Rheinpfalz Den Clausern ihre Geschichte aufgeschrieben

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CLAUSEN. Man muss kein echter „Hawe“ (Uzname der Gemeinde) sein, um sich um das Gemeinwohl in einem Dorf verdient zu machen. Heute feiert ein ehemaliger Schwarzwälder, der in der Vorderpfalz groß wurde und seine Wurzeln schließlich in der Westpfalz geschlagen hat, seinen 80. Geburtstag: Wolfgang Kurz, Ortschronist, ehemals „Lehrer mit Leib und Seele“ und Begründer der Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Gilley.

Er hat sich oft und gern engagiert, ganz nach seinem Leitspruch: „Ein Leben muss vielfältig sein“. In Villingen im Schwarzwald geboren, in Insheim bei Landau groß geworden, verschlug es ihn im April 1959 an die Schule nach Clausen. Es sollte eine Lebensanstellung werden. Vom 1. April 1959 bis 31. Juli 1998 unterrichtete der Pädagoge den Dorfnachwuchs. Von 1977 bis 1998 leitete er die Schule. „Als ich hier herkam, wusste ich von Clausen nichts. Ich hatte ich nie davon gehört“, erinnert sich der Pensionär schmunzelnd. Das änderte sich grundlegend. Er hat für die Einheimischen die Dorf-, Schul-, Kirchen- und Vereinsgeschichte erforscht und in der Ortschronik „750 Jahre Gräfensteiner Land, 1237 bis 1987; mit der Geschichte von Clausen“ auf einigen Hundert Seiten aufgeschrieben. Heimatforschung war schon immer eine Domäne von Dorfschulmeistern. So spezialisierte auch er sich auf die Erforschung seiner neuen Heimat. 1987 bat ihn der damalige Ortsbürgermeister Berthold Schäfer, seine vielfältigen Unterlagen über die Geschichte der Gemeinde für die Chronik auszuwerten. Bevor Lehrer Kurz sich aber dieser großen Aufgabe widmete, war sein erstes Ansinnen im Jahre 1959, wieder weg zu ziehen: „Ich wußte nicht, dass man hier so abgeschieden wohnt. Ich war ja ohne fahrbaren Untersatz und 50 Kilometer von Insheim entfernt.“ Aber schon nach einem halben Jahr änderte sich diese Einstellung grundlegend. „Dann empfand ich die Leute hier als angenehm, die Gegend gefiel mir sehr gut, die Schule und die Kinder machten mir Freude, die Natur rund um den Ort war natürlich, da wurde aus dem Schwarzwälder, dem Vorderpfälzer zwischen Landau und Speyer ein Hinterpfälzer, ein Clauser,“ erzählt er. Aus dem ehemaligen Dorfschulmeister wurde der Schulleiter, der Ortschronist und sogar von 1994 bis 1999 der zweite und von 1999 bis 2004 der erste Beigeordneter der Gemeinde. In der schwierigen Phase der Zusammenlegung der Grundschulen Clausen und Donsieders verstand es Kurz als vorausschauender Rektor, alte Ressentiments zwischen den beiden Nachbarorten zu beseitigen und mit der Grundschule Clausen-Donsieders ein gutes Miteinander zu begründen. Eine weitere Spur in seinem vielfältigen Lebenslauf zog er mit der Initiative, eine „Jumelage“, eine Partnerschaft zwischen dem pfälzischen Dorf Clausen und der französischen Gemeinde Gilley einzugehen, unter der Überschrift „Versöhnung über die Gräben hinweg“. Sein Vater Albert Kurz hatte die Verbindung bereits in schwieriger Zeit während des Zweiten Weltkriegs als Offizier mit der Familie Paul Cupillard in Gilley, wo er stationiert war, geknüpft. Spätere Schüleraustausche hielten die Verbindung aufrecht. Im Jahr 1990 wurde dann alles vertraglich besiegelt. Zwischenzeitlich wurde Wolfgang Kurz die Ehrenbürger-Würde der République du Saugeais verliehen (als „Freie Republik Saugeais“ bezeichnet sich eine 1947 gegründete Mikronation im französischen Departement Doubs an der Grenze zur Schweiz). Diese Jumelage lebt bis heute, aber mittlerweile mehr auf privater Basis. Schüleraustausch findet „auch mangels Sprachkenntnissen“ nicht mehr statt, was er sehr bedauert. Es ist ruhiger geworden im Hause Kurz. Er führt den Haushalt zusammen mit seiner Frau Edith, mit der er seit 57 Jahren verheiratet ist. Sie hat ihren stark engagierten Mann in jeder Phase unterstützt, sagt er dankbar. „Nun geht eben alles etwas langsamer“, sagt der Jubilar und bittet um Verständnis, dass die Geburtstagsfeier aus gesundheitlichen Gründen nur im familiären Kreis und außerhalb Clausens stattfindet. Nach wie vor ist für Wolfgang Kurz das Lesen der RHEINPFALZ „eine tägliche Pflicht“, und auch ansonsten zählt Lesen immer noch zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, denn er ist an allem Dorf-, Land- und Weltgeschehen sehr interessiert.

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