Kultur Südpfalz Der Architekt für alle Fälle

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In der Ausstellung über den bedeutenden Architekten Friedrich Weinbrenner kommen in der Städtischen Galerie Karlsruhe 300 Jahre Karlsruher Stadtgeschichte und die ganz persönliche Erfolgsstory eines einzelnen Mannes zusammen.

Um Leben, Werk und Wirkung des großherzoglichen Baudirektors greifbar zu machen, haben die Städtische Galerie und das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieurbau am KIT rund 400 Exponate zusammen getragen. „Friedrich Weinbrenner 1766 – 1826. Architektur und Städtebau des Klassizismus“ schlägt einen Bogen von der Biografie zu den bis heute das Karlsruher Stadtbild prägenden Bauten. Die Ausstellung läuft bis zum 4. Oktober. Einen besseren Beitrag zum 300. Stadtgeburtstag hätte sich die Städtische Galerie gar nicht ausdenken können. Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ist doch noch einiges von Weinbrenners Architektur in der Fächerstadt erhalten. Der Marktplatz zum Beispiel. Im Zentrum der Ausstellung findet sich ein großes, liebevoll detailliert gestaltetes Modell von diesem Marktplatz bis hinunter zum Ettlinger Tor, das damals, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, auch tatsächlich noch ein Tor war. Durch dieses Modell wird auch deutlich, was inzwischen alles fehlt, zerstört oder bis zur Unkenntlichkeit umgebaut wurde. Weinbrenner war in Karlsruhe der Architekt für alle Fälle. Nicht nur der Hof nahm seine Dienste in Anspruch. Der gebürtige Karlsruher baute für alle damals in Karlsruhe ausgeübten Konfessionen und Religionen: die evangelische Stadtkirche, die katholische Kirche St. Stephan und die Synagoge. Dank moderner Technik kann man die am Computer rekonstruierte Ausstattung der Kirchen auf sich wirken lassen. Und die Entwürfe des Meisters zeigen dessen Neigung zu dramatischer Inszenierung. Weinbrenner hat sich alles selbst erarbeitet. Mit 16 Jahren war Friedrich Weinbrenner Vollwaise, führte aber den geerbten Zimmermanns-Betrieb weiter, bis es ihn hinaus zog in die Welt. In Wien begann er mit dem Architekturstudium. Neben den Familienporträts stehen einige der vielen Zeichnungen aus seinem Aufenthalt in Italien. Die von ihm entworfenen Bürgerhäuser existieren nur noch auf alten Fotos – und Weinbrenners Gartenreich ist längst zubetoniert.

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