Rheinpfalz Das Holzbein gibt den Takt vor

Gespannt schaut die Piratenbande auf die gefundene Schatztruhe. Käpt’n Danton (Sem Wohlgemuth) öffnet die Truhe mit seinem dekor
Gespannt schaut die Piratenbande auf die gefundene Schatztruhe. Käpt’n Danton (Sem Wohlgemuth) öffnet die Truhe mit seinem dekorativen Haken.

In der Hand von Piraten, deren Lieblingsbeschäftigung das „Plündern und Rauben“ ist, war am Freitag das Bürgerhaus in Waldfischbach-Burgalben. Die wilde Bande sorgte aber mit viel Musik und einer lustigen Geschichte über das moderne Piratenleben für gute Laune und nicht für Angst und Schrecken bei den Besuchern im voll besetzten Saal. Einblicke in „Das geheime Leben der Piraten“ gewährte die Theater-AG der Grundschule Waldfischbach-Burgalben mit dem gleichnamigen Musical.

Auf ihrem Schiff „Wild Melody“ schipperten die Piraten 90 Minuten singend, tanzend und kämpfend durch die Welt. Immer auf der Suche nach dem, was das Piratenherz am meisten begehrt: „Ruhm und Ehre“, wie die Bande regelmäßig brüllend wissen ließ. Zum geheimen Piratenleben gehört aber auch Langeweile, wenn tagelang geschippert und nix zum Entern gefunden wird. Da mussten sich die selbst ernannten „Schrecken der Meere“ bei der „Fluch-der-Karibik“-Titelmelodie die Zeit mit Trink- und Würfelspielen vertreiben. Die Musik – mal beeinflusst vom Shanty, mal an Riverdance erinnernd, mal laut, mal leise, mal modern – spielte im Leben der Piraten eine große Rolle und sollte sich als der wahre Schlüssel zu Ruhm und Ehre erweisen. Bis dahin war es aber ein abenteuerlicher Weg, der zunächst backbord („Backbord ist da, wo der Backofen steht“, half die Schiffsausstattung beim Navigieren) führte. Steuermann Ayerton Joe (Maria Gebhard), der wegen seines Holzbeines auch als Haihappen-Joe bekannt ist, navigierte den Backofen entlang. Die über 40 Jahre alte Titelmelodie aus dem Film „Der Weiße Hai“ deutete an, dass etwas Gefährliches im Meer schwamm: eine Flaschenpost. Zum Glück hatten Käpt’n Danton (Sem Wohlgemuth), schon im Grundschulalter der französischen Sprache und der deutschen Sprache mit französischem Akzent mächtig, und seine Crew Prinzessin Filomena aus Polynesien (Emilia Gollasch) entführt. Die beherrschte im Gegensatz zur Piratenbande das Lesen und konnte die Nachricht vorlesen. „Ruhm und Ehre“ versprach diese. So ruderten die Piraten los. Begleitet von der Gouvernante der Prinzessin (Gretha Steigener) und zahlreichen Kommentaren der Schlaumeier-Piraten (Finja Ritschi, Rebecca Gebhard), die sich immer mit einem „pling“ einschalteten, wenn es allwissend Begriffe zu erklären gab. Zum Beispiel die Gouvernante (altertümlicher Begriff für Erzieherin). Auf der angesteuerten Pirateninsel 3-2-1 begab sich das Piraten-Pack wegen des dort lebenden Krokodils kurz in Gefahr. Aber Piraten wissen sich zu helfen, und ihren Trick sollten künftig alle Abenteurer beherzigen: Einfach das „Krokodil-Schlaflied“ singen – schon ist Ruhe. Der Käpt’n bewies dann, dass sich mit einem Haken eine Schatztruhe öffnen lässt. Den Weg zu dieser hatte der mit dem Holzbein getretene Takt vorgegeben. Wer dachte, „Joghurt und Käse“ wären die zu findenden Schätze, wurde eines Besseren belehrt. Auf der Insel fanden die Piraten Bruce Bolemann, einen Musikagenten, der nun auch noch die englische Sprache ins Stück einbrachte und erste Wirtschaftskenntnisse vermittelte. Bruce hätte auch durchaus ein Verwandter von Pop-Titan Dieter Bohlen sein können. Den singenden Piraten bot er einen Plattenvertrag „zu fairen Bedingungen“ an: 90 Prozent vom Gewinn für den Agenten, zehn Prozent für die Piraten. Aber beim Klabautermann, natürlich kann ein Französisch und Englisch sprechender Grundschul-Pirat rechnen und weiß, was fair ist. Vor allem wenn man mit Prinzessin Filomena ein stimmliches Ass im Ärmel hat. Den Casting-Contest – pling, pling, pling: jetzt waren die Schlaumeier-Piraten angesichts der vielen englischen Wörter im Show-Business im Dauereinsatz – gewann Filomena dank Silbermonds „Gib mir einfach nur ein bisschen Halt“. Die Piratenbande bekam den Plattenvertrag mit Aussicht auf „Ruhm und Ehre“ und jede Menge Applaus. Für Letzteres hatten sich die wöchentlichen Proben der Theater-AG (dritte/vierte Klasse, unterstützt von der zweiten Klasse) mit den Lehrern Heike Müller und Stefan Gabriel gelohnt, waren sich die Piraten-Eltern und -Freunde im Publikum einig.

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