Rheinpfalz Darm macht vielen zu schaffen

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Kusel. Die Nachfrage war groß, das Telefon stand mehr als anderthalb Stunden nicht still: Volker Bertolino, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Westpfalz-Klinikum, musste gestern etliche Fragen rund um den Darm und seine Erkrankungen beantworten.

Ein Themenschwerpunkt: die Darmspiegelung – und vor allem deren Vorbereitung. Bevor der Arzt nämlich mit dem Endoskop das Verdauungsorgan von innen begutachten kann, muss dieses gründlich geleert und gesäubert werden. Gleich mehrere Anrufer hatten schon so ihre Erfahrungen mit der Salzlösung gemacht, die hierfür getrunken werden muss – und so gar nicht mundet. Bertolino konnte beruhigen: Es gibt mittlerweile Alternativen, von denen weniger geschluckt werden muss und die nicht mehr so eklig schmecken. Aber: Die Krankenkasse zahlt nur das Standardmittel, das bessere muss selbst bezahlt werden. Und: Insgesamt vier Liter Flüssigkeit – Wasser, Tee, Säfte et cetera – müssen es schon sein, damit der Darm richtig gespült ist. Schon etliche Vorerkrankungen hatte ein Anrufer: ein Drittel des Magens und der Zwölffingerdarm mussten ihm entfernt werden, jetzt litt er unter Völlegefühl und Blähungen. Weil er nach seinen Operationen bestimmte Nahrungsbestandteile nicht mehr gut verdauen kann, riet ihm Bertolino, spezielle Tabletten zu den Hauptmahlzeiten einzunehmen. „Wir sind voll bis unters Dach“, musste Bertolino mehrfach zugeben, als ihn Anrufer auf einen Termin in der Ambulanz wegen einer Darmspiegelung ansprachen. Weil viele Kollegen in der Umgebung aufgehört hätten, gebe es für die normalen Vorsorge-Darmspiegelungen im Westpfalz-Klinikum momentan Wartezeiten bis August. Über Schmerzen klagte eine weitere Anruferin. Ihre Befürchtung, es handele sich um eine Entzündung, konnte der Chefarzt zerstreuen. „Wenn der Darm entzündet ist, macht er ständig Probleme.“ Da die Schmerzen nur manchmal auftreten, tippte er auf Divertikel, Aussackungen im Darm. Sein Rat lautete: Quellstoffe einnehmen und viel Flüssigkeit, „damit’s besser durchgeht.“ „Warum haben manche Menschen Polypen im Darm, andere nicht?“, lautete eine weitere Frage. Die nicht so einfach zu beantworten ist: Das kann genetisch bedingt sein, durch Krankheiten wie Diabetes bedingt, aber auch auf Ernährungsgewohnheiten wie viel Fleisch und Gegrilltes zurückzuführen sein. Auf jeden Fall werden bei einer Darmspiegelung Polypen entfernt und das Gewebe untersucht. Je größer sie sind, umso höher ist die Gefahr, dass bereits bösartige Zellen vorhanden sind. Nach einer Magenspiegelung klagte eine 66-Jährige über Schmerzen, Schüttelfrost und Fieber. Alles ungewöhnliche Symptome. Bertolino empfahl ihr, kurze Zeit Säureblocker zu nehmen, falls die Magenschleimhaut noch empfindlich ist. Da ihr Vater Darmkrebs hatte, sollte die Frau alle fünf Jahre ihren Darm spiegeln lassen – „auch wenn’s Schöneres gibt.“ Für ihren 80-jährigen Mann rief eine Frau an. Dieser hat immer wieder Blut im Stuhl, muss aber wegen anderer Krankheiten Blutverdünner einnehmen. Außerdem scheiterte eine Darmspiegelung, weil er Verwachsungen hat – die Ärzte sahen nicht genug. Und er hatte die Flüssigkeit, die er trinken musste, immer wieder erbrochen. Weil eine genaue Untersuchungen trotz allem angeraten ist, versprach der Chefarzt, man werde sich im Vorfeld unterhalten und eine Strategie entwickeln. (ba)

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