Rheinpfalz Briefe, Tagebücher und Handgranaten
«Mannheim.» Wer das Mannheimer Bunkermuseum in Mannheim-Sandhofen betritt, taucht in dunkle Zeiten ein. Dort ist Kriegsgeschichte zu sehen. Die Dauerausstellung beleuchtet die NS-Zeit, die Sonderausstellung „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ beleuchtet den Ersten Weltkrieg.
Der Erste Weltkrieg endete zwar mit dem Waffenstillstand im November 1918. Weil aber der Friedensvertrag erst im Juni 1919 unterschrieben wurde, trägt die Ausstellung den Untertitel „100 Jahre Ende Erster Weltkrieg“. „Auf der Suche nach den Ursachen für den Zweiten Weltkrieg bin ich recht schnell beim Ersten Weltkrieg gelandet“, erklärt Harald Emig. Der Hobbyhistoriker begann vor 25 Jahren, Zeugnisse dieses ersten interkontinentalen Krieges zu sammeln. 200 Einzelstücke seiner Sammlung stellt er dem Bunkermuseum, das Teil des Heimatmuseums Sandhofen ist, zur Verfügung. 17 Millionen Menschen verloren zwischen 1914 und 1918 ihr Leben. Darunter Paul Reichelt, dessen Leben durch Tagebücher und Briefe beleuchtet wird. „Er war 317 Tage im Krieg“, berichtet Emig. Er hat sich nach wenigen Tagen an der Front zum Krankenträger ausbilden lassen, wurde verletzt und erlag seinen Verletzungen. „Es gab nicht nur die direkt Gefallenen, sondern Verstümmelte, Verletzte und auch die sogenannten Kriegs-Zitterer, die am ganzen Körper vibrierten.“ An sie alle soll diese Ausstellung erinnern. Neben der kaiserzeitlichen Pickelhaube sind beispielsweise Waffen, Abzeichen und ein winziger Schützengraben zu sehen. Freilich fehlen auch Uniformen nicht, an deren Entwicklung Emig die Militärtechnik erläutert. „Bis 1907 sind die Soldaten mit dem bunten Rock in die Schlacht gezogen.“ Knallige Farben, die den Schützen im Pulverdampf die eigenen Reihen signalisieren sollten. Mit der Entwicklung rauchfreien Schießpulvers wurden die Signalfarben hingegen zur Zielscheibe, die Uniformen mausgrau oder olivgrün. Es handele sich bei allen Uniformen um getragene Exemplare, aus Nachlässen von Kriegsüberlebenden, versichert der Sammler. Dass Emig Waffen zeigen kann, verdankt er seinen Verbindungen zu französischen Historienvereinen. Kriegswaffen allesamt. Auch die tennisballgroßen Handgranaten, die eine echte Zündschnur hatten. „Alle Waffen sind demilitarisiert“, sagt Emig. Fast alle. Die Bajonette sehen noch immer scharf aus und auch die rostigen Morgensterne versprühen eine stille Aggressivität. „Auch solche Waffen kamen im Ersten Weltkrieg noch zum Einsatz. Gerade der Morgenstern als Nahkampfwaffe, wenn man erst einmal in den feindlichen Stellungsgraben gelangt ist“, so der Historiker. Ausrüstungsgegenstände, Urkunden, Fundstücke, Todesanzeigen und noch vieles mehr haben Emig und seine Lebensgefährtin Andrea Bernardy zusammengetragen. Besonders beeindruckend dabei die Feldbriefe in Sütterlinschrift, die zu Beginn noch sehr euphorisch klangen, aber mit zunehmender Kriegsdauer kürzer und depressiver klingen. „Wir wollten schon lange so eine Ausstellung machen, aber es hat sich leider bisher noch nie ergeben“, verrät Museumsleiter Dirk Schulz. Eine Ausstellung, die keinen neuen Blick auf die damaligen Ereignisse wirft, aber sie zusammenfasst und Besucher, gerne auch Schulklassen, dazu anregen soll, selbst zu forschen. Noch Fragen? Bis Jahresende ist die Sonderausstellung im Bunkermuseum, Birnbaumstraße 32, zu sehen – an jedem ersten und dritten Sonntag des Monats, 14 bis 17 Uhr, oder nach Vereinbarung unter www.zgma.de.