Zweibrücken
Kein Zuschlag: Kritik an Auftragsvergabe für Online-Plattform
Im Herbst 2026 soll das City-Portal ans Netz gehen, berichtet Rathaussprecher Jens John auf Anfrage. Bezahlt wird die neue Zweibrücker Online-Präsenz mit Fördergeldern vom Land. Laut Stadt soll das City-Portal „mit Hilfe digitaler Tools und Kommunikation das Image der Innenstadt aufwerten, über Events und positive Entwicklungen informieren und so die Innenstadt als Ort für Gewerbe, Kultur, Erlebnis und Begegnung neu platzieren“. Einzelhandel und Gastronomie sowie die City-Managerin dürfen bei der Webseite mitwirken. Dort lassen sich innerstädtische Angebote, Aktionen und Veranstaltungen eintragen. Langfristig soll das City-Portal von City-Management und Stadtmarketing betreut werden.
Das Grundgerüst der Plattform wird von einem professionellen Web-Entwickler erstellt. Dieser wird mit bis zu 50.000 Euro Fördergeld aus der Landeskasse bezahlt. Der auf ein Jahr befristete Auftrag sei erteilt, erklärt Jens John. „Beim aktuellen Stand wird davon ausgegangen, dass das neue City-Portal bis Herbst 2026 an den Start geht.“ Nach RHEINPFALZ-Informationen hat die Bonner Agentur Die Medialen den Zuschlag zum Erstellen des City-Portals bekommen.
Schon existierende Software als Basis
Bei der Ausschreibung nicht zum Zuge gekommen ist ein IT-Fachmann aus Zweibrücken. Wie der Diplom-Mathematiker und Softwareentwickler gegenüber der RHEINPFALZ schildert, hätte sich sein Konzept auf eine bereits existierende Software gestützt, die in anderen Städten mit Erfolg genutzt werde. Künftige Updates für diese Software wären für Zweibrücken preisgünstiger, weil alle beteiligten Städte sich diese Kosten teilten. Mit seiner Variante, so der Bewerber, hätten die Anschaffungskosten für Zweibrücken knapp unter 20.000 Euro gelegen.
Wie der Zweibrücker berichtet, wurden die Bewerbungen in der Ausschreibung nach drei Gesichtspunkten bewertet. Beim ersten Kriterium, dem Preisangebot, habe er alle 50 möglichen Punkte erhalten, während der Gewinner es dort nur auf 24,8 Punkte gebracht habe. Zweites Kriterium („Herangehensweise“) seien Konzepte wie KI-Tools und die Möglichkeit gewesen, das City-Portal künftig bedienerfreundlich zu überarbeiten und anzupassen („Continuos Relaunch“). Hier habe die Bonner Agentur alle 50 Punkte erzielt. „Dieses Kriterium war zuvor in der Leistungsbeschreibung der Stadt aber nicht gefordert“, klagt der unterlegene Mitbewerber.
Große Agenturen bevorzugt?
Auch beim dritten Kriterium („Projektteam/Erfahrung“) habe der Sieger vorn gelegen. In einer schriftlichen Begründung, die der RHEINPFALZ vorliegt, erläutert die Jury, dass die Bonner Agentur „ein mehrköpfiges Team (inklusive Mediengestalter Visual und Ton) und eine redundante (wörtlich zitiert, die Red.) Ausstattung des Teams“ habe darlegen können. Die Referenzen des Unternehmens zeugten von langjähriger „Erfahrung in zahlreichen Projekten mit vergleichbaren Aufgaben, deren Umsetzung den Auftraggeber überzeugt haben und einen sehr guten Projekterfolg in Aussicht stellen“. Hier vermutet der Zweibrücker Diplom-Mathematiker „eine Bevorzugung großer Agenturen, während wirtschaftliche, funktionierende Software von hochqualifizierten Solo-Selbstständigen benachteiligt“ werde. Er hatte hier nur 90 Punkte erzielt, gegenüber 150 Zählern für die Bonner Agentur. Der Zweibrücker IT-Fachmann sieht seinen Erfahrungsschatz nicht hinreichend gewürdigt. „Immerhin habe ich bereits 2018 für den Zweibrücker Gemeinsamhandel ein digitales Trainingslager durchgeführt und 2019 im Rathaus mit Oberbürgermeister Wosnitza ein Gespräch zur Umsetzung der einschlägigen Plattform ZwAPP geführt. Diese Lösung hätte damals ohne Steuergelder, nur aus Vereinsmitteln, finanziert werden sollen.“
Sechs Bieter machen bei Ausschreibung mit
Gegenüber der RHEINPFALZ lässt die Stadtverwaltung ihren Sprecher Jens John erläutern, dass sich sechs Bieter an der Ausschreibung beteiligt hätten. Hätte die Stadt nur Bieter aus der Region berücksichtigen wollen, hätte dies laut John „gegen das Diskriminierungsverbot und den Wettbewerbsgrundsatz“ verstoßen und wäre somit unzulässig gewesen. Alle Bieter hätten dieselben Chancen gehabt.
„Vorliegend war nicht allein der Preis entscheidend für den Zuschlag“, betont John. Dieses Kriterium habe bei der Bewertung der Angebote mit einem Anteil von nur zehn Prozent „eine untergeordnete Rolle gespielt“. Die Bewertungskriterien seien „vorab festgelegt“ gewesen.
„Sehr hoher Projekterfolg zu erwarten“
Die Bonner Gewinner hätten die Jury mit ihrer Erfahrung überzeugt. Deren Darstellung beim Kriterium „Herangehensweise“ lasse „einen sehr hohen Projekterfolg erwarten, weil im Vergleich zu den übrigen Bietern besonders zielführende Vorgehensweisen gut nachvollziehbar dargestellt und angeboten wurden. Zudem wurde ein einschlägig erfahrenes Projektteam vorgestellt, und die vorgelegten Referenzen haben bei Gestaltung und Funktionalität die Auswahljury überzeugt.“
Das Land habe seine Förderung nicht an die Bedingung geknüpft, dass keine bereits vorhandene Software genutzt werden darf. Allerdings durften die Bieter bei ihren Honorarforderungen die maximale Fördersumme von 50.000 Euro nicht überschreiten. Diese Summe sei im Gebot der Bonner Web-Entwickler nicht ausgeschöpft worden. Es habe unter den sechs Bietern den zweitniedrigsten Preis genannt – nach dem Gebot des Zweibrücker IT-Fachmanns.