend. Er wechselte zur AOK in Pirmasens, arbeitete dort bis zum Ruhestand im Hilfsmitteldienst. Das Bauen war ihm in die Wiege gelegt, das politische Interesse auch. Papa Fritz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mal als Bürgermeister in Herschberg eingesetzt. „Ich weiß noch, dass meine Mutter zu meinen Brüdern und mir mal sagte, ihr könnt machen, was ihr wollt, macht bloß keine Politik“, erinnert sich Walter Bauer. Auf die Mama hat er nicht gehört. Er war 25 Jahre politisch aktiv. Als Mitglied im Gemeinde- und Verbandsgemeinderat Wallhalben. Langweilig wurde es ihm nie. „Heute noch nicht“, erzählt er. Zu bauen gibt es immer was, und ab und an in Urlaub fahren, zuletzt nach Elba, „das mache ich auch gerne“, sagt Walter Bauer.

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