Rheinpfalz Dorfspaziergang in Waldfischbach-Burgalben

Überraschung: Der neue Wagen der Waldfischbacher „Kernbeißer“ kam mindestens genauso gut an, wie die Getränke selbst.
Überraschung: Der neue Wagen der Waldfischbacher »Kernbeißer« kam mindestens genauso gut an, wie die Getränke selbst.

RHEINPFALZ-DORFSPAZIERGANG: Dorfgeschichte und -geschichten, Lückenschlüsse, überraschende Erfrischungen und viel Sonnenschein: Der Dorfspaziergang in Waldfischbach-Burgalben hat gute Chancen, als der längste, sonnigste und am besten umsorgte in die Geschichte der RHEINPFALZ-Dorfspaziergänge im Landkreis Südwestpfalz einzugehen. Los ging’s am Mittwoch am Aussichtspunkt Wetterfähnchen.

«Waldfischbach-Burgalben.» Ob der Bericht denn im Sportteil erscheinen würde, fragt ein gut gelaunter Dorf-Spaziergänger beim gemütlichen und nach zweieinhalb Stunden wohlverdienten Abschluss des Rundgangs im Geistlichen Zentrum Maria Rosenberg. Sportlich war der Dorfspaziergang auf jeden Fall, der die Wanderer vom Aussichtspunkt Wetterfähnchen oberhalb des Sonnenhangs einmal hinunter zum Rathaus, hinauf an Sankt Josef vorbei zur Schäferei und den Schulen, die Rambatreppe hinunter zum Heimatmuseum, über die Mosalb und dann hinauf nach Maria Rosenberg geführt hat. Herrlicher Sonnenschein sorgte dabei für ausgesprochen gute Laune, brachte aber auch so manchen ins Schwitzen. Wie gut, dass die Waldfischbach-Burgalber so gastfreundlich und gesellig sind: Zweimal erwartete die Wanderer auf dem Weg eine kleine Erfrischung. Einmal kam die sogar für Ortsbürgermeisterin Anna Silvia Henne überraschend ... Zurück auf Anfang. Etwa 30 Waldfischbacher und Burgalber – diese Unterscheidung scheint nicht für alle Einwohner überholt, wie Gespräche über nicht-zusammenkommende Vereine zeigten – finden sich um 18 Uhr bei gefühlten 30 Grad auf dem Parkplatz „Gewerb“ ein, ganz in der Nähe des Aussichtspunkts Wetterfähnchen. Es sind Funktionsträger dabei, alteingesessene Bürger und Zugezogene, die einfach mal den Ort besser kennenlernen wollen. An einer etwa zwei bis drei Hektar großen Grünfläche bleibt die Ortsbürgermeisterin auf dem Weg den Sonnenhang hinunter stehen. „Für diese Fläche gibt es schon viele Anfragen, obwohl sie noch gar kein Bauland ist“, erzählt sie. Baugebiet soll das Land, das aktuell zu zwei Dritteln der Ortsgemeinde und zu einem Drittel der protestantischen Kirchengemeinde gehört, schon werden. Doch wann es zu diesem „Lückenschluss“ im Innenbereich des Ortes kommt, kann Henne noch nicht genau sagen. In etwa drei Jahren könne es vielleicht soweit sein. „Aber das ist ambitioniert.“ Es geht weiter bergab, die Höhstraße hinunter, „das längste Provisorium in Waldfischbach-Burgalben“ entlang. So nennt Norbert Mansmann die Absperrung, die verhindern soll, dass Fußgänger den Gehweg benutzen, der einst an die Hochstraße „angeklebt“ wurde. Jetzt trägt er sie aber nicht mehr sicher. Schon seit vier Jahren sei die Sanierung der Höhstraße in Planung, erzählt Mansmann. 2017 werde es nicht mehr zu den mit 1,1 Millionen Euro veranschlagten Sanierungsarbeiten kommen, kündigt derweil Henne an. „Zwei Jahre haben wir auf Zuschüsse gewartet, jetzt gibt es neue rechtliche Vorschriften“, berichtet sie, daher müssten die Planungen möglicherweise angepasst werden. „Aber immerhin haben wir nach zweieinhalb Jahren nun den Zuschuss für die Helle-Röder-Straße erhalten, dort kann es jetzt losgehen.“ Am Rathauskreisel angekommen, gibt’s für die Läufer die erste, unerwartete Erfrischung. Die Kernbeißer – das sind die jungen „alten Herren“ der SGW – warten mit einem blau-weiß-gelben Versorgungswagen am Rathaus, um die Spaziergänger mit Cola, Wasser und frisch gezapftem Bier zu versorgen. „Wir haben den Wagen erst vor Kurzem fertiggestellt und so tolles Wetter müssen wir einfach nutzen“, stellt Kernbeißer Stefan Wernli fest. Sekt wird es später auch noch geben, beim Hotel Zum Schwan. Weiter bergauf. Wo bis 1955 das Gefängnis war, wohnt heute der Pfarrer; wo heute die Schäferei ist, war einmal ein russisches Gefangenenlager, dessen Insassen Zwangsarbeit verrichten mussten; und der Hasen-Adam, die Figur eines Brunnens unterhalb der Burgalber Kirche, hieß Haas, hatte nichts mit Hasen zu tun und wurde ein Opfer des Nationalsozialismus. Immer wieder gibt Norbert Schnauber, der Vorsitzende des Heimatpflegevereins, auf dem Rundgang Informationen aus der Heimatgeschichte zum Besten – die die Alteingesessenen gerne um Dorfgeschichten und Erinnerungen ergänzen. Zum Beispiel, wie toll das Dorffest an der Schäferei früher war. „Drei Tage Halli-Galli.“ – „Alle Höfe waren offen, alles war voll.“ – „Es gab drei Bühnen.“ – „War wirklich toll!“, so ist zu hören. Neben der alten Schule, in der vier Klassenstufen gemeinsam unterrichtet wurden, war früher eine Bäckerei, erinnert sich Alfons Entenmann. Ein Stück weiter eine Wirtschaft, wo es Bier für 45 Pfennige gab. Ein unzufriedener Biertrinker ist Entenmann von damals in Erinnerung geblieben. Er hatte sich beschwert, weil das Glas nicht ganz voll war. „Des wachst noch“, so der Wirt. Der Gast bezahlte also nur 40 Pfennige: „Des wachst a noch.“ Entenmann lacht. Während die Spaziergänger ihre Geschichten austauschen, gibt Ortsbürgermeisterin Henne Informationen zu Projekten und „Lückenschlüssen“. „Die neue Sozialstation soll eine Tagespflege für 20 bis 30 Demenzkranke haben. Ein Lückenschluss, denn die nächste Station, die so etwas anbietet, ist in Battweiler.“ Laut Henne soll der Bau der neuen Sozialstation noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Auf einen weiteren „Lückenschluss“, der mit der Einrichtung der Integrierten Gesamtschule abgeschlossen wurde, ist Henne besonders stolz. „Ab dem Alter von acht Wochen bis zum Abitur bieten wir hier im Ort Ganztagesbetreuung.“ Und wenn der Umbau der Grundschule in Waldfischbach erst abgeschlossen und alle Waldfischbacher und Burgalber Grundschulkinder zum Schuljahr 2018/19 an einem Standort vereint sein werden, könnte es mehr der heiß begehrten Kita-Plätze geben – um die sich auch in Waldfischbach-Burgalben schon schwangere Frauen bewerben, wie Henne erzählt. Der Kindergarten kann sich dann im Gebäude der Burgalber Grundschule ausbreiten. Nach zweieinhalb Stunden empfängt Maria Rosenberg die Spaziergänger mit Glockengeläut und Weißwürsten zu einem herzhaften Abschluss. „Des machen wir jetzt ä Mol im Monat“, schlägt eine Spaziergängerin vor, „wir ham ja noch gar net alles g’sehn.“

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