Rheinpfalz Die Idylle trügt

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Idyllisch liegt der vereinsamte Hof zwischen Merzalben und Hinterweidenthal in einer Lichtung im Wald. Vom Sandstein blättert weiße Farbe. Ein Wildwechsel führt neben dem Haus durch das Grundstück. Dass an dieser Stelle vor einigen Jahren eine große Baustelle zur Substanzerhaltung war, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Die beiden Gebäude bekamen ein nagelneues rotes Dach mit Biberschwanzziegeln, neue Dachrinnen und Fallrohre. Die brüchigen Ausfachungen aus Lehm wurden erneuert. Die Restaurierung an dem Häuser-Ensemble diente einzig und allein der Substanzsicherung. Zeitgleich wurde die nachträglich errichtete Terrasse am Haupthaus abgerissen und das Gebäude bekam eine massive Tür, um Einbruch und Vandalismus zu verhindern. Auch die Baracken, die 1937 vom Reichsarbeitsdienst erbaut wurden, sind seitdem entfernt. Demnächst sei vorgesehen, die Fensterläden zu streichen, sagt Michael Grünfelder, Leiter vom Forstamt Hinterweidenthal. Über die Farbe entscheide der Denkmalschutz. „Nach der gültigen Rechtsverordnung des Naturparks Pfälzerwald hat der hiesige Forst den Auftrag, den Wald entsprechend seiner ursprünglichen Strukturen zu entwickeln und sich dann zurückzuziehen“, erklärt der Diplom-Forstwirt. Seit 2002 werde dort schon keine Forstwirtschaft mehr betrieben. Das bedeutet für den Hof, der selbst aus der Kernzone herausgenommen ist, dass in Zukunft lediglich eine Zuwegung zum Anwesen offengehalten wird. Letztendlich wäre dann nur noch ein Rumpf von etwa zehn Prozent der heutigen Wege in Funktion. Zu den Grundsätzen des Denkmalschutzes gehört es aber nun einmal, dass unter Schutz gestellte Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der ehemalige Erblehenshof Gräfenstein müsste daher eigentlich das geistige, künstlerische und kulturelle Wirken seiner Zeit bezeugen. Da genau das im Fall Wieslauterhof nicht erwünscht ist, wurde der Fall 2011 ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler aufgenommen. Dort wird auf die Pointe hingewiesen, dass Besucher das Grundstück nicht betreten dürfen. Die Bestandssicherung, die 103.000 Euro gekostet habe, sei daher als Verschwendung von Steuergeldern anzusehen. „Der eigentliche Nukleus des Denkmalschutzes ist das Nebengebäude“, erklärt Grünfelder; weil sich in dem zierlichen, engen Fachwerkhaus unter dem Wohnraum die Stallungen befinden. Höfe wie das heutige Haupthaus finde man dagegen viele in der Region. Unter Schutz stehe aber das ganze Ensemble samt dem ehemaligen Bewässerungsweiher. Deswegen wurde auch vor zwei Jahren der Mönch, das Stau- und Ablasssystem des Weihers, repariert. Vor einigen Jahren habe sich die Universität Kaiserslautern für den Wieslauterhof interessiert, als Außenlaboratorium für Studenten. Doch es gibt keine Toilettenanlage, kein fließendes Wasser, keinen Strom. Abgesehen von den Anforderungen des Brandschutzes, der einen zusätzlichen Ausgang im Gebäude notwendig gemacht hätte. Grünfelder schüttelt den Kopf: „Warum soll etwas geschützt und bewahrt werden, wenn die Infrastruktur fehlt und die Nutzungsmöglichkeiten derart eingeschränkt sind?“ Er kann die Entscheidung des Denkmalschutzes zwar verstehen, doch seine Lösung sähe anders aus. „Ich persönlich kann mir eine Wüstung vorstellen“, sagt der Forstamtsleiter. Er findet aber auch, dass es sich der Naturschutz zu einfach mache. Der wolle nämlich den Hof über eine öffentliche Institution betrieben wissen. Der Vorschlag des Forstleiters würde die Auskernung des Gebäudes bedeuten, damit die Natur die Überreste des Hofes zurückerobern kann. „Der Wieslauterhof ist kulturhistorisch schon wertvoll“, betont Grünfelder, der Denkmalschutz grundsätzlich für wichtig erachtet. Doch man müsse auch sehen, worauf es hinauslaufe. Und das sei hier nun einmal letztendlich die Renaturalisierung.

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