Rheinpfalz Die Kraft der Gruppe

Große Investoren wollen mit ihrem Geld weiteres Geld verdienen. Bürger, die nicht das große Geld haben, sind bei solchen Geschäften draußen. Als Gruppe aber können zivilgesellschaftliche Akteure durchaus als Investoren auftreten. Rolf Novy-Huy, Geschäftsführer der Stiftung Trias, zeigt beim „Stadt.Umbau.Salon“ des Fachgebiets Stadtumbau + Ortserneuerung der Technischen Universität Wege auf, die sich auf dem Kaiserslauterer Pfaff-Areal realisieren lassen.
Bürgerschaftliches Engagement muss nicht in der Theorie stecken bleiben. „Eine Gruppe kann Investor sein“, konstatiert Novy-Huy und macht das an Beispielen von Bürgern fest, die ihre eigene Kita oder Montessori-Schule gegründet haben. Natürlich kann eine Gruppe scheitern, aber auch bei einem einzelnen Investor „klappt es nicht immer“. Beispiel: Flughafen Hahn. Neben dem Know-how ist eine Gruppe in der Lage, Eigenkapital und private Darlehen zu mobilisieren, Bürgschaften zu übernehmen und: Wenn es schief zu laufen droht, kann die „Kraft der Gruppe“, die gern unterschätzt wird, Helfer aus ihrem Umfeld mobilisieren. „Das kriegt ein reicher Münchner Zahnarzt allein gar nicht hin.“ Der klassische Investor geht in Insolvenz. Zuerst muss jemand für eine Idee brennen. Es braucht Pioniertypen, die unternehmerisch handeln wollen. Sie müssen Mitstreiter suchen, die alle ein Ziel haben. In einem zweiten Schritt suchen sie auf dem Gelände ein Gebäude aus: „Das ist die Portion, die man schaffen kann.“ Danach folgt der Erwerb. Am Schluss muss klar sein, dass die Gruppe Zins, Tilgung und Unterhalt bezahlen kann und andererseits für den künftigen Mieter der Quadratmeterpreis stimmt. Die Stiftung Trias, die es seit 14 Jahren gibt, hilft solchen Gruppen, indem sie beispielsweise als Käufer auftritt und das gekaufte Grundstück an eine Gruppe im Erbbaurecht verpachtet. Das ist bei Pfaff denkbar, jedoch braucht die Stiftung „bei jedem neuen Projekt neue Stiftungsmittel“. Novy-Huy warnt daher: „Wir sind keine Geldkiste, sondern eher eine Werkzeugkiste.“ Damit meint er, dass in einer solchen Investorengruppe in der Regel genug Kreativität vorhanden ist, aber oft betriebswirtschaftliches oder juristisches Wissen fehlt. Mit diesem „Werkzeug“ kann Trias aushelfen. Banken sehen diese Fähigkeiten von Gruppen, diese „Schwarmintelligenz“, heute gar nicht mehr. Meist zählt für sie als Geldgeber nur das Eigenkapital und Sicherheiten. Die GLS-Gemeinschaftsbank − eine sozial-ökologisch ausgerichtete Bank mit einer Bilanzsumme von vier Milliarden Euro, mit der die Stiftung Trias zusammenarbeitet −, finanziert solche Projekte, ist beispielsweise auf nachhaltiges Wohnen spezialisiert. „Einer Stadt kann nichts Besseres passieren − gerade in Zeiten knapper Kassen −, als dass sich Bürger engagieren“, stellt der Trias-Geschäftsführer fest, der aus dem Ruhrgebiet kommt und von dort die Thematik Industriebrachen kennt. Eine Stadt müsse das jedoch wollen, das gemeinschaftliche Engagement von Bürgern, die „nicht nach der Stadt rufen, sondern selbst unternehmerisch handeln“. Dann werde sie durchaus Entgegenkommen zeigen, eventuell mit einem kleinen Startzuschuss für Beraterwissen oder bei den Verhandlungen für ein Grundstück oder Gebäude. Novy-Huy bringt in dem Zusammenhang das Anhandgabe-Verfahren für ein kommunales Grundstück ins Spiel; eine befristete Reservierung, in der der Käufer Details seines Konzepts oder die Finanzierung klären kann. Die Anhandgabe erfolgt gegen eine Gebühr, die später auf den Kaufpreis angerechnet wird. Aus seiner Stiftungsarbeit bringt er Beispiele mit, wo sich bürgerliches Engagement für eine Stadt ausgezahlt hat. ExRotaprint in Berlin, eine 10.000 Quadratmeter große frühere Produktionsstätte, die Gewerbe, Kultur und Gemeinnütziges in einem denkmalgeschützten Gebäude vereint. Oder das Zentralwerk, eine Kultur- und Wohngenossenschaft in Dresden, das von Trias gekauft und auf 99 Jahre im Erbbaurecht an die neue Genossenschaft verpachtet wurde.