Rheinpfalz Die Narren regieren wieder

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Mit dem Rathaussturm am Neujahrstag startete der Karnevalverein Waldfischbach-Burgalben ins neue Jahr. Zuvor war der neue politische Jahresorden vorgestellt worden; ihn ziert nun der Pirmasenser Oberbürgermeister Bernhard Matheis.

Seit gestern Morgen ticken die Uhren in Waldfischbach-Burgalben wieder im närrischen Takt: Um halb zwölf verkündeten elf gewaltige Böllerschüsse von der traditionellen Übernahme der kommunalpolitischen Geschäfte durch die Aktiven des Karnevalvereines Waldfischbach und rissen so manchen Langschläfer aus der Erholungsphase. Gemeinsam mit seiner Prinzessin Nathalie I. und einem stattlichen Tross von Gefolgsleuten war das entschlossene Machtergreifungs-Kommando um Präsident Albert Zimmermann pünktlich um 11 Uhr 11 zum Rathaus marschiert und hatte dort Ortschefin Anna Silvia Henne zur Kapitulation aufgefordert. Die vor dem Gebäude bereit stehenden Angriffsbatterien mit leuchtenden, heulenden und funkelnden Feuerwerkseffekten waren noch nicht gezündet, da schwenkte die Noch-Herrscherin auch schon die weiße Fahne und ließ den Schlüssel für die Rathaustür zu den begeisterten Karnevalisten hinab. „Ob Narren das Regieren verstehen, werden wir am Aschermittwoch sehen“, ließ Henne zwar leise Zweifel an der politischen Kompetenz der neuen Machthaber durchklingen, machte aber dennoch den Weg zum Gemeindetresor frei. Dieser entpuppte sich ungeplant als recht störrisch, und die dicke Stahltür wollte nur mit vereinten Kräften ihren Inhalt preisgeben: eine – immerhin goldene – Tüte mit kleinen, süßen Überraschungen war es, was der KVW als Startkapital mit in seine Kampagne 2016 nehmen durfte. Zum 45. Mal hatte der Karnevalverein zuvor am Donnerstag seinen politischen Jahresorden vorgestellt. Der diesjährige Ordensträger ist der Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens, Bernhard Matheis. Das Narrenblech zierten im Laufe der Jahre immer Politiker aus dem Zeitgeschehen mit jährlich wechselndem Motiv. Sie alle mussten für eine Karikatur herhalten. Das Besondere an dem Orden ist auch, dass er persönlich überreicht wird. So auch in diesem Jahr. Bernhard Matheis wird ihn persönlich bei der KVW-Prunksitzung am 9. Januar im Bürgerhaus Schuhfabrik in Empfang nehmen. Da der Orden seit Jahren wieder mal einem Kommunalpolitiker gewidmet ist, entfällt die Reise nach Mainz oder Berlin (früher Bonn) zur Übergabe für den Verein. Schwer hatte es der KVW in diesem Jahr, einen Ordensträger zu finden, sagte KVW-Präsident Albert Zimmermann. „Knapp ein Jahr vor den Wahlen in Rheinland-Pfalz gab es auch in dieser Zeit keine besonderen Ereignisse, auf die man sich hätte sofort stürzen können. Aber wir Fastnachter müssen immer wieder geduldig sein und abwarten können, so ergab sich dann doch ganz kurzfristig ein Motiv“, stellte er fest. Aber: „Nicht für jeden ist das Thema gut, da hängen auch persönliche Probleme daran“, ist man sich im Verein um die Probleme der betroffenen Arbeitnehmer infolge der Real-Schließung bewusst. In der Mitte des Bildes steht OB Matheis. Er hat zwei Themen zur Wahl, einmal positiv und einmal negativ, erklärt der KVW-Präsident das Motiv: Kultur in der Stadt und deren Image als Einkaufsstadt, symbolisiert durch die Wiederherstellung der Alten Post einerseits und die Schließung des Einkaufsmarktes Real andererseits. Den Hintergrund des Ordens zieren Bauwerke des Ortes: Pirmasens mit seinem Exerzierplatz und dem Rathaus. Matheis hält in der linken Hand auf einem roten Samtkissen ein Modell der Alten Post und in der rechten eine Abbildung des Real-Marktes. Daraus ziehen die Fastnachter den Schluss: „Kulturentempel ist ok – Einkaufsstadt ade“. Zeichnerisch umgesetzt hat die Idee wie schon seit Jahren Matthias Schmidt. (jn)

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