Rheinpfalz Brisanter Einsatz

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LAUTERECKEN. Die Bergung von 110 Kilogramm Explosivstoffen in Lauterecken (Landkreis Kusel), die gestern Morgen planmäßig mit der Räumung des Gebietes begonnen hat, wird heute ab 6 Uhr fortgesetzt. 87 Anwohner sind davon betroffen. Aufgrund der einsetzenden Dämmerung musste die Aktion gestern Abend beendet werden. Mehr als die Hälfte des explosiven Materials wurde laut Polizei „ohne besondere Vorkommnisse“ weggeschafft.

Notwendig wurde die großangelegte Maßnahme, weil ein 18-Jähriger in der elterlichen Wohnung mehr als zwei Zentner des brisanten Materials gehortet hatte (wir berichteten). Er und ein 24-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen und eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Insbesondere wird ihnen zur Last gelegt, eine Explosion in Kaiserslautern vorbereitet zu haben. Beide bestreiten den Vorwurf. Einen islamistischen Hintergrund schließen die Ermittlungsbehörden aus, untersucht wird, ob Kontakte in die rechtsextreme Szene bestehen. Die Evakuierungszone in der Innenstadt von Lauterecken war durch Polizeikräfte abgeriegelt. Ein Durchkommen war nicht mehr möglich. Geschäfte in der Gefahrenzone hatten geschlossen. Die Einfahrt in die Straße „Ringmauer“, in der sich das Elternhaus des 18-Jährigen mit dem Explosivmaterial befindet, war blockiert durch ein gepanzertes Sondereinsatzfahrzeug der Polizei. Es sollte im schlimmsten Fall – also bei einer Explosion – der Druckwelle etwas die Zerstörungskraft nehmen. Auch ein Laster der Bereitschaftspolizei war quer zur Fahrbahn abgestellt – aus dem gleichen Grund. Bereits um 7.20 Uhr hatten alle 87 betroffenen Anwohner ihre Häuser verlassen. Damit war die Zeit der Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) gekommen. Sie sondierten noch einmal detailliert die Situation im Wohnhaus hinsichtlich Menge und Lage der Explosivstoffe, um dann über die weitere Vorgehensweise zu entscheiden. Bereits zuvor stand fest, dass die Substanzen in kleinere Gebinde abgepackt werden, um sie dann in besonders gesicherten Anhängern zu lagern und abzutransportieren. Die brisanten Stoffe werden laut Pressestelle des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kaiserslautern von den Sprengstoffspezialisten auch gewogen und dokumentiert – eine aufwändige und zeitraubende, aber wichtige Maßnahme, die der Beweissicherung dient. Wegen des hohen zeitlichen Aufwandes und angesichts der zu entsorgenden Menge hat die Polizei vorsorglich drei Tage, jeweils von 7 bis 18 Uhr, für die Aktion angesetzt. Eskortiert von mehreren Streifenwagen verließen bereits kurz nach 10 Uhr zwei Fahrzeuge mit Anhängern das Zentrum von Lauterecken in Richtung Truppenübungsplatz Baumholder. Dort werden die Explosivstoffe bis zur endgültigen Vernichtung zwischengelagert. Wie viel Material zu diesem Zeitpunkt geborgen war, wollte die Polizei nicht bekanntgeben. Bis zum späten Nachmittag pendelte das Fahrzeug mit dem gesicherten Anhänger ständig zwischen Fundort und Zwischenlagerstätte hin und her. Im Einsatz waren an diesem Tag 66 Polizeibeamte und Spezialisten des Landeskriminalamtes, 47 Mitglieder der Feuerwehr sowie zehn Rettungskräfte. Die meisten Anwohner kamen bei Verwandten und Bekannten unter. Etwa ein Dutzend Bewohner nutzte die von der Verbandsgemeinde angebotene Möglichkeit, den Tag im Lauterecker Grundschulgebäude zu verbringen. Die meisten nahmen ihre Ausquartierung gelassen hin. In dem Schulgebäude wurden die betroffenen Bewohner auch verpflegt. Am Abend konnten die betroffenen Ringmauer-Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Heute früh müssen sie ihre Häuser allerdings schon wieder verlassen.

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