Karlsruhe
Dem Kettensägenkünstler Karl Manfred Rennertz zum 70.
Da sind zum Beispiel dien beiden Erdbeeren, die schon von Weitem in Rot und Grün leuchten. „Eine Erdbeere ist schon verkauft“, verrät die Galeristin Helgard Müller-Jensen. Diese witzige Arbeit steht am Eingang auf einem schwefelgelb bemalten Baumstumpf. Rennertz schuf sie aus dem Holz einer Thuja, daher ist sie etwas kleiner und leichter als ihre Schwester aus Eiche, die mitten im Raum thront. Müller-Jensen weiß genau, wie und wo die Skulptur bei dem privaten Sammler stehen wird: „Dahinter hängt ein Gemälde von Max Ernst, in dem genau dieser Gelbton des Baumstamms ebenfalls vorkommt, und ein liegender Akt von Wesselmann, der in ähnlichen Farbtönen gehalten ist wie die Erdbeere von Rennertz. Die Kunstwerke passen perfekt zusammen.“
Natürlich sind auch Klassiker aus Rennertz’ Repertoire zu sehen. Die zwei Meter hohe „Weiße Figur“ zum Beispiel oder die zeitlos archaisch wirkende „Doppelkopfsäule“. Man fragt sich, wie die oft sehr hohen und schweren Arbeiten in die Galerieräume kommen. „Rennertz kam mit drei Mann und einer speziellen Methode, die Treppenstufen bis zur Tür zu überwinden“, berichtet die Galeristin. Das Gewicht der Eichen-Erdbeere schätzt sie auf zwei bis drei Zentner.
Sein Markenzeichen geht auf Vandalismus zurück
Bei der Auswahl der Werke für die Geburtstagsausstellung nahm die erfahrene Galeristin nicht nur die jüngsten Arbeiten mit, sondern auch einige kleine Skulpturen aus Ton. Während sich die auch im Wortsinne große Kunst in den hohen, hellen Jugendstilräumen entfaltet, säumen schlanke „Amorphe Modelle“ und wie aufeinander geschichtete Steine wirkende, kleine Türme aus Ton und Keramik den Flur.
Beim kraftvollen Bronzeabguss eines Zapfens jedes Detail der Holzskulptur verewigt. „Dogon 2“ wächst aus einer Astgabelung empor. Benannt ist die Holzskulptur nach einem afrikanischen Stamm, den Dogon. „Rennertz inspirierte die Art und Weise, wie die Dogon Holzstufen machen“, erklärt Müller-Jensen. Sie ist wie viele seiner Arbeiten feuergeschwärzt. Diese Methode geht auf einen Akt von Vandalismus zurück: Bei einer Ausstellung in Nordhorn Anfang der 1980er-Jahre wurde einer seiner Holzskulpturen mit Öl übergossen und angezündet. Andere hätte das vielleicht traumatisiert. Karl Manfred Rennertz integriert Feuer seitdem in seine künstlerische Arbeit.
Dachpappe mit dem Schweißbrenner bearbeitet
So auch bei den beiden großformatigen Bildwerken, ausdrucksstark in Schwarz und Rot. Rennertz nahm geteerte Dachpappe, die von der Renovierung seines Hauses übrig war, rührte Holzleim, Farbpigmente und Wasser an und erhitzte das Gemisch mit dem Schweißbrenner. So erhielt die Dachpappe eine spannende Struktur mit glitzernden Elementen und das Rot eine Tiefe.
Selbst die kleinen Arbeiten im Flur der Galerie sind durchs Feuer gegangen. Rennertz greift dabei auf eine traditionelle japanische Technik zurück, die Raku heißt. Bereits vorgebrannte Keramik kommt zur Abkühlung in einen Eisentopf mit Sägespänen, die beim Auflodern feine Risse und schwarze Linien in die Glasur bringen. Das verleiht den exotisch anmutenden flachen Gesichtern besonderen Reiz.
Es lohnt sich zu erkunden, was sich hinter der historisch-gutbürgerlichen Fassade in der stillen Sophienstraße verbirgt. Eine geschwungene Skulptur aus Kortenstahl im Vorgarten weist den Weg, ein diskretes Schild bestätigt, dass man hier richtig ist.
Termin
Bis 25. Februar in der Galerie Rottloff in Karlsruhe, Sophienstraße 105: Mi-Fr 14.30-19 Uhr (www.galerie-rottloff.de).