Rheinpfalz „Der Blutdruck ist ein Sensibelchen“

Kusel. Ein gutes Dutzend Anrufer, fast zwei Stunden Rat und Hilfe: Viel los war gestern bei der RHEINPFALZ-Sprechstunde zum Thema Bluthochdruck. Volker Bertolino, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Westpfalz-Klinikum in Kusel, nahm sich viel Zeit für die Anrufer, half mit Humor und wertvollen Ratschlägen.
Frauen und Männer trauten sich gestern gleichermaßen, beim Fachmann nachzufragen. Häufig ging es um die verschiedenen Medikamente, die gegen den Bluthochdruck eingenommen werden müssen – bis zu vier, fünf verschiedene. Bertolino riet gleich mehrfach, nicht gleich aufzugeben, wenn Tabletten nicht vertragen werden und der Patient meint, ohne ginge es besser. Denn der Blutdruck brauche schließlich eine Weile, um in die Höhe zu steigen – und bleibe auch noch eine Zeit lang nach dem Absetzen von Medikamenten auf einem konstant niedrigeren Wert, so dass viele glaubten, sie bräuchten gar keine mehr. Wegen möglicher Nebenwirkungen fragte ein Mann nach. Bertolino konnte ihn beruhigen: Anfängliche Studien, dass bestimmte Blutdrucktabletten die Bildung von Tumoren förderten, hätten sich nicht bestätigt. Gleich ein ganzes Bündel von Fragen hatte ein weiterer Anrufer. Seinen Blutdruck von 150:100 fand der Chefarzt „einen Tick zu hoch“, riet ihm, abzunehmen und sich zu bewegen, da dies einen guten Einfluss auf den Blutdruck habe. Weit verbreitet ist die Angewohnheit, ein paarmal hintereinander den Blutdruck zu messen – und sich dann den besten Wert auszusuchen. Bertolino riet davon ab: „Dann verliert das Gerät die Eichung und nichts stimmt mehr.“ „Hoppala“ sagte er bei einem Anrufer, der berichtete, dass sein Blutdruck nachts auf extrem hohe Werte ansteige, während er tagsüber eher niedrig sei. Bertolino tippte auf eine sogenannte Schlaf-Apnoe, Atemaussetzer in der Nacht, die dazu führen, dass der Bluthochdruck in die Höhe schießt. Der dringende Rat des Fachmanns: „Ich würde ein Schlaflabor aufsuchen.“ Viele Anrufer nannten erst einmal alle Medikamente, die sie einnehmen, Bertolino sagte, ob sie seiner Meinung nach richtig kombiniert sind. Oft, so erläuterte er, sei es sinnvoll, mit einer 24-Stunden-Messung abzuklären, ob die Tabletten vielleicht zu anderen Zeiten eingenommen werden sollten, da sie eine verschieden lange Wirkung hätten. Ganz zum Schluss half der Chefarzt noch einer Frau, die ganz unterschiedlichen Blutdruck hatte, je nachdem ob sie am linken oder rechten Arm maß. Ihr riet er dringend, sich die Gefäße im Arm untersuchen zu lassen, denn in der Arterie gebe es wohl eine Engstelle, die eventuell mit einem Stent gedehnt werden müsse. (ba/Archivfoto: M. Hoffmann)