Herschberg / Wallhalben
Kostenlos: Mit dem Bürgerbus von der Haustür zum Supermarkt und zurück
Kurz vor 10 Uhr. Der weiße Bus hält in der Gartenstraße in Herschberg. Walter Arzt steigt aus. Er sitzt als ehrenamtlicher Fahrer bei der Premierenfahrt des Bürgerbusses der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben hinter dem Steuer. Sein erster Fahrgast ist Marianne Westrich. „Ich bin so froh, dass es den Bus jetzt gibt“, freut sich die 84-Jährige auf die von ihr tags zuvor gebuchte Fahrt nach Wallhalben. Sie möchte im Edeka-Markt einkaufen. Patrick Sema, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, hat zum Start des Bürgerbusses Blumen für die Dame mitgebracht, die als erste im weißen Opel Zafira Platz nehmen darf. Die Blumen gibt es nur einmal, den Service Bürgerbus soll es lange geben, sind sich Arzt und Sema schmunzelnd einig.
„Ich freue mich, dass es jetzt losgeht“, sagt Sema. Auch das etwa 30-köpfige Team, das für den Telefondienst geschult wurde, und die Fahrer sind froh, dass die zwei Busse jetzt in den 20 Gemeinden der Verbandsgemeinde unterwegs sind. Für Fahrten zu medizinischen Terminen werden sogar die Verbandsgemeindegrenzen überschritten. „Es sind zum Beispiel bereits Fahrten zur Physiotherapie in Contwig gebucht“, erzählt Sema.
Der einzige Fahrgast des Tages
Mit dem Projektstart beginnt das Sammeln von Erfahrungen. Thaleischweiler-Wallhalben ist die 99. Kommune in Rheinland-Pfalz, die Bürgerbusse zum Einsatz bringt. Wie überall, werde das langsam anlaufen und sich etablieren, sind Sema und Arzt, der sich als Ehrenamtlicher für dieses Projekt begeistert, einig. „Weil der Bedarf da ist“, sagt Arzt. Die möglicherweise vorhandene Scheu, den Bus zu nutzen, „wird sich legen“, ist er sich sicher.
Sie sei glücklich, dass es den Bus gibt, sagt Marianne Westrich, die den Premierenblumenstrauß noch zu Hause ins Wasser gestellt hat, bevor die Fahrt beginnt. Am ersten Tag geht es entspannt zu. „Sie sind heute mein einziger Fahrgast“, sagt Walter Arzt und weiß: „Das wird sich ändern, das werden mehr.“
Sponsorenlogos liegen bereit
Noch ist der Bus ganz weiß. Die VR-Bank Südwestpfalz und die Sparkasse Südwestpfalz unterstützen das Projekt finanziell. „Der Verbandsgemeinderat muss die Spenden noch annehmen. Ist das geschehen, kommen die Sponsoren und der Schriftzug Bürgerbus auf die Fahrzeuge“, sagt Sema.
Arzt hilft Westrich in den Bus. Dann fährt der Bürgerbus offiziell mit dem ersten Fahrgast durch die Verbandsgemeinde. Privat fahre er eine andere Automarke, aber die Busse seien sehr gut zu fahren, sagt Arzt. Es geht auf die Thaleischweiler Straße, nach links auf die Hauptstraße und gemütlich rollt der Bus Wallhalben entgegen. Ihr Mann könne nicht mehr fahren, sie selbst hat keinen Führerschein – „aber ich selbst könnte auch nicht mehr fahren“, sagt Westrich. Der Bus ermöglicht ihr, selbstständig Dinge zu erledigen, die sie in Herschberg nicht mehr erledigen kann. Einkaufen? Früher ja, jetzt gibt es keine Geschäfte mehr. Es hat bisher auch ohne den Bus funktioniert. Kinder, tolle Nachbarschaft. Aber mit dem Bus könne sie vieles selbst erledigen.
Ein schwarzer Kaffee beim Warten
„Ich bin ja noch gut zu Fuß. Nach Wallhalben könnte ich noch laufen. Nur den Berg hoch nach Herschberg würde ich nicht mehr schaffen“, sagt sie lachend. Sie erzählt ein bisschen aus ihrem Leben. In Schlesien geboren, kam sie über Pirmasens nach Herschberg. Auch das macht der Bürgerbus möglich: miteinander ins Gespräch zu kommen. „Ich habe gern mit Menschen zu tun. Deshalb hat mich das Projekt von Anfang an begeistert“, sagt Arzt, der Bürgermeister in Krähenberg ist. „Ich bin Rentner, ich habe Zeit, ich mache das gern“, unterstreicht er, während der Bus auf den Edeka-Parkplatz rollt.
Er hilft Marianne Westrich aus dem Bus. „Lassen Sie sich Zeit“, wünscht er ihr viel Spaß beim Einkauf. Für ihn ist das die Gelegenheit für einen kurzen Stopp in der Cafeteria des Einkaufsmarktes. „Ich bin öfter hier“, bekennt er schmunzelnd, während ihm der kleine schwarze Kaffee zubereitet wird, den er immer trinkt. Großes Hallo am Stammtisch. Ein Fahrerkollege aus dem Team der Ehrenamtlichen kommt vorbei, freut sich auf seine Premierenfahrt.
Spendenkasse beim Fahrer
Arzt behält den Kassenbereich im Blick. „Da ist sie“, sagt er und hilft Marianne Westrich mit dem Einkaufswagen. Cola hat sie gekauft. „Das trinkt mein Mann so gern“, verrät sie. Der ist tags zuvor gestürzt, musste ins Krankenhaus. Neben dem Einkaufsmarkt ist die Arztpraxis, die, da ist sich Walter Arzt sicher, vom Bürgerbus öfter angefahren werden wird. Im Bus gibt es ein Mobiltelefon, über das die Fahrer direkt erreichbar sind. In den Praxen werden die Nummern hinterlassen. „Es lässt sich alles koordinieren“, sagt Arzt, während Westrich die Chance nutzt, in der Praxis persönlich einen Termin ihres Mannes abzusagen. „Telefonisch ist es ja oft schwer, jemanden zu erreichen“, freut sie sich diese Aufgabe dank Bürgerbus unkompliziert lösen zu können.
„Wie ist das jetzt mit dem Bezahlen?“, fragt Westrich, als der Bus vor ihrer Haustür steht. „Kostet nichts“, sagt Arzt. Beim Fahrer steht eine Spendenkasse. „Wer möchte, darf dem Team was spenden“, erklärt er und hilft seinem Fahrgast an die Haustür, trägt die Einkäufe rein. „Ich werde den Bus regelmäßig nutzen“, sagt Westrich und bedankt sich für die schöne Fahrt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Chauffeur mal wieder Walter Arzt sein wird, ist groß. Auch ihm hat die Premiere Spaß gemacht. „Das ist einfach eine gute Sache“, sagt er.
Info
Der Bürgerbus fährt dienstags und donnerstags zwischen 8 bis 18 Uhr im Zwei-Schicht-Betrieb. Die Fahrten können montags und mittwochs jeweils von 14 bis 16 Uhr telefonisch gebucht werden unter 06334 441122. Wer als Fahrer oder im Telefondienst das Projekt unterstützen möchte, kann sich bei der Verwaltung melden.