Kultur Südpfalz Drastische Darstellungen
Um den Maler, Zeichner und Grafiker Karl Hubbuch war es in den vergangenen Jahrzehnten eher still geworden. Aber nun, zum 125. Geburtstag, würdigt nicht nur die Städtische Galerie seiner Heimatstadt Karlsruhe den Künstler mit einer umfänglichen Ausstellung, sondern ebenso die Städtische Galerie Rastatt mit einer gut gegliederten, über 300 Zeichnungen, Grafiken und Ölbilder umfassenden Schau.
Das Rastatter Engagement für den unter der Nazi-Diktatur verfemten und mit Berufsverbot belegten Künstler hat einen plausiblen Grund: Nachdem seine Karlsruher Wohnung bei einem Bombenangriff schwer beschädigt worden war, zog Hubbuch zur Schwiegermutter nach Rastatt. Hier entstanden Architekturzeichnungen von Schloss Favorite, der Pagodenburg und anderen Gebäuden. Unmittelbar nach dem Krieg - Rastatt lag nun in der französischen, Karlsruhe in der amerikanischen Besatzungszone – betätigte sich Hubbuch politisch. 1947 kehrte er in die Heimatstadt Karlsruhe zurück, wo er zunächst kurz als Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule und dann wieder bis 1957 als Professor an der Akademie, an der man ihn 1933 entlassen hatte, unterrichtete. Die Rastatter Ausstellung ist mit „hubbuch.narrativ“ überschrieben. „Narrativ“ bedeutet „erzählend“ und tatsächlich erzählen, schildern Hubbuchs Arbeiten dem Betrachter vieles, ungeschminkt, gegen den Strich gezeichnet. Das gilt für die Miniaturbilder aus dem Ersten Weltkrieg, in den Hubbuch freiwillig gezogen war. Das gilt aber mindestens ebenso für seine drastischen Darstellungen der Zustände in der Zeit der Weimarer Republik. Das trug Hubbuch, der wie George Grosz und Otto Dix der neuen Sachlichkeit zugerechnet wird, schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten deren Feindschaft ein. Ein Großteil der in Rastatt ausgestellten Zeichnungen, Radierungen, Lithographien und Bilder stammt von privaten Leihgebern. Davon war vieles noch nie öffentlich zu sehen. Einen Spezialfall stellen die in einem abgetrennten Bereich gezeigten Erotika dar: Hubbuch hat auch sehr unverblümt pornografische Blätter geschaffen. Das ist harte Kost. Die Lebensphasen Hubbuchs einschließlich seiner Studienreisen und die biografischen Brüche sind in dieser Ausstellung ebenso gut nachzuvollziehen wie die künstlerische Entwicklung. Sie ist daher weit mehr als nur eine Ergänzung der Ausstellung in Karlsruhe. Hubbuch ist 1979, seit Jahren nahezu erblindet, in seiner Heimatstadt gestorben, Aber auch in Rastatt hat man ihn doch nicht vergessen. Information Die Ausstellung „hubbuch.narrativ“, ist bis 22. Januar 2017 in der Städtischen Galerie Rastatt (Fruchthalle) zu sehen. Die Öffnungszeiten sind donnerstags bis samstags von 12 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr. Zu der Ausstellung gibt es einen Katalog.