Kultur Südpfalz Die Farben des Todes

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Gemäß des Mottos „2014 – 1914/ Frieden + Krieg“ der Europäischen Kulturtage präsentiert die Städtische Galerie Karlsruhe aus eigenen Beständen bis zum 24. August eine Schau rund um Krieg, Gewalt und Verletzlichkeit. Ihr Radius wird von Werken von Jacques Callot bis hin zu denen von Karl Hofer, Wilhelm Schnarrenberger, Jörg Immendorff oder Georg Baselitz geprägt.

Eine übliche Ausstellung ist „Krieg, Gewalt, Verletzlichkeit. Macht und Ohnmacht des Menschen“ indes nicht. Die Städtische Galerie Karlsruhe nutzt die jährliche Neupräsentation der eigenen umfangreichen Sammlung dazu, viele Werke, die lange im Magazin lagerten, dem Besucher zugänglich zu machen und sie in einem neuen Kontext zu zeigen. Im zweiten Obergeschoss des Lichthofes 10 des früheren IWKA-Gebäudes, dessen Vergangenheit als Waffenfabrik mit entsprechend stabilen Mauern einen Abriss fast unmöglich machte, schlägt die Schau den Bogen von 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die eindrucksvolle Radierkunst von Jacques Callot passt zum Schwerpunkt der Kulturtage, dem Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Grafische Arbeiten von Gustav Kampmann sind ebenfalls zu sehen, deren fast abstrahierende Expressivität ebenso begeistert wie die von Wilhelm Schnarrenberger, der durch seine verschobenen Perspektiven die Veränderungen, die der Kriegsbeginn in den Menschen auslöste, nachgezeichnet hat. Höchst ironisch zeigt Georg Scholz 1921 die Ewig-Gestrigen, die den Sieg von Sedan feiern in seinem „Kriegerverein“ nach, während das Hakenkreuz auf dem Bild schon früh vor dem aufkommenden Faschismus warnt. Was dieser anrichtete, schlägt sich auch in Karl Hofers „Die Frierende“, einem düsteren Gemälde von 1941 nieder. Hofer, der wie Scholz oder Schnarrenberger von den Nationalsozialisten verfolgt wurde, zeigt hier am Einzelschicksal, was Krieg bedeutet. Ästhetisch höchst gegensätzlich manifestiert Volker Böhringers „Der betende Henker“ von 1944 in metallischer Farbigkeit und einer fast kubistisch anmutenden Röhrenhaftigkeit der Gestalt das Grauen der Massenvernichtung unter der Braunen Diktatur. Während Schnarrenbergers Bild des zerstörten Karlsruher Hauptbahnhof durch seine fast pastose Farbgestaltung geradezu mild gestimmt erscheint, wird in Erwin Spulers „Als das Feuer vom Himmel fiel“ der Tod und das Grauen sehr abstrahierend dargestellt. Ebenso werden Urängste in Herbert Kitzels „Die Operation“ neben starker Farbigkeit zugleich sehr abstrakt gezeigt, während Shmul Shapiro sich in seinem „Tor des Todes“ ganz direkt mit dem Leid der Holocaust-Opfer befasst. In der Tradition der Pop-Art steht hingegen Lambert Maria Winterbergers „Die Fingerschraube“, in der kühl physische Gewalt gezeigt wird. In seinem Arbeit „Der Exot“ reflektiert Georg Baselitz die Auswirkung von Krieg und Gewalt auf den Menschen, während der Kalte Krieg und seine Auswirkungen sich in Jörg Immendorffs „Cafe Deutschland IV“ sehr detail- und anspielungsreich manifestieren. Allgemeiner werden die Auswirkungen von Gewalt, Angst und Verlassenheit in Arbeiten von Rainer Küchenmeister, Werner Knaupp oder Michael Morgner, die in einem gemeinsamen Raum gehängt wurden, gezeigt. (gt)

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