Rheinpfalz Der „frische Ton“ gehört zu ihm
„Der Privatdozent Madler vertrat sein Fachgebiet immer mit frischem Ton“, hat ihm sein früherer Münchner Chef in seine Bewerbung für das Westpfalz-Klinikum geschrieben. Das war vor gut 23 Jahren, jetzt naht die Zeit des Abschieds. Christian Madler, seit 1996 Inhaber einer Professur an der medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, der seit 1994 als Chefarzt die Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin 1 geleitet hat, geht in den Ruhestand.
Seinen „frischen Ton“ hat sich der 65-Jährige bewahrt. Mit seiner direkten Art, seinem engagierten Eintreten für seine Überzeugung und für das Weiterkommen des Klinikums hat sich Madler nicht nur Freunde gemacht. Nicht jeder kann mit klaren Ansagen umgehen, nicht jeder kommt mit Souveränität und Argumenten zurecht. Madler: „Man muss eine Meinung haben, nicht nur einen Sessel, auf dem man sitzt.“ Wenn der gebürtige Oberpfälzer auf seine Zeit als Chefarzt der Anästhesiologie und Notfallmedizin zurückblickt, so stellt er vorneweg fest: „Die Arbeit ist mehr geworden.“ Und er untermauert seine Behauptung mit Zahlen: 9000 Narkosen pro Jahr stehen heute 16.000 gegenüber, was aber auch mit dem Fortschritt in der Medizin, den vielen nicht-invasiven Eingriffen und den veränderten Anforderungen an die Anästhesie zusammenhängt. Ein Viertel aller Anästhesieleistungen betreffen nicht mehr den OP, sondern die Diagnostik. Der Anästhesist steht bei kritisch kranken Patienten parat: „Wenn der Hubschrauber landet, steht der Anästhesist dabei.“ Madlers Bestreben galt immer den Menschen in der Westpfalz, die er mit notfallmedizinischen Leistungen gut versorgen wollte. Er kämpfte lange Jahre für die Stationierung eines Rettungshubschraubers am Klinikum, zumal mit der Fußball-WM 2006 ein Landeplatz über den Dächern des Krankenhauses gebaut wurde. Dieses Ziel wurde nicht erreicht, bedauert er. Als „Glücksfall“ bezeichnet es Madler, dass er in Kaiserslautern „auf Dieter Rombach gestoßen“ ist. Mit dem früheren Leiter des Fraunhofer IESE hat Madler unter anderem am Deutschen Zentrum für Notfallmedizin und Informationstechnologie zusammengearbeitet. Es befasst sich unter anderem mit der notfallmedizinischer Logistik, für den bayrischen Pfälzer die fünfte Säule des Anästhesisten. Die anderen vier sind neben der Anästhesie, die Intensiv- und die Notfallmedizin sowie die Schmerztherapie. „Man fühlt sich dort wohl, wo man sich einbringen kann und wo man wertgeschätzt wird“, stellt Madler fest und nennt dabei den „Golden-Helix-Award“. Ein Preis, den die Anästhesie für ihre Erfindung des „Zink“, des Zentralen innerklinischen Notfallkoordinators, erhalten hat. Der „Zink“ − ein Arzt − nimmt die Notfälle von außen an und managt sie logistisch im Krankenhaus. Zwei Amtsperioden lang fungierte der Chefarzt zusätzlich als gewählter Ärztlicher Direktor. In dieser Funktion hatte er „Einblicke in die hierarchischen Strukturen eines Großklinikums“, wobei ihm neben der medizinischen Ausrichtung des Klinikums das Zusammengehörigkeitsgefühl am Herzen lag. „Das war die Trumpfkarte des Klinikums: dass sich die Chefärzte gut verstanden haben.“ Das Nachwuchsproblem ist Madler ebenfalls angegangen, denn er vertritt die Meinung: „Ein Haus in der Größenordnung des Westpfalz-Klinikums kann sich nicht damit zufrieden geben, gute Medizin zu machen, sondern muss alle Anstrengungen unternehmen, um im akademischen Konzert mitspielen zu können.“ Daher setzte sich Madler auch für eine Zusammenarbeit mit der Uni Heidelberg bei der Ausbildung ein. Und so wurde das Westpfalz-Klinikum 2011 zum akademischen Lehrkrankenhaus der medizinischen Fakultät Mannheim der Uni Heidelberg ernannt. Madlers Zukunft ist noch offen. Die Idee, Soziologie zu studieren, hat er ad acta gelegt. Vielleicht will er Kontakte nach München intensivieren, um dort wieder Anschluss zu finden.