Rheinpfalz Der Bürgermeister als Papst

Die katholische Kirche in Reifenberg soll renoviert werden. Kerzenruß, Risse, Feuchtigkeit und Wasserschäden haben das Innere so
Die katholische Kirche in Reifenberg soll renoviert werden. Kerzenruß, Risse, Feuchtigkeit und Wasserschäden haben das Innere so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass der Raum erneut gestrichen wird ? aber nicht mehr weiß. Unser Bild entstand vergangene Woche, als Sakristanin Marie-Luise Bettinger das »Haus der Kommunionkinder 2018« aufstellte.

In der 170 Jahre alten Reifenberger Kirche St. Wendelinus stehen große Renovierungsmaßnahmen an. Wenn alles planmäßig läuft, sollen sie 2019 beginnen. Der Antrag der Kirchengemeinde liegt seit 2003 dem bischöflichen Bauamt in Speyer zur Genehmigung vor. In den Jahren 2008 und 2009 wurde zuerst der Turm saniert, dann kam die Außenrenovierung. Gesamtkosten: 260.000 Euro. Für weitere 200.000 Euro könnten bald auch die alten Malereien in der Kirche freigelegt werden.

Die Reifenberger Kirche war einmal eine der schönsten Kirchen der Pfalz. So ist es heute noch nachzulesen in der „Palatina“, dem belletristischen Beiblatt der Pfälzerzeitung von 1896. 1895/96 erfuhr die 1847/48 erbaute Kirche ihre erste größere Renovierung und erhielt zudem die Bemalung, die bis 1949 bestand. Damals wurde der Innenraum weiß überstrichen. 1963 folgte der zweite Anstrich, 1984 ein weiterer. Inzwischen haben Kerzenruß, Risse, Feuchtigkeit und Wasserschäden das Kircheninnere so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass der Raum erneut gestrichen werden soll. Kürzlich besichtigten der Gebietsingenieur Reneo D’Onghia und der Dom- und Diözesankonservator Wolfgang Franz vom Bistum Speyer mit Pfarrer Bernhard Selinger und dem Gemeindeausschussvorsitzenden Pirmin Zimmer die Kirche. Dabei ging es vor allem um die übertünchten Bemalungen oberhalb der beiden Seitenaltäre, die seit 1949 nicht mehr sichtbar sind. 2011 gab es auf Anordnung des bischöflichen Bauamts eine Untersuchung, die das Restaurationsteam von Karen Keller aus Köln vornahm (die RHEINPFALZ berichtete). Dabei wurden einige Bereiche der offenbar gut erhaltenen Wandmalereien freigelegt. Es wird vermutet, dass die Malereien einst aus Geldmangel überstrichen wurden. Wie sich herausstellte, ist die Bemalung gestalterisch und technisch sehr aufwendig gearbeitet. Sie stammt vom akademischen Maler und Kirchendekorateur Otto Fußhöller aus Landau. An den freigelegten Stellen ist deutlich ein Teil der Tiara (Papstkrone) des Papstes Pius IX. (1846 bis 1878) zu sehen. Wie in der Ortschronik des verstorbenen Reifenberger Altbürgermeisters Ludwig Härich nachzulesen ist, zeigt das Gemälde über dem Muttergottesaltar eine Szene aus der Verkündigung des Dogmas der unbefleckten Empfängnis. Für das Bild von Papst Pius IX. stand laut Chronik der damalige Bürgermeister Josef Zimmer Modell. Über dem Wendelinusaltar auf der rechten Seite war das Grab des Kirchenpatrons St. Wendelinus zu sehen. Es zeigte über dem Grab den Bau einer neuen Kirche. Der Maler verewigte den Stifter der Pfarrei, Jakob Zimmer, in Gestalt eines Mannes, der die zusammengerollte Stiftungsurkunde in seinen Händen hält. Restauratorin und Künstlerin Eva Lincul aus Neustadt-Hambach, die auch in der Kirche St. Barbara in Knopp gearbeitet hat, soll sich Mitte dieses Monats die versteckten Malereien über dem Reifenberger Marienaltar ansehen und schätzen, wie viel es kosten würde, sie freizulegen. Ob und wann auch die Malereien über dem Wendelinusaltar freigelegt werden, hängt ebenfalls von den Kosten ab. Ob die ehemalige Beschriftung über dem Torbogen des Altarraumes („Siehe die Hütte Gottes unter den Menschen“) wieder aufgebracht wird, will man zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Im Gespräch ist auch, die alte Dreifaltigkeitsgruppe aus Holz (Gottvater, Christus und Heiliger Geist in Form einer Taube) von 1895/96, welche in der hinteren Kirchenecke seit über 50 Jahren ihr Dasein fristet, wieder gut sichtbar im Chor unterzubringen. Zudem sollen bei der Renovierung die elektrischen Bankheizungen überarbeitet werden. Darüber hinaus soll das Kircheninnere gestrichen werden, allerdings nicht mehr weiß. Die geschätzten Kosten für all das liegen bei 200.000 Euro. Vom Bistum Speyer wird ein 35- bis 55-prozentiger Zuschuss erwartet. Auch vom Denkmalschutz sowie weiteren Stiftungen und Einrichtungen erhofft man sich Unterstützung, auch von der Bevölkerung.

Dieses freigelegte Stück über dem Marienaltar zeigt Auge und Tiara von Papst Pius IX. Für das Bild soll der Reifenberger Josef Z
Dieses freigelegte Stück über dem Marienaltar zeigt Auge und Tiara von Papst Pius IX. Für das Bild soll der Reifenberger Josef Zimmer Modell gestanden haben.
So sah der Altarraum früher aus.
So sah der Altarraum früher aus.
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