Rheinpfalz Die meisten Eltern schätzen ihre Kinder richtig ein

Welche Schule soll das Kind nach der Grundschule besuchen? Eltern haben die Entscheidung bereits im Frühjahr getroffen, einige sind möglicherweise schon heute unsicher, ob sie die richtige Wahl getroffen haben. Bei Eltern von Viertklässlern beginnt die finale Entscheidungsphase nun. Die RHEINPFALZ hat mit Marion Roth-Bauer, Unterstufenleiterin des Veldenz-Gymnasiums Lauterecken, über ihre Erfahrungen mit Empfehlungsschreiben der Grundschulen gesprochen.
„Wir wissen nicht, wer eine Empfehlung hatte, denn die Eltern sind nicht verpflichtet diese vorzulegen“, erklärt Roth-Bauer, um Bedenken auszuräumen, dass Schüler ohne Empfehlung unter besonderer Beobachtung stehen könnten. Kindern ohne Gymnasialempfehlung hafte kein Makel an. „Die Kinder kommen als unbeschriebenes Blatt“, betont Roth-Bauer, die Lehrer stünden ihnen unvoreingenommen gegenüber. Mit den Empfehlungen der Grundschulen setze man bei der Anmeldung der Schüler auch auf das Halbjahreszeugnis der vierten Klasse. „Wir schauen auf die Noten und besonders auf die Verbalbeurteilung“, berichtet sie. Hauptaugenmerk liegt auf den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht. Bei Schülern mit der Note Vier in einem Hauptfach werde auch mal nachgefragt, wie diese entstanden sei. „Wenn die Vier nur mit viel Mühe erreicht worden ist, ist das Gymnasium eventuell nicht die richtige Schule“, erklärt die Leiterin der Orientierungsstufe. „Anders sieht es aus, wenn sie beispielsweise aus krankheitsbedingten Fehlzeiten resultiert“, erklärt sie. Immer wieder betont Roth-Bauer, dass Kommunikation und Beratung das A und O sei. Auch Eltern, deren Kinder viele Dreier im Zeugnis hätten, würden beraten. „Ich mag es, wenn das Kind dabei ist und ich mir schon einen Eindruck machen kann“, erzählt Roth-Bauer, die früher in einer Grundschule arbeitete und aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung oft schon an Reaktionen des Kindes sehe, ob es den Anforderungen am Gymnasium gewachsen sei. Doch nicht nur das Gespräch mit den Eltern bilde eine wichtige Säule, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Grundschulen, die eine Rücksprache mit den Grundschullehrern ermögliche. Für Roth-Bauer sind die Unsicherheiten, Befürchtungen und Zweifel der Eltern nichts Ungewöhnliches. Sie selbst hat zwei Kinder und Gleiches erlebt. Während die Tochter eine Gymnasialempfehlung hatte, erhielt ihr Sohn diese nicht. Trotzdem schickte sie auch ihn aufs Gymnasium. Am Ende, beim Abitur, hätten beide Kinder den gleichen Notendurchschnitt gehabt, erzählt Roth-Bauer. Bei der Frage, ob die in Rheinland-Pfalz geltende Regelung, dass der Elternwille bei der Schulwahl entscheidend ist, gut sei, überlegt sie etwas länger. Die meisten Eltern seien vorab schon sehr gut informiert und in der Lage, ihre Kinder gut einzuschätzen. Auf dieser Grundlage träfen die meisten die richtige Entscheidung. Nur bei einem „verschwindend geringen Teil der Eltern“ sei es nicht gut, dass sie die Entscheidung allein treffen würden. Insgesamt habe sie gute Erfahrungen mit den Empfehlungen der Grundschule gemacht, lobt Roth-Bauer. In den meisten Fällen würden die Grundschullehrer die richtige Richtung vorgeben, weil sie die Kinder lange und intensiv kennengelernt hätten und daher am besten einschätzen könnten. Außerdem würden sie sich viel Mühe geben in ihren Beurteilungen. Eltern gibt Roth-Bauer einen Rat: „Nicht unbedingt auf die Freunde des Kindes setzen, was die Schulwahl betrifft“, denn es komme zu neuen Konstellationen beim Bilden von Klassen. Abschließend hält sie fest: „Wer unsicher ist, kann immer gerne zu einem Gespräch zu mir kommen.“ Das gelte besonders für jene, die den Eindruck hätten, eine falsche Wahl getroffen zu haben. Kinder, die an einer anderen Schule unterfordert erschienen, sollten am besten nach der fünften Klasse wechseln, da in der sechsten Klasse bereits die zweite Fremdsprache beginne. Gymnasiasten, die sich überfordert fühlten und nicht mithalten könnten, würden in einer anderen Schulform „kleine punktuelle Knackser durch gute Leistung wettmachen“. Der Wechsel sei zwar schade, aber der gymnasiale Vorsprung gebe eine gute Starthilfe. Zwischenzeitlich gibt es viele Möglichkeiten auch beispielsweise nach der mittleren Reife noch auf das Gymnasium zu wechseln, sodass es nie zu spät ist, eine einmal getroffene Entscheidung zu ändern.