Kultur Südpfalz Die Hoffnung bleibt

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Seit 30 Jahren gibt es das Künstlerhaus Edenkoben und genauso lange die Übersetzerwerkstatt „Poesie der Nachbarn“, die stets einen Höhepunkt im literarischen Jahresreigen der Kulturinstitution markiert und ein poetisch-politisches Signal weit über die Landesgrenzen hinaus ist. Im Jubiläumsjahr war Syrien zu Gast und das Publikumsinteresse bei der Abschlusslesung war groß.

„Die Poesie der Nachbarn“ hat den Freunden des Künstlerhauses schon viele Länder und Leute nähergebracht. Arabisch sprechende Nationen waren aber noch nie dabei. Und dennoch: „Die Syrer“, so begrüßte Hausherr Hans Thill seine Gäste, „sind paradoxerweise die nächsten Nachbarn, die wir haben.“ Aus ihrer zerbombten Heimat und vor der Willkür eines politischen Machtapparates geflohen, fanden sie Zuflucht in Deutschland und leben mitten unter uns: In Wanne-Eickel, wo die 1989 in Salamiyya geborene Lina Atfah ihren ersten Gedichtband „Am Rand der Befreiung“ schrieb. In Hamburg, wo der vielfach ausgezeichnete Aref Hamza (geboren 1974) und der sieben Jahre jüngere palästinensisch-syrische Autor Raed Wahesh eine Bleibe fanden. In Köln, wo der 37-jährige Journalist und Schriftsteller Mohammad Al-Matroud mit einem Stipendium unterkam. Und in Berlin, wo die 1963 in Damaskus geborene Lina Tibi – Mitbegründerin des Literaturmagazins Al-Katiba – lebt. Sie alle – wie auch ihre in Kairo wohnhafte Dichterkollegin Rasha Omran – gaben einen imponierenden und bewegenden Einblick in die facettenreiche, sprachmächtige und wortgewaltige, dabei durchaus auch träumerische und versonnene Lyrik ihrer Muttersprache. „Das Interesse an den fernen Nachbarn ist kurzatmig“, meinte Mahmoud Hassanein, der die Lesung moderierte, in Bezug auf die Verbreitung arabischer Literatur im deutschsprachigen Raum. Die Poesie der Nachbarn aber hat das Interesse an syrischer Dichtung nachhaltig geweckt. Es ist – wie die Übersetzungen von Dorothea Grünzweig, Brigitte Oleschinski, Julia Trompeter, Christoph Peters, Joachim Sartorius und Jan Wagner widerspiegeln – eine Verskunst, die gar nicht verkünstelt daherkommt. Diese Poesie ist geerdet, geradlinig, klar und gut verständlich. Alltägliche Dinge wie ein Stecknadel, gewohnte Bilder wie die Kajal geschminkten Augen der Frauen, und einfache Situationen wie ein einsames Abendessen werden zu beredten Metaphern für das schier Unmögliche, das die Menschen in Kriegsgebieten körperlich und seelisch durchleiden. In ihren meist ruhigen, mitunter melancholischen, oft in einem erzählenden Duktus vorgetragenen Gedichten, die ja auch Lebensgeschichten sind, verschweigen die Autoren weder Hass noch Angst, weder Trauer noch Leid, weder Gewalt noch Tod. Aber sie lassen diese Dunkelheit in sich selbst nicht die Oberhand gewinnen. Immer bleibt da die Hoffnung auf bessere Zeiten, der trostvolle Blick auf das Schöne, das es einst auch gab und das sich mitunter mitten im Chaos findet, die Erinnerung, die man in seinem Herzen bewahrt. Lina Atfah hat mit ihren knapp 28 Jahren einen so berührenden Klagegesang für „lin und leila und alle kinder Syriens denen das messer des mörders zuvorkam“ geschrieben, dass diese Transzendenz vom Dunkel ins Licht fast greifbar zwischen den Zeilen flirrt. „zwei mädchen aus honig, schläfrigkeit und leisem schmuckklirren/ zwei lächelnde mädchen, dann in der flaumnacht fällt die tür/ des morgenherzens zu/ kein klagen soll hier sein/ denn kindheit ist ja winziger als eine träne/ und das gedicht steht lallend nur davor/… mögt ihr aufwachen in einem neuen morgen mit spielzeugen und malheften/... mögt ihr doch aufwachen in einem neuen morgen mit liedern,/ einem traum, in dem die kindheit nicht zur opfergabe wird fürs überleben.“ Wie einfach dieses Leben sein könnte, wie wenig man braucht, um glücklich zu sein, beschreibt Al-Matroud in seinen „Lebenszeichen 3“. Da geht es um eine Rose, „die hatte einen einzigen traum/ einen leichten wind zu heiraten/ und ein wesen zu gebären mit namen „glücklicher Tag“. Aber sie schlugen ihr den Kopf ab, Blut strömte, „ihre Leiche landete in seinem Gesicht/ ... dann endlich ein duft vom wind gebracht…/“ Die Seele dieser Rose ist so unsterblich wie die Sehnsucht der Syrer nach besseren Zeiten. Wann wird Friede sein?

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