Rheinpfalz Die medizinische Versorgung steht auf dem Spiel
Mit einen interessanten Vortrag über die „Aspekte der gesundheitlichen Lage in unserer Region“ war der Leiter der Abteilung Gesundheitswesen der Kreisverwaltung Südwestpfalz, Heinz-Ulrich Koch, bei der Kreisvolkshochschule zu Gast. In Kooperation mit der Johann-Peter-Frank-Gesellschaft referierte er im Dr.-Lederer-Haus in Rodalben. „Wir hatten heute drei Gegner: das Wetter, Fußball und die frühe Anfangszeit“, mutmaßte Alois Dauenhauer, Vorsitzender der Johann-Peter-Frank-Gesellschaft, zum kleinen Zuhörer-Kreis.
Was die ärztliche Versorgung in der Region angeht, malte Koch ein düsteres Bild. Er schloss sich damit dem Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung an, die den Zusammenbruch der Versorgung in der Region prognostizierte. Die Zahlen seien alarmierend. Bis zum Jahr 2023 würde rund die Hälfte aller niedergelassenen Ärzte in der Südwestpfalz, Pirmasens und Zweibrücken aufgeben. Werden keine Nachfolger gefunden, habe das gravierende Folgen. Schon heute kommen auf einen Arzt 689 Patienten. Diese Quote könnte ansteigen bis auf rund 1150 Patienten pro Arzt. Nicht besser sieht es in der stationären Versorgung in den Krankenhäusern aus. Ausgehend von einem Bettenbedarf von rund 780 Betten auf 100.000 Einwohner ist die Südwestpfalz schon heute unterversorgt (608). Von 1991 bis 2006 wurden rund 25 Prozent der Krankenhauskapazität in der Region abgebaut, während im gleichen Zeitraum die Fallzahlen um rund 15 Prozent gestiegen sind. „Das System wurde durch Sparen saniert“, erklärte Koch. Kürzere Liegezeiten und eine schlechtere Versorgung seien die Folge. Die gehe zu Lasten der Patienten aber auch der Mitarbeiter. Als Beispiel nannte Koch die Pflegeleistung. Sei 1991 ein Krankenpfleger im Schnitt für sechs Patienten zuständig gewesen, müsse er heute 20 Patienten betreuen. An eine Umkehr das Marschrichtung im Gesundheitsweisen glaubt Koch nicht. „Dafür ist der Prozess zu weit fortgeschritten.“ Trotz aller Gefahren und Umweltbedrohungen, die das Leben mit sich bringe: Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts hat sich die Lebenserwartung in Deutschland verdreifacht. „Das ist zum größten Teil der von Johann Peter Frank begründeten Hygienelehre zuzuschreiben“, informierte Koch. Die Versorgung mit saubererem Trinkwasser, eine funktionierende Abwasserentsorgung, eine ausreichende und hochwertige Lebensmittelversorgung und nicht zuletzt Impfungen seien die ausschlaggebenden Faktoren für ein längeres Leben. Als Leiter des Gesundheitsamtes obliege ihm die Prüfung der Trinkwasserqualität. Gerade aus diesem Grund sei es für ihn nicht verständlich, dass es so schwer sei, die Gemeinden zu überzeugen, ihr Geld dort zu investieren. Dieses System gewährleiste, dass eine Übertragung von eingeschleppten Krankheiten und eine Entstehung von Epidemien bei uns nahezu unmöglich sei. Auch das Impfen sieht er als wichtigen Faktor. So sei in der Südwestpfalz im Jahr 2014 gegen den deutschen Trend kein einziger Masern-Fall aufgetreten. „Das ist ein Erfolg unserer Kinderärzte“, sagte Koch. Impfgegnern gibt er mit: „Sie leisten sich den Luxus, gegen das geringe Risiko der Impfung möglicherweise den Tod in Kauf zu nehmen.“ Wobei auch er bei den Impfungen differenzierte. Gegen die saisonale Influenza etwa böten die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz. Hier zeige sich: „Prävention ist immer effektiver als Krankheiten zu heilen“, so Koch. Es gelte deshalb immer das Gebot, Ansteckungen schon im Vorfeld zu vermeiden. |bos