Kultur Südpfalz Die vielen Facetten der Virtuosität

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Zwei Gäste prägten das jüngste Sinfoniekonzert der Badischen Staatskapelle: Der französische Shooting-Star der Pianistenszene Lucas Debargue und der Dirigent Constantin Trinks. Im Karlsruher Staatstheater erkundeten sie unterschiedliche Aspekte der Virtuosität.

Sein Nicht-Gewinn des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs – der Liebling des Publikums und der Kritik musste sich mit dem vierten Preis begnügen – brachte Lucas Debargue den Durchbruch. Inzwischen wird er, der erst mit 20 Jahren professionell begann, Klavier zu studieren, als eines der größten Talente den Pianisten-Szene gehandelt. Er musizierte mit der aufmerksam agierenden Staatskapelle das zweite Klavierkonzert von Franz Liszt. Musik ist für den optisch gar nicht auf Star getrimmten Pianisten Kommunikation, wie er in den ausdrucksstarken Dialogen mit dem Solocellisten unterstrich. Sein manuelles Potenzial ist beachtlich, aber längst nicht auf dem Niveau eines Kissin oder Trifonov, die in dieser Beziehung eine Kategorie für sich darstellen. Aber wie sich Lucas Debargue um den Klang, gar den einzelnen Ton bemüht, ihn in ein plastische Piano zurücknimmt, um nach kurzem Sinnieren dem für das As-Dur-Konzert auch nötige Pathos freien Lauf zu lassen, zeugte von seiner Musikalität. Den dichten Passagen widmet er sich mit größtem Mut zum Risiko, auch wenn hier sein Ton etwas flach und trocken wird. Aber der Gestaltungswillen dieses großen Talent überzeugt bei Liszt ebenso wie bei den beiden spinnenfingrig musizierten zugegebenen Scarlatti-Sonaten K 208 und K 24. Auf seiner ersten Studio-CD (Sony CD 88985341762 ) vereint Debargue Werke von Bach, Beethoven und Medtner. Bei Bachs Toccata c-Moll BWV 911 gehen Formgefühl und Fantasie Hand in Hand, bei Beethovens Sonate op. 10/3 gelingt es ihm neben klug ausgeleuchteter Details auch den Überblick über das Prozesshafte der Sonate zu bewahren. Höhepunkt ist aber die erste Sonate op. 5 des russischen Spätromantikers Nikolai Medtner. Wie schon in Moskau überzeugt er hier mit seiner Ausdruckskraft und Gestaltungswillen, zudem kann er den virtuosen Ansprüchen mit beachtlicher Farbigkeit begegnen. Ebenso eindrucksvoll geriet die Rückkehr von Constantin Trinks in seine Heimatstadt. Unter seiner eleganten Stabführung überzeugte das Orchester mit einer in der jüngeren Vergangenheit selten erlebten Klangqualität. Bei den „Vier Tondichtungen nach Böcklin“ von Max Reger begeisterten die differenzierte Farbschichtungen, die er dem Orchestersatz subtil entlockte. Die feinsten Verästlungen des Streichersatzes wurden ebenso nuanciert wie die der Bläser plastisch ausgebreitet. Im „Geigenden Eremit“ konnte er sich zudem auf den durchgängig solistisch geforderten Konzertmeister Janos Ecseghy und seinen farbenreichen Geigenton stützen. Bela Bartóks „Konzert für Orchester“ ist auch ein Kompendium der Orchestervirtuosität. Trinks ist bei Bartók ein Interpret, der eher mit dem Florett denn dem schweren Säbel zu Werke ging: Bei höchster rhythmischer Präzision hielt er die Musik am Fließen, leuchtete aus, schattierte die Farben, besonders in der tief verinnerlichten „Elegia“. Die sarkastische Seite der vor dem Hintergrund des in Europa wütenden Faschismus entstandenen Komposition wird von Trinks eher nobel-diskret, fast etwas zu zurückhaltend gesehen. Die Staatskapelle mit ihrem leuchtenden, vielfach abgestuften Streicherklang, dem markant-zuverlässigen Blech, vor allem aber den solistisch geforderten ersten Holzbläserpulten konnte unter seiner fordernden Leitung vorbehaltlos begeistern. Mit diesem Konzert hat Trinks im Wettbewerb um den in zwei Jahren vakanten Posten des Karlsruher Generalmusikdirektors eine hohe Messlatte gelegt. |gt

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