Rheinpfalz
Dahn/Hauenstein: Schornsteinfeger in dritter Generation
„Ich habe einfach Ruß im Blut.“ Martin Würz, Schornsteinfegermeister aus Hauenstein, wurde im Dezember in Trier erneut als Bezirksschornsteinfeger im Kehrbezirk Südwestpfalz VI bestellt. Für die nächsten sieben Jahre ist er für seinen Bezirk in der Verbandsgemeinde Dahn zuständig.
„Ich hätte mir nie einen anderen Beruf vorstellen können.“ Das Schornsteinfegerhandwerk hat in der Familie Würz Tradition. „Ich bin mit diesem Beruf aufgewachsen“. Es sei für ihn nie eine Frage gewesen, ob er in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters tritt. „Wenn morgens die Vögel zwitschern und ich bin draußen auf dem Dach, dann ist das einfach schön.“ Auch nach fast 30 Jahren ist er von seiner Berufswahl überzeugt. Dass er derzeit weder einen Auszubildenden noch einen Gesellen findet, kann Würz nicht verstehen. „Der Job ist abwechslungsreich, man arbeitet selbstständig, wird nach Tarif bezahlt, und die Arbeitszeiten sind in Ordnung“, wirbt er für seinen Beruf. Dennoch sei er bei der Arbeit als Schornsteinfeger aktuell auf sich allein gestellt. Lediglich bei den Büroarbeiten wird Würz von seiner Frau unterstützt.
Tod des Vaters war herber Schlag
Martin Würz hat gleich nach dem Abschluss an der Realschule 1990 seine Ausbildung im Betrieb seines Vaters begonnen. Geplant war schon damals, dass er diesen einmal übernehmen wird. Sein Vater allerdings starb überraschend bereits während der Ausbildung des Sohnes. „Das war ein harter Schlag“, sagt er im Rückblick. Darauf, was sein Vater und Großvater aufgebaut haben, ist Martin Würz noch heute sichtlich stolz.
„Der Beruf hat sich natürlich in den letzten Jahren verändert“, sagt der Schornsteinfegermeister. Bei seinem Start habe er überwiegend Ölöfen gewartet und geprüft. Heute kommen zahlreiche Beratungsaufgaben, eine rasante Entwicklung der Technik, viel Bürokratie und neue Umweltverordnungen dazu. „Dennoch ist das klassische Kaminkehren noch immer ein Teil der Arbeit, gerade hier im ländlichen Raum“, erzählt er.
Neue Verordnungen erklären
Seine Arbeit teilt sich auf in wiederkehrende und hoheitliche Aufgaben, für die Würz in seinem zugeteilten Gebiet zuständig ist. Zu letzteren gehören die Feuerstättenschau und die Abnahme neuer Anlagen. „Ich kenne meine Kunden schon so lange, betreue inzwischen schon Generationen“, sagt er. Da sei Vertrauen entstanden. Wenn neue Verordnungen den Kunden nicht einleuchten, leiste er Aufklärungsarbeit, die meist gut ankomme. „Vor der Anschaffung berate ich meine Kunden und informiere über Brandschutz oder effizientes Heizen“, erklärt Würz.
Anders als früher sei die Bestellung für einen Bezirk kein Selbstläufer mehr. „Wir müssen dafür Weiterbildungspunkte nachweisen, und die Kehrbücher müssen ordnungsgemäß geführt sein“, führt Würz aus. „Da wird vonseiten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion schon ein gewisser Druck ausgeübt“, meint er.
Touristen bitten um Fotos
Dass Schornsteinfeger gerade zum Jahreswechsel als Glücksbringer gefragt sind, findet Würz besonders schön. Er gehe deswegen immer wieder gerne zum Neujahrsempfang in seinem Bezirk. Wenn jemand ihn oder die Knöpfe seiner Jacke nach alter Tradition berühren wolle, weil das Glück bringen soll, dann ist Würz auch dafür zu haben. Als er mit Kollegen anlässlich der Bestellung in Trier durch die Straßen gelaufen ist, hätten sie immer wieder Menschen angesprochen und um ein Foto gebeten. „In der Dahner Gegend sind viele Touristen, da kommt das auch immer wieder mal vor“, erzählt Martin Würz lachend. Die netten Anfragen würden sich nicht auf die Zeit des Jahreswechsels beschränken. „Wir bringen ja hoffentlich das ganze Jahr Glück“, sagt Würz.