Rheinpfalz Brauer und Bauer

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„Es gibt keinen besseren Zeitpunkt“, sagt Steffen Süs. Craft Beer, handwerklich und abseits von Großbrauereien gebrautes Bier, ist in aller Munde. Auch in Winterbach im Zweibrücker Land wird gebraut: Süs hat im Frühjahr eine Brauwerkstatt gegründet. Sein „Stugge“ hat es bereits ins Sortiment von Einkaufs- und Getränkemärkten geschafft.

„Wir hatten keine Lust mehr, kein gutes Bier zu trinken. Dann haben wir beschlossen, wir brauen selbst“, erzählt Süs mit einem Grinsen, wie in ihm und seiner Frau Nadine eine Idee gärte: Lass uns eine Hausbrauerei gründen! Wobei es nun eigentlich eine Hofbrauerei ist. Die 15 Jahre leerstehende Milchkammer auf dem Bauernhof der Familie ist nun sozusagen eine Braukammer. Süs hat bei der Parkbrauerei in Pirmasens Brauer und Mälzer gelernt, arbeitete in der Landwirtschaft und kehrte schließlich zum Bier zurück. Zuletzt war er bei Wasgau angestellt, braute für das Unternehmen in Contwig „Wentzler-Bräu“. Wasgau schloss die kleine Brauerei Ende 2015. Jetzt hat Süs seine eigene kleine Brauerei, zusätzlich zum landwirtschaftlichen Betrieb mit 20 Hektar Grünland und Mutterkuhhaltung. Wie passend, möchte man meinen: Dann kann der Brauer als Bauer ja seine eigene Braugerste produzieren. „Das lohnt sich aber nicht“, erklärt er. Stattdessen ist er Kunde bei Bestmalz in Kreimbach-Kaulbach. Hopfen bezieht Süs vom Großhändler. Bier brauen, Flaschen spülen, abfüllen, Etiketten kleben – alles Handarbeit, bei der auch die Familie anpackt. Dann geht’s eng her in der weiß gefliesten Kammer. „Wir wollten nicht gleich die Scheune umbauen für die Brauwerkstatt, erst mal klein anfangen. Wir wussten ja nicht, ob es läuft“, sagt Süs. Mikrobrauereien sprießen in Hamburg, Berlin, München. „Aber auf dem Land sind wir davon ja weit weg“, hatte Süs zunächst Zweifel. Doch es läuft. Seit Sommer ist das Bier neben dem Hofverkauf auch in Geschäften erhältlich. 1000 Liter wollte der 40-Jährige bis Jahresende brauen. Doch das war tief gestapelt: Schon jetzt sind es viel mehr. Süs produziert ein helles, kaltgehopftes Lager („High Hops“) und ein dunkles „German Brown Ale“, beide weder filtriert noch pasteurisiert. „Ich brau’ nur, was ich selbst gerne trinke“, erklärt er, „deshalb gibt’s bei uns kein Pils.“ Und kein Weizen. Stattdessen versucht er sich gerade an Gose, einer alten Biersorte, bei der Koriander und Salz zugesetzt werden, und denkt über ein Weihnachtsbier nach. Neben dem markanten Wuschelkopf eines Hochlandrindes − Hinweis auf den Bauernhof – fallen auf den „Stugge“-Etiketten „Genussanleitungen“ samt Musikempfehlung auf. „Oft liest man auf Flaschen, wozu das Getränk passen soll, zum Beispiel zu gegrilltem Fleisch oder Fisch. So was wollten wir uns aber nicht anmaßen.“ Stattdessen empfehlen Steffen und Nadine Süs Musik von The Kooks und Volbeat zu ihren Bieren. „Ein Gag“, sagt der Brauer. Gesprächsstoff liefert auch der Name der Brauwerkstatt. Denn „Stugge“ ist ein holländisches Wort. „Een stugge werker“ gilt als „tüchtiger Arbeiter“. Nadine und Steffen Süs grinsen. „Passt ja auch irgendwie.“ |sbn

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