Kultur Südpfalz Die Welt retten

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Im Bellheimer Kunst- und Künstlerhaus „bHK“ nähern sich der Architekt Christian Heuchel aus Köln, der Maler Mike Überall aus Karlsruhe, der Literat Ralph Musielski aus Hamburg und der Künstler und Leiter der Herxheimer Kunstschule Villa Wieser Gunter Klag auf ihre je eigene künstlerische Art und Weise einem gemeinsamen Ziel: Das Projekt „Welt retten – machen wir“ ist ihr Beitrag zum Kultursommer Rheinland-Pfalz.

Was braucht es, um die Welt zu retten? Ein verändertes Weltbild, neue Pädagogen und innovative Erziehungssysteme? Reicht ein feuchter Lappen mit Spülmittel um Viren auf Computern zu bekämpfen oder braucht es mutierte Hasen der Spezies „hasus infernalis kohlhasus“, die frei nach dem Motto „mach kaputt, was dich kaputt macht“ zum großen Halali auf ihre Jäger blasen? Müssen Weltrettungsmodelle klare Grenzen zwischen den Kulturen ziehen oder schafft „Una Calzone“ als Mischmasch aus allem Bisherigen ein gemeinsames Neues? Zunächst hat sich jeder Projektpartner in seinem eigenen Kämmerlein mit dem Thema beschäftigt. Im zweiten Schritt haben die vier Künstler ihre Arbeiten zusammengetragen. Installationen, Collagen, Bilder und Drucke stellen die unterschiedlichen Herangehensweisen vor. In der Begegnung und Auseinandersetzung näherten sich die Partner ihrem letztendlichen Ziel: Die Herstellung eines weiteren Künstlerbuches. Wenn alles gut läuft, soll das Gesamtkunstwerk mit Rezepten zur Weltrettung aus dem Hause bHK noch in diesem Jahr vollendet werden. Heuchel hat eine Bildhauerarbeit zum Jüngsten Gericht aus dem 12. Jahrhundert, die Marienfigur Imad-Madonna aus dem 11. Jahrhundert und die Lilie als Königssymbol in einfachen Konturen skizziert, zu einer neuen Form vereint und in einen hölzernen Kubus installiert. In der weiteren Reduzierung des Gebildes entstanden Dreiecksformen aus Korkplatten, die zu Druckstöcken werden. Die Freiheit des Mottos „Der Sommer unseres Vergnügens“ sei eine hoch gelegte Hürde für ein Projekt gewesen. Wie wann und warum daraus der Weltrettungsgedanke ins Zentrum der Überlegungen rückte, wissen die Künstler im bHK nicht mehr so genau. Vielleicht waren es die bewegenden und weltverändernden Nachrichten, die sich seit einiger Zeit in Windeseile verbreiten. „Immer öfter muss ich den Aus-Knopf drücken weil ich das, was ich hören muss, nicht mehr ertragen kann“, meint Gunter Klag als bekennender Deutschlandfunk-Hörer. Gemäß dem Text in der Sprechblase „Gekotzt wird später“ auf einem seiner Blätter, versuchen sich in seinem Zyklus „ABC zur Weltrettung“ Wissenschaftler aus allen Genres an mehr oder weniger sinnvollen Rezepten. Auffällig ist, dass alle die gelben Sturmhauben tragen, die als gehäkelte Exemplare im vergangenen Jahr alle Helden einander gleich machten. Scheuklappen basis- und realitätsferner Fachidioten? Seinen fiktiven Weltrettern und Hasenkompanien stellt Klag das Porträt des 1939 geborenen Russen Stanislaw Petrow gegenüber, der tatsächlich die Welt gerettet hat, indem er durch eine Befehlsverweigerung den Ausbruch eines Atomkrieges verhinderte. Mike Überall nähert sich dem Thema unter anderem in gegenstandslosen Ölbildern mit mehrdeutigen Titeln wie „Ein Schiff wird kommen“, deren Hintergrund und Interpretation dem jeweiligen Betrachter überlassen bleibt. Die Collage eines Werbeplakates zeigt eine typische Hausfrau aus den 1960er Jahren, die hingebungsvoll mit großer Sorgfalt die Zwischenräume einer Smartphone- und Computer-Tastatur reinigt. Der promovierte Komparatist Ralph Musielki schließlich bediente sich in der Performance zur Ausstellungseröffnung mit eigenen Texten der Sprache als Medium zur Beleuchtung des Themas. Zum Beispiel im Versuch eines Pädagogen, ein Bonbons forderndes Kind sprachtechnisch zu beeinflussen und gleichzeitig die Einsicht zu wecken, dass Süßigkeiten ungesund und deshalb nicht erstrebenswert sind. Ein weiterer Text befasste sich mit der sich neu verbreitenden Landhaus-Nostalgie mit der Moral, dass der Weltrettungsgedanke dort an Grenzen kommt, wo in bunten Gärten und essbaren Städten Schnecken bekämpft werden, die den Salat anknabbern. Info Die Ausstellung in der Hauptstraße 129, Bellheim, mit Filmeinspielung der Performance zur Eröffnung ist noch heute und morgen 14 bis 19 Uhr geöffnet. Info: 0177 5620479. (srs)

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