Rheinpfalz
Dahn: Café Zürn eröffnet am Samstag
Ein Ort zum Wohlfühlen soll es sein. Für alle: für Gäste, aber auch für jene, die dort arbeiten. Deshalb ist das neue Café Zürn in Dahns Mitte ein Projekt, auf das Familie und Belegschaft mit Herzblut hingearbeitet haben. Am Samstag wird eröffnet.
Hier gibt es viel Samt. Auf den etwa 50 Sitzplätzen und an Fenstern. Auch die Tapete dürfte mancher Gast verstohlen anfassen, wirkt sie doch wie ein wertvoller Wandstoff alter Prägung. Wie aus einem Kaffeehaus anno dazumal. Vom angestaubten Charme früherer Plüsch-Cafés ist dieses Café freilich weit entfernt – Retro und Moderne gehen hier nämlich Hand in Hand. Ganz im Sinne der Investoren. Denn diese wollten einen Ort schaffen, an dem sich alle wohlfühlen, ältere und junge Gäste gleichermaßen, sagen die Chefinnen Kathrin und Lena Zürn. Und einen Ort, an dem gerne gearbeitet wird.
Am Samstag um 7 Uhr geht’s los
Ab Samstag können die Dahner das neue Angebot testen: Um 7 Uhr öffnet die Filiale des Hinterweidenthaler Handwerksbetriebs ihre Türen. Das Angebot wird weitgehend dem des Stammhauses entsprechen, inklusive Frühstück. Auch in Dahn werden Kuchen und Torten angeboten, dazu eine kleine Snack-Karte mit Herzhaftem. Und an der optisch abgetrennten Theke im vorderen Bereich wird Backwerk verkauft, etwa Brötchen und Brot. Aber nicht das komplette Sortiment, schränken die Damen ein. Denn gebacken werde nur im Haupthaus, Aufgebackenes werde es nicht geben. „Wenn das Regal leer ist, ist es leer“, sagt Kathrin Zürn. Allerdings: Vorbestellungen sind möglich – was den Bäckern generell entgegenkommt.
Auch das Dahner Café soll Raum bieten für unterschiedliche Anlässe: für Kaffeeklatsch und Geburtstagsfeiern ebenso wie für Arbeitstreffen oder Trauercafé. Das Ganze müsse sich erst einspielen, betont Lena Zürn. Deswegen wollten sie flexibel sein, auch auf Anregungen eingehen: „Wir wollen mit dieser Aufgabe wachsen.“
Neu wird in Dahn werktags ein kleiner Mittagstisch sein: ein Salatbüffet und ein täglich wechselndes warmes Gericht. „Echte Hausmannskost“, versichern die Schwestern. Dafür garantiert Mutter Doris, denn sie wird kochen. Unkompliziertes wie Apfelpfannkuchen, Dampfnudeln, Rostige Ritter. Traditionelle Küche eben. Doris Zürn macht das gerne – nur daheim zu sein, sei nicht ihre Sache, meint sie.
Im Sommer soll länger geöffnet werden
Geöffnet sein wird zunächst von Dienstag bis Samstag von 7 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 18 Uhr; Montag bleibt zu. Das seien Winterzeiten, betont Lena Zürn. Sobald die Terrassen-Saison losgehe, wollten sie in Dahn abends länger öffnen. Allerdings nicht bis 23 Uhr und nicht in Konkurrenz zu anderen Lokalen – „wir beleben Dahn nicht bei Nacht“, meint sie.
In Teamarbeit gelungen
Für die Einrichtung ihres zweiten Cafés in den Räumen des früheren „Central“ haben die Betreiber viel in die Hand genommen. Zum einen finanziell, wobei die Damen sich mit Zahlen zurückhalten. Aber eine ordentliche Summe sei es gewesen, bestätigen sie. Und ein unternehmerisches Risiko. Freilich eines mit Kalkül. Denn in Dahn, betonen sie, gehe es seit einiger Zeit aufwärts, weswegen sie sich schon länger mit der Idee getragen hätten, dort eine Filiale zu eröffnen. Mit der regionalen VR-Bank und dem Steuerbüro Maier hätten sie außerdem gute Partner an ihrer Seite.
Zur finanziellen Seite kommt die erforderliche Tatkraft, um ein solches Projekt zu stemmen – bei laufendem Betrieb in Hinterweidenthal. Für die beiden Schwestern ist das der Verdienst des gesamten Teams. Also einmal der Familie, die sich eingebracht hat – bis zum 96-jährigen Opa. Vor allem ihre Männer, sagen Kathrin und Lena Zürn, hätten ihnen den Rücken fürs Tagesgeschäft frei gehalten: Lena Zürns Partner Gabor Nemeth, der sich um die komplette Baustelle gekümmert hat, und Karl-Heinz Naab, Partner von Kathrin Zürn.
Großes Lob für die Mitarbeiter
Ein großes Lob haben die Damen auch für ihre Mitarbeiter parat. „Ich ziehe den Hut vor dem Team“, sagt Kathrin Zürn, „vor der mega Loyalität.“ Alle seien mit Herzblut dabei. Sie hätten insgesamt ein „cooles Team“, meint sie. Sorgen um Nachwuchs plagen sie derzeit nicht: Ihre jüngsten Zugänge in der Backstube, zwei Konditor-Lehrlinge im ersten und zweiten Lehrjahr, hätten sich kurz vor dem Abitur für diesen Beruf entschieden. Insgesamt beschäftigt die Café Zürn GmbH 14 feste Mitarbeiter, wovon zwei neu hinzukamen.
Zurückgekehrt in die Heimat
Den 1907 von den Urgroßeltern gegründeten Familienbetrieb, den Lena (43) und Kathrin (37) Zürn nun als geschäftsführende Gesellschafterinnen leiten, weiterzuentwickeln, war für beide eine sehr bewusste Entscheidung. Wie jene, nach Jahren der Abwesenheit in die Heimat Hinterweidenthal zurückzukehren. Denn beide hat es nach dem Abitur in Dahn erstmal weggezogen: Die Ältere lernte Reiseverkehrsfrau und war bis 2005 als Flugbegleiterin mit Condor in der Welt unterwegs, die Jüngere arbeitete zunächst als Mediengestalterin Bild und Ton für die ZDF-Kinderredaktion sowie bei Korbwaren Frank, bevor sie 2007 in Teilzeit und 2015 voll in den Betrieb einstieg. Der Blick über den Tellerrand sei gut gewesen, stellen sie fest. Das hat ihnen die Entscheidung, den Familienbetrieb fortzuführen, erleichtert. Denn die Handwerkstradition hat sie geprägt. „Wir sind beide in Bäckerei und Backstube groß geworden“, sagt Kathrin Zürn. Wie das jetzt übrigens auch bei ihrem fünfjährigen Sohn der Fall ist – vielleicht ein Kandidat für die Fortführung in fünfter Generation
Telefonische Erreichbarkeit
Noch ist die neue Filiale nicht über Festnetz erreichbar. Denn mit der Festnetzleitung will es nicht so recht klappen, wie Gabor Nemeth berichtet. Seit November warteten sie nun schon auf einen Festnetz-Anschluss. Eigentlich hätten sie gerne schon ein wenig früher eröffnet, meint er. Nun sei der 20. Januar als nächster Termin mit der Telekom vereinbart. Bis dahin müssen sie in der neuen Filiale improvisieren und mobile Kapazitäten nutzen – bei einem modernen Kassensystem und dem Miteinander von zwei Filialen keine einfache Sache. Für die Kunden bedeutet das: Telefonische Reservierungen fürs Frühstück – ob werktags oder an Sonn- und Feiertagen – müssen derzeit noch beim Stammhaus in Hinterweidenthal abgegeben werden. Dabei, darauf weist Gabor Nemeth hin, müssten die Kunden sich verbindlich festlegen, wo sie frühstücken wollen.