Rheinpfalz „Die sind beide an mir vorbeigeflogen“

Der angeklagte Mercedesfahrer arbeitet in der Autobranche und hat seinen AMG, der 250 Stundenkilometer fährt, in kaputtem Zustan
Der angeklagte Mercedesfahrer arbeitet in der Autobranche und hat seinen AMG, der 250 Stundenkilometer fährt, in kaputtem Zustand gekauft und in dreieinhalb Jahren repariert.

«Contwig/Zweibrücken.» Er wollte mit seiner Verlobten nach Pirmasens. Einen Burger essen. Doch die Fahrt am Pfingstsamstag 2018 endete auf der Autobahn, oben am Flugplatz in einer Massenkarambolage. Ein Porsche und ein Mercedes AMG krachten in ein Stauende. Ein Rennen hätten sie sich nicht geliefert. Das schilderte der Anfang-20-jährige Porschefahrer, der seit Dienstag vor Gericht steht. Die Staatsanwältin geht jedoch von einem illegalen Straßenrennen zwischen den beiden hochmotorisierten Boliden aus. Die Angeklagten widersprechen dem. Doch alle Zeugen, die zum Prozessauftakt vor dem Zweibrücker Amtsgericht aussagten, hatten einen anderen Eindruck. „Die sind beide an uns vorbeigerast. Mit Vollgas“, beschreibt es ein Zeuge, der mit seinem Auto auf der A 8 unterwegs war, als er von den beiden Angeklagten überholt wurde. Den Abstand zwischen den Sportwagen schätzt er auf unter 25 Meter ein – zu wenig bei der Geschwindigkeit, laut Zeuge über 150 Kilometer pro Stunde. Auch andere Zeugen, die auf der Autobahn von den beiden überholt wurden, beschreiben das Fahrverhalten der beiden ähnlich. Einen zu geringen Abstand hat der Mercedesfahrer laut eigenen Angaben nicht gehabt. An die hundert Meter zum Porsche, wie er beschreibt. Der Anfang-30-jährige Mercedesfahrer, der bei dem Unfall mit seinem Auto über mehrere andere Autos hinwegflog, wollte laut seiner Aussage noch mal kurz in die Firma nach Pirmasens fahren. Den Porsche hat er zum ersten Mal am Ende Etzelwegs Richtung Mittelbach erblickt – „die Farbe fällt ja auch auf“, erklärte er. Auf der Autobahn ist er zügiger unterwegs gewesen. „Ich hatte es eilig auf der Strecke. Ich wollte nicht zu lange auf der Arbeit bleiben“, erklärt er. „Verständlich, es war ja auch Wochenende“, so Richter Christian Orth. Der Angeklagte erklärt, er sei hinter dem Porsche gefahren, habe das Stauende in der langgezogenen Linkskurve erst spät gesehen, da das Gebüsch in der Mittelleitplanke recht hoch gewachsen war. Als der blaue Porsche vor ihm stark abbremste, sah er das Bremslicht pulsieren, was für eine starke Bremsung spreche, und er trat ebenfalls voll in die Eisen. Als etwa 40 Meter vor dem Stauende erkannte, dass er es nicht mehr schaffen würde, wollte er nach links ausweichen, um einen Direktaufprall zu verhindern. Dann seien die Airbags aufgeplatzt, und er habe nichts mehr gesehen, schilderte der Mercedesfahrer. Laut den Erklärungen des Porschefahrer fuhr der Mercedes auf den Porsche auf und ließ ihn nach rechts abdriften. Dadurch habe sich der Porsche gedreht und knallte mit dem Heck ins Stauende. Der Porschefahrer beteuert, dass er es rechtzeitig geschafft hätte, vor dem Stauende zum Stehen zu kommen. Laut zweier Zeugenaussagen waren die beiden Sportwagen aber schon im Etzelweg durch schnelles, lautes und dichtes Fahren aufgefallen. „Die sind beide an mir vorbeigeflogen“, berichtet eine Zeugin. Auch ist sie der Meinung, dass das Rennen zwischen den beiden schon im Etzelweg stattgefunden hat. „Die sahen so aus, als würden sie sich verfolgen – ein einfaches Gedrängel war das definitiv nicht“, sagt die Zeugin weiter. Wenn das stimmt, trafen sich die beiden nicht erst am Ende der Straße beim Aldi, wie es der Mercedesfahrer ausgesagt hatte. Ein weiterer Zeuge hat die beiden zudem mehrmals durch die Innenstadt fahren sehen. Er habe zu dem Zeitpunkt in einem Café in der Maxstraße gesessen. Einen zu geringen Abstand haben die beiden Sportwagen laut ihm zwar nicht gehabt, dafür aber einen „sehr unruhigen Gasfuß“. Die beiden Angeklagten sind keine Autoneulinge. Der Porschefahrer hat mit seinem Vater bis 2015 aktiv Motorsport betrieben − Moto-Cross und Track-Racing, wie er sagt. Den blauen Porsche Cayman S, der rund 350 PS unter der Haube und eine Spitzengeschwindigkeit von 285 Stundenkilometern erreichen kann, ist über die Firma seiner Eltern angemeldet. Um die 70.000 Euro kann so ein Auto neu kosten. Die Jugendgerichtshilfe beschreibt sein Verhalten als „Rückfall in jugendtypisches Verhalten“. Der Mercedesfahrer arbeitet seit Jahren in der Autobranche und hat seinen AMG, der bei 250 Stundenkilometer abgeregelt ist, in einem kaputten Zustand gekauft und in dreieinhalb Jahren repariert. Er räumte ein, dass er auf der Strecke oberhalb von Contwig die Höchstgeschwindigkeit fahren könnte. Aber selbst dann wäre ihm der Porsche bei freier Strecke davon gefahren. Auch das spreche gegen ein Rennen. Acht Zeugen sollen noch aussagen. Zwei weitere Termine sind angesetzt. Zwei Geschädigte sagten bereits am Dienstag aus, darunter aber keiner der Verletzten, die in dem Stau standen, sondern nur Zeugen, deren Autos eher leicht beschädigt wurden.

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