Rheinpfalz Das Rampenlicht löscht sie selbst

Sie wirkt ja wie geschaffen für die Bühne. Hat jedoch die Bretter, die für manchen nicht weniger als die Welt bedeuten, erst recht spät für sich entdeckt. Ihre Bühne blieb auch stets eher klein bemessen. Mit umso mehr Verve aber hat sie sich im Licht der Scheinwerfer (und auch dahinter) getummelt. Bevor jedoch der allerletzte Vorhang fällt, will Brigitte Uhly das Rampenlicht doch lieber selbst ausknipsen: Vier Monate vor ihrem 80. Geburtstag hat sich Uhly von ihrem Publikum verabschiedet.
„In Kusel bin ich auch schon aufgetreten“ – bei Ottwin Merz, damals im Stadtcafé. Der Konditormeister hatte Uhly auch für den morgigen Dienstag fürs Café Schwinn verpflichten wollen, das er jetzt führt. Aber Brigitte Uhly hat am Wochenende Bütt’ und Bühne sowie dem Publikum auf Wiedersehen gesagt. Endgültig? So recht glauben mag es keiner. Und kaum war am Donnerstagabend bei der Bahnheim-Damensitzung Woge eins des „letzten“ Beifall-Sturms verklungen, da startete Präsidentin Cornelia Nicklas (Reichenbach-Steegen) auch schon erste taktische Manöver, um die langjährige Wegbegleiterin umzustimmen. Ob sie bei der 22. Auflage, der „Jubiläums“-Sitzung 2016 , nicht wenigstens erscheinen, vielleicht Texte beisteuern, zur Seite sitzen wolle? Uhly lächelte, wie sie es so gerne tut – blieb aber stumm. Die erhoffte Zusage war ihr nicht zu entlocken. „Ja, Gott, ihr Leit’ – ich wer’ 80“, sagt sie später auf die Frage, ob es ihr wirklich so ernst sei mit dem Abschied von der närrischen Bühne. Zuvor hatte sie – zum wiederholten Mal im Laufe der Karnevals-Kampagne – via Mikrofon verkündet: Wie? Altersheim? Es sei für sie Zeit? „Was will ich dann dort? – sinn doch nur alte Leit’...“. Gelacht haben mehrere hundert Zuhörer allein in den vergangenen Wochen über Uhlys fiktive Erlebnisse auf einem Kreuzfahrtschiff, dessen Luxuskabine sie dem Zimmer im Seniorenheim vorgezogen habe. Davon dampfplaudert sie in ihrem aktuellen Vortrag – sehr zur Freude ihrer Zuhörer. Ihre Reden schreibt sie selbst – Sache des Anspruchs. „Es muss ja auf und für mich passen“, sagt Uhly. Kein Larifari nach dem Motto Null-Acht-Fuffzehn soll es sein. Ihr „Karlche“ ist natürlich mit auf Kreuzfahrt: „Ich hab’ meinen Mann recycelt und das kleine ,Karlche’ daraus gebastelt“, erklärt Uhly grinsend. Der Kleine muss viel aushalten – „für viel ist er ja nicht zu gebrauchen“. „Karlche“ ist rasch zum „running gag“ geworden, zum seit Jahren mitlaufenden Pointen-Garanten. „Manchmal gehen junge Leute an mir vorbei – und flüstern mir ,Gruß ans Karlche’ ins Ohr“, freut sich die Schöpferin über den Erfolg ihrer kleinen Kunstfigur. Im wahren Leben ist die 79-Jährige seit Jahren Single. Eine Scheidung hat sie vor rund 30 Jahren zur beruflichen Neu-Orientierung veranlasst. Die gelernte Friseurin hatte im Unternehmen ihres Mannes gearbeitet, das Haus aber im Zuge der Trennung verlassen. „Ich wollte aber nicht ausgerechnet bei der Konkurrenz arbeiten“, sagt sie rückblickend. Weil sie sich stets weitergebildet, Kosmetik-Kurse besucht und sich profunde Kenntnisse angeeignet hatte, versuchte sie es beim Pfalztheater. „Statt in der Maske bin ich aber in der Ankleide gelandet. Was ein Glück. Mehr verdient habe ich dort auch“, erinnert sie sich. Fortan stattete sie Schauspieler aus. Der Schritt auf die Bühne war nicht weit. Kleine Auftritte im großen Theater folgten. Einmal von dem Fieber gepackt, wagte Brigitte Uhly weitere Schritte. Mit Erfolg: Sie spielte sich ins Ensemble der Freilichtbühne Katzweiler, avancierte zur Darstellerin des „Altstadt-Theaters“. Dort führte ein gewisser Eugen Damm Regie. Mit dem Urgestein lokaler Bühnen verbindet Uhly ein besonderes Erlebnis: Gemeinsam waren Damm und sie im Radio zu hören – als Sprecher eines Werbe-Spots. „Für die Lauterer Gasanstalt“ hatte das Duo einst Imagepflege über den Äther betrieben. Komödie, Fastnacht, Frohsinn: ganz nach Geschmack der Frau, die gern so herzlich und ansteckend lacht („es gibt kein Foto von mir, auf dem ich den Mund geschlossen habe“). Aber da ist auch die ernste Seite der Brigitte Uhly. Menschen zum Lachen bringen ist eine Leidenschaft. Menschen zu helfen die andere. So engagiert sie sich bei den „Grünen Damen“ im Westpfalz-Klinikum, wie auch in der Psychiatrie des Pfalzklinikums. Jene Damen stehlen Patienten immer wieder gern für einige Stunden die Einsamkeit. Uhly prescht stets energiegeladen voran. Aber auch damit ist bald Schluss – leider. „Ab 80 darf ich das nicht mehr“, sagt sie bedauernd. Helfen will die Mutter dreier Töchter und stolze Oma eines Enkelsohnes, der eben sein Studium abgeschlossen hat, in Valencia lebt, auch am sozialen Brennpunkt: Im Asternweg will sie einen Garten anlegen helfen; ein Projekt für Kinder, bei dem Uhlys Tochter Petra, Sozialarbeiterin beim SOS-Kinderdorf, maßgeblich mitwirkt. Und weil’s für gute Taten immer am nötigen Geld fehlt, hat Uhly schon eine Idee, wie sie auch einen finanziellen Obolus beisteuern könnte. „Ich brauch’s ja nimmer“, kommentiert sie den Plan, ihren großen Fundus an Fastnachts-Memorabilien bei einer eigens dafür anberaumten Versteigerung unter den sprichwörtlichen Hammer zu bringen.