Kultur Südpfalz Das Gemälde der Begierde

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Sie habe gleich Blut geleckt am neuen Genre, gestand Carolin Gilbaya, Siegerin des Josef-Steib-Krimi-Wettbewerbs, die auf der Landesgartenschau in der Reihe Landeskinder ihre Kurzgeschichte „Bruni – My Love“ vorlas.

Gilbaya präsentierte ihren ersten Kurzkrimi, der sie im vergangenen Jahr gleich aufs Siegertreppchen des genannten Wettbewerbs hievte, mit Charme und Esprit vor leider spärlichem Publikum am Sonntag. Zumindest bei der ersten von drei Lesungen, die Sabine Dewald von der Mainzer Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur moderierte. Als Zuständige für die Künstlerhäuser vertrat diese auch Hans Thill, Chef des veranstaltenden Künstlerhauses Edenkoben. Begeisterte Krimileserin sei sie schon immer gewesen, erzählte Carolin Gilbaya, die promovierte Literaturwissenschaftlerin und Dozentin für Englische Literatur an der Uni Trier ist. Aber zum Schreiben motiviert habe sie erst der Wettbewerb, so die Autorin aus Cochem, die ihren Kurzkrimi auch als ungewöhnliche Liebesgeschichte sieht. „Bruni – My Love“ handelt in der realen Cochemer Stadt- und Kulturszene. Die Autorin erzählt in der Ich-Form, schlüpft dabei aber in eine Männerrolle. Und das Objekt der Begierde ist ein Gegenstand. Die Story beginnt mit einer Vernissage in der Galerie Steib, der spätere Täter lässt sich von seinem Freund überreden dorthin zu gehen, obgleich ihn „der ganze Kulturkram“ eigentlich kalt lässt. Dann aber fasziniert ihn das beengte und überwiegend tierische Gruselkabinett des Galeristen Josef Steib. Die „pure Magie“ erfasst ihn gar, als er plötzlich das Bild „Brunhilde“ entdeckt, diese „Heilige mit Sexappeal“. Er kann nicht ablassen von der ihm einst so verhassten deutschen Epos-Figur, die ihn hier als mächtige Blondine in wallendem Rot gefangen nimmt. Seine Stippvisiten in der Galerie häufen sich von wöchentlich auf täglich, beschließt er, „mit Bruni zusammenzuziehen“. Dem Besessenen gelingt in einem günstigen Augenblick der Tausch des Gemäldes gegen ein anderes. Kurzweilig und erfrischend schildert Gilbaya die Flucht mit dem Diebesgut. Man wird „Zeuge“ der Cochemer Altstadt, „erlebt“ das reizvolle Moselpanorama mit Reichsburg und Sesselbahn sowie Details über das neue WG-Leben mit der Angebeteten. Als im Hotel-Café Germania eine Brunhilde-Ausstellung geplant ist, aber ausgerechnet das „Herzstück“ fehlt, beschließt der Dieb, „Bruni“ wieder der Öffentlichkeit zurückzugeben. Das von ihm im Hotel drapierte Bild sorgt für Aufsehen. Dann aber soll „Bruni“ in ein Nürnberger Museum überführt werden. Wie von Geisterhand fällt bei der Veranstaltung das Bild aus dem Rahmen, der Kurator wird niedergestreckt, der Akteur ist in Rage und wird zum Täter, die Situation eskaliert. Als die Presse von einem „tragischen Zwischenfall“ berichtet, muss sich der Bruni-Verehrer bereits im puristisch kargen Knastambiente eingewöhnen. Und dort macht er bald eine neue, gänzlich andere Bruni aus. Gilbaya präsentierte am Sonntag eine fesselnde, flüssig geschriebene Kurzgeschichte mit authentischen Standorten, die nicht nur Moselfans begeistert.Sie spielt darin mit Kunstgriffen, setzt überraschende Wendungen und charakterisiert treffend die Psyche des Täters. Auf neue Beiträge der Autorin, die für den deutschen Kurzkrimi-Preis nominiert ist, darf man gespannt sein. Übrigens: Gilbayas Kurzgeschichte erschien im Sammelband „Mörderisches Moseltal“, KBV-Verlag Ralf Kramp, in dem 20 Autoren abgründige Mordlandschaften entlang des malerischen Flusses zeichnen.(hima)

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