Rheinpfalz Blühende Landschaften auf 2000 Quadratmetern

Pflanzen im Wachenheimer Stadtmauergarten Pflanzen, die schon im Mittelalter in der Region wuchsen: Christiane Rosenberg (links)
Pflanzen im Wachenheimer Stadtmauergarten Pflanzen, die schon im Mittelalter in der Region wuchsen: Christiane Rosenberg (links) und Stephie Pflüger.

«Wachenheim.» Summende Bienen, ein leichter Windhauch lässt das Geäst rascheln, die Vögel singen: Seit drei Jahren arbeitet die Stadtmauerinitiative an ihrem Projekt im Wachenheimer Stadtmauergarten und hat ein echtes Idyll erschaffen.

Zum Glück fehlt Stephie Pflüger und Christiane Rosenberg eigentlich nur noch ein Schreiner. Die Frauen stehen im Stadtmauergarten im Herzen von Wachenheim und wirken wie Leute, die durch die viele Zeit an der frischen Luft und Gartenarbeit ein großes Maß an Entspannung gefunden haben. Der Garten steht an diesem heißen Tag in voller Blüte, entwickelt sich wie gewünscht und die beiden Gärtnerinnen freuen sich auf neue Projekte. Und da kommt der gewünschte Schreiner ins Spiel. Die Frauen – Pflüger macht die Planung, Rosenberg ist Vorsitzende der Stadtmauerinitiative – sind im Team mit rund zehn Hobbygärtnern an der Pflege des Gartens beteiligt, ein Holzexperte ist aber nicht darunter. Der wäre jetzt wertvoll, weil eine Mittelalter-Taverne im Garten entstehen soll. Die soll eine Art Schubkarchstand werden und neben der neu angelegten Feuerstelle Schutz vor Wind und Regen bieten, wenn hier mal ein Fest gefeiert wird. Überhaupt soll der Garten an der Stadtmauer ein geselliger Ort, ein Treffpunkt werden. Davon zeugt schon der Eingangsbereich. Hier wurden Wandelgänge angelegt. Noch müssen die Weiden und Sonnenblumen wachsen, damit die kleinen Plätze und Buchten gut zu erkennen sind. Aber mit ein bisschen Sonne und Regen werden hier kleine Picknickplätze und schattenspendende Ecken entstehen. Und da macht es auch nichts, dass die Sonnenblumen erst im 16. Jahrhundert nach Europa kamen. Pflanzen, die es nicht auch schon im Mittelalter in der Region gab, haben im Garten nämlich eigentlich nichts zu suchen. Hat es sich die Initiative doch zur Aufgabe gemacht, einen möglichst zeitgenössischen Garten zu gestalten. 1341 ist dabei das Stichjahr für die Initiative, erklärt Pflüger, die nebenbei mit der Gartenschere hantiert. Denn der Startschuss für den Garten fiel im Stadtjubiläumsjahr 2016, als man unter anderem den Erhalt bedeutender Stadtrechte im Jahr 1341 feierte. Statt Tomaten und Kartoffeln wachsen hier also nun Kerbel und Sauerampfer. Den Grundstock hierfür hatte Pierre Amblard gelegt, bevor er aus beruflichen Gründen kürzer treten musste. Von seiner Arbeit profitieren jetzt auch Pflüger und ihr Team. Die Gärtner haben im Frühjahr mit Freude beobachtet, welche Pflanzen nach dem Winter wiedergekommen sind. Vieles sei durch Amblards Arbeit und den guten Boden schon da, so Pflüger. Rund 2000 Euro hat die Initiative für Pflanzen ausgegeben. Wichtig für beide Frauen ist der Naturschutz: Vögel sollen sich in den Hecken zurückziehen können, Bienen ein ausreichendes Angebot finden. Pflüger ist wie ihr Vorgänger um Ideen nicht verlegen. Neben der Taverne träumt sie auch von einem Hexenhäuschen, umrankt von schwarzblättrigen Pflanzen. Ein Ort für Märchenstunden für Kinder und Erwachsene. Überhaupt ist der Garten nicht nur zur Zierde da. Im Moment ist er Mittwochsnachmittags und an jedem letztem Samstag im Monat öffentlich zugänglich, wenn die Initiative Gartenarbeit macht. Da kann es sein, dass Pflüger auch mal Gartentipps gibt, etwa jenen bodendeckende Erdbeeren empfiehlt, die es sich einfach machen wollen. Feste und Aktionen stehen ebenfalls auf dem Gartenkalender. Fest eingeplant ist die Sommerkirche (Sonntag, 12. August, 11 Uhr) mit Sommerfest. Und nächstes Jahr könnte schon eine Teilnahme am Tag der offenen Gärten drin sein. Vereine könnten, so Rosenbergs Idee, künftig hier kleine Feste feiern. Ihre Vorstellung beinhaltet auch, dass sich Vereine gegenseitig aushelfen. Im Spätjahr wird hier zudem eine Hochzeitsgesellschaft feiern. Bis dahin und darüber hinaus bleibt viel zu tun. Jede Hilfe ist da willkommen – nicht nur die von einem Schreiner.

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