Rheinpfalz Die unbekannte Katastrophe
Der Öffentlichkeit unbekannt blieb das vermutlich größte Zugunglück in der Pfalz. Die Katastrophe ereignete sich am 7. Januar 1918 zwischen Hauptstuhl und Bruchmühlbach. Sie forderte 33 Tote und 110 zum Teil Schwerverletzte. Die Opfer waren Soldaten, unter den Verletzten befanden sich auch einige Zivilisten.
Warum das Unglück nicht aus den später im Landesarchiv Speyer gelagerten Akten öffentlich geworden ist, kann dessen Leiter Walter Rummel nicht mit Gewissheit sagen: „Vermutlich trugen die Kriegs- und Nachkriegswirren dazu bei.“ Bruchmühlbach gehörte damals zum Bezirksamt Homburg. Von dort erreichte am 8. Januar 1918 um 9.05 Uhr ein Telefonanruf die Bezirksregierung in Speyer. Die Mitteilung: „Schweres Eisenbahnunglück. Nachtschnellzug nach Saarbrücken ist in voller Fahrt in einen Etappenzug hineingefahren.“ Anfänglich war die Rede von neun Toten; es wurden fast viermal so viele. Der Schnellzug sollte Soldaten an die Westfront bringen. Der Güterzug transportierte Kriegsmaterial. Er musste zwischen Hauptstuhl und Bruchmühlbach halten, „weil die Lokomotive den Zug wegen des Schnees nicht mehr weiterbrachte“, oder „weil das Einfahrtsignal der Station Bruchmühlbach auf Halt gestanden hat“. Ein Gericht versuchte folgende Erklärung: „Weil es bei starkem Frost heftig schneite“ und sich daraus „schwierige Witterungsverhältnisse im Zusammenhang mit menschlichem Versagen ergeben haben“, sei es zur Kollision gekommen. Nicht angeklagt war der Schnellzug-Lokomotivführer Konrad Schörlein; angeklagt, doch freigesprochen wurde der Hauptstuhler Stationsführer Georg Weber. Den Helfern am Unglücksort bot sich ein Bild des Grauens. In Presseberichten hieß es: „Die Folgen des Zusammenpralls waren furchtbar. Die Lokomotive des D-Zugs wurde beiseitegeschleudert, die ersten Wagen teils ineinandergeschoben, teils aufeinandergetürmt. Das Jammern der Sterbenden und Verletzten war weithin hörbar. Das Schulhaus von Bruchmühlbach verwandelte sich in ein großes Leichenhaus.“ Regierungspräsident Adolf Ritter von Neuffer fuhr einen Tag später zum Unfallort, Bayern-König Ludwig III. kondolierte telegrafisch und ließ 1000 Reichsmark für die Hinterbliebenen überweisen. Die Opfer kamen aus Baden und Franken, einige aus der Pfalz. Info Walter Rummel referiert am Mittwoch, 4. Oktober, 19 Uhr, im Pfälzischen Institut für Geschichte in Kaiserslautern über den „Tod in einer Winternacht“ .