Rheinpfalz Bis zu 60 000 Euro verloren
Erst kürzlich wieder meldete die Polizei einen neuen Fall von Scamming (Betrug). Ein 58-Jähriger war auf eine Internetbekanntschaft hereingefallen. Mit dem Vorwand, sie sei in Geldnöten, überzeugte sie ihn, mehrmals Geld nach Togo zu schicken. Dies sei keine Seltenheit, wie Stefan Heimerl vom Kriminalhauptkommissar des Polizeipräsidiums Westpfalz, Gerhard Jost, erfuhr.
Kaiserslautern. Herr Jost, wie oft werden Personen Opfer von Scamming ? Im Bereich Kaiserslautern etwa zehnmal im Jahr. Im Normalfall verlieren die Opfer mehrere Tausend Euro. Manche ruinieren sich richtig und verlieren alles. Es gibt auch Leute, die einen Kredit aufnehmen. Vor etwa anderthalb Jahren hatte eine Frau bis zu 60.000 Euro überwiesen. Warum fallen immer wieder Leute darauf rein? Beim Romance Scamming ist es die Verliebtheit. Es werden Fotos mit attraktiv aussehenden Menschen gezeigt und eine Geschichte vorgegaukelt. Die Opfer sind teils so verliebt, dass sie jedes Misstrauen verlieren. Selbst wenn sie das Geld zuerst nach Indonesien überweisen und kurz darauf an die Elfenbeinküste. Die Frau mit den 60.000 Euro Verlust dachte immer noch, der Mann werde sie in Deutschland besuchen. In einem Videogespräch per Skype sah sie, dass er anders aussieht als auf den Fotos. Er schob es auf die Qualität der Kamera, sie glaubte es. Und bei der Nigeria Connection? Da ist es die eigene Gier nach Gewinnen. Ich habe den Fall erlebt, dass ein Mann seiner Bank sagte, er bekomme 20 Millionen Euro. Er sei Erbe einer bei einem Unfall gestorbenen Familie. Ich habe ihm erklärt, dass es eine Falle ist. Das wollte er nicht glauben, dachte, es ginge um einen Verwandten, der mal bei der Fremdenlegion gewesen sei. Er hat letztendlich 7000 Euro gezahlt. Wie war das im aktuellen Fall? Das ist so ein Mittelding, das haben wir in der Form das erste Mal gesehen. Wenn der Mann nicht zur Polizei gegangen wäre, hätte er immer wieder Forderungen nach Geld erhalten. Warum ist Deutschland Ziel solcher Betrugsdelikte? Das ist nicht nur in Deutschland, das ist eine weltweite Masche. Und sie funktioniert. Kommt das aus Togo, wie im aktuellen Fall? Es kommt meistens aus Afrika. Nicht nur aus Togo, sondern auch von der Elfenbeinküste oder aus Nigeria. Wann sollte man die Polizei einschalten? Frühestens, wenn jemand Geld verlangt. Egal für was: Die Gründe werden immer plausibel klingen. Wenn man einmal bezahlt, zahlt man auch ein zweites, drittes und viertes Mal. Die Verliebtheit verändert die Sicht. Der Betroffene will ja, dass es wahr wird. Oft leben die Personen allein, aber sobald es um Geld geht, muss man sich Rat holen. Was kann die Polizei tun, wenn sich ein Betroffener meldet? Bis wir das mitkriegen, ist meist viel Zeit vergangen. Wir nehmen die Anzeige auf und leiten sie an die Staatsanwaltschaft weiter. Die können anfragen, wo das Geld hingegangen ist. Umsätze rücken Dienstleister wie Western Union oder Moneygram nur raus auf Anfrage der Staatsanwaltschaft. Eine Strafverfolgung gestaltet sich aber schwierig. Betroffene sehen ihr Geld nie wieder? Jemand hebt das irgendwo im Ausland ab, wo im Zweifelsfall auch ein laxer Umgang mit der Ausweispflicht herrscht. Das Geld ist weg. Wer sowas professionell betreibt, wird Strohleute haben und gefälschte Pässe.