Rheinpfalz Das Problem sitzt oben drauf
Mehr als 20 Zuschauer in der Reithalle des Reit- und Fahrvereins Heidelsburg hängen Alexander Madl förmlich an den Lippen, verfolgen jeden seiner Handgriffe, saugen alle Informationen auf. Madl ist Pferdetrainer, die meisten der Zuschauer kennen ihn aus der Vox-Fernsehsendung „Die Pferdeprofis“. In Waldfischbach-Burgalben war er am Wochenende zum zweiten Mal.
Madl, der im niederbayerischen Bischofsreuth eine Ranch führt, steht in der Reithalle, beobachtet aufmerksam, kommentiert ruhig und sachlich, gibt Tipps. Bei der Bodenarbeit, dem Führen des Pferds am Strick, packt er zu, bei einem Haflinger schwingt er sich in den Sattel, um zu erspüren, warum das Pferd nicht in den Linksgalopp wechseln kann. „Es gibt gutes Reiten und schlechtes Reiten“, nennt Madl seine Unterscheidungskriterien. Es spiele keine Rolle, ob es sich um Freizeitreiter oder Profis handele. „Das Problem unten hat meist der Reiter verursacht, weil er die kleinen Fragen seines Pferdes nicht bemerkt hat“, sagt der 37-Jährige. Er möchte Lösungswege aufzeigen, setzt darauf, „dass die Leute ernsthaft daran weiterarbeiten“. Dauerhafte Erfolge stellten sich erst nach ständigem Arbeiten ein. „Er ist total authentisch, holt das Positive aus einem raus. Er geht ganz individuell auf Pferd und Reiter ein“, sagt Susie Michels-Müller. Bereits zum zweiten Mal stellt sie ihm ihren fünfjährigen Quarterhorse-Wallach Stormy Matt Dillon vor. „Ich habe ihn vor einem Jahr gekauft und selbst eingeritten. Aber ich brauche Unterstützung für die Ausbildung“, erzählt sie. Die Hermersbergerin reitet seit 37 Jahren und verfügt über einige Erfahrung im Westernreiten. Trotzdem sucht sie Hilfe beim Profi. „Man gewöhnt sich mit der Zeit Sachen an und merkt nicht, dass man es falsch macht. Hier wirst du dran erinnert, dass du es falsch machst“, sagt sie. Susie Müller-Michels möchte ihrem jungen Pferd helfen, deshalb hält sie die Zügel nicht eng beieinander, breitet die Arme aus, möchte so die Richtung auch optisch vorgeben. Madl schaut sich das an, handelt. Er korrigiert zunächst die Sitzhaltung der Reiterin, die Hilfen durch Schenkeldruck kaum noch ermöglicht. Dann fordert er sie auf, die Zügel enger zu fassen. Susie Michels-Müller nimmt die Hilfen dankbar an, probiert es aus und freut sich. Die geänderte Sitzposition und die umgestellte Zügelhaltung zeigen Wirkung. „Das hat sich auf jeden Fall gelohnt“, bemerkt sie. „Wenn man aufhört dazuzulernen, hat man schon verloren“, sagt sie mit Blick auf ihre Reiterei. In Waldfischbach arbeitet Madl mit zehn Reiter-Pferde-Paaren. Jeder Teilnehmer erhält vier Einheiten. In der ersten geht es um den Ist-Zustand, in den folgenden beiden um die Erarbeitung eines Lösungswegs, die vierte Einheit dient der Wiederholung. „Das ist kein Themenkurs. Jeder hat andere Baustellen“, sagt er. Das können der Linksgalopp des Haflingers, die Kurvenschwierigkeiten des Quarterhorses oder die schwindende Beweglichkeit des Pferdeseniors sein. „Die Arbeit mit dem Pferd am Rind“ nennt Westernreiter Madl die klassische Cowboyarbeit mit der Rinderherde als seine Lieblingsdisziplin. „Die Arbeit mit dem Pferd ist wichtig. Es ist ein Nachteil, dass Pferde keine funktionellen Jobs mehr haben“, bemerkt er. Und noch etwas irritiert ihn: Noch nie seien so viele Pferde auf dem Markt gewesen, noch nie wurde so wenig geritten. „Wenn ich ein Pferd kaufe, sollte ich auch die Zeit dafür haben“, bemerkt er. „Das Pferd fühlt sich wohl, wenn der Job gut ist“, ergänzt Madl. Daheim habe er „immer irgendwo ein Pferd gesattelt stehen“, mit dem er arbeite. Zwischen Februar und Mai und von September bis Dezember ist er als Trainer „zwischen Hamburg und Garmisch“ unterwegs. Im Sommer gehört seine Zeit dem Hof, der Arbeit mit Pferden und Rindern. Gut möglich, dass Madl im Herbst wieder in Waldfischbach vorbeischaut. |daa