Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Birkenhördt: Jaqueline Fritz bereitet sich auf Paralympics vor

Jacqueline Fritz beim Aufstieg zum Habicht.
Jacqueline Fritz beim Aufstieg zum Habicht.

Nach ihrem zweiten Bergsteigeprojekt „Seven Summits des Stubaitals“ und der Weltmeisterschaft im Paraclimbing ist die beinamputierte Jacqueline Fritz seit dieser Woche zurück in der Heimat. Und hat sich schon die nächsten Ziele gesteckt: Eisklettern und die Paralympics 2020.

Vor zwei Jahren überquerte sie die Alpen von Garmisch-Patenkirchen bis Meran. In diesem Sommer hatte sie sich die „Seven Summits“ – die sieben anspruchsvollsten Berge – des Stubaitals vorgenommen. Auf einem Bein. Und zwei Krücken. Seit Jacqueline Fritz aus Birkenhördt, deren rechtes Bein mit 22 Jahren infolge einer missglückten Bänderriss-OP amputiert werden musste, vor ein paar Jahren den Bergsport für sich entdeckt hat, geht es für sie steil bergauf. Also sowohl im wortwörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Sie erklimmt Berge, hangelt sich an Kletterwänden empor, hält Vorträge, macht Bergführungen, ist auf Messen und im Fernsehen unterwegs. Das Ziel der willensstarken Powerfrau, die in Bad Bergzabern eine kleine Werbeagentur betreibt, ist es, den Bergsport zum Vollzeit-Job zu machen.

Kamerafrau immer dabei

Deswegen war auch ihre Kamerafrau immer dabei, als sie die „Seven Summits“ bestieg. Der Film soll später bei Outdoor-Filmfestivals und bei ihren Vorträgen zu sehen sein, die sie beispielsweise in der Kurstadt und in Landau halten will. Eine Herausforderung, aber vor allem ein tolles Erlebnis waren die Gipfel für die 33-Jährige. Über Gletscher, Schotter und Kletterpassagen ging es in die Höhe. An einem Tag galt es, 1.300 Höhenmeter und 18 Kilometer zu bewältigen, um den 3.418 Meter hohen Wilden Freiger zu bändigen. „Da sind wir 15 Stunden durchgelaufen. Danach war ich auch bedient“, gibt Fritz zu, die bewusst auf eine Beinprothese verzichtet, um zu zeigen, was der Körper aus eigener Kraft leisten kann. Der Freiger war auch der einzige Berg, bei dem ihr vierbeiniger Freund Loui zu Hause bleiben musste, da seine Bergsicherung unter den erschwerten Bedingungen zu lange gedauert hätte. „Das hat mir weh getan, weil ein Teammitglied fehlte“, erinnert sich Fritz. Ihr vierjähriger Mischlingshund ist von Anfang an bei ihren Bergabenteuern mit von der Partie, hat sogar sein eigenes Klettergeschirr. Und er sucht den geeigneten Weg – für sich und sein Frauchen. „Es war mir davor gar nicht so bewusst, was er alles für mich leistet.“

Viele fieberten mit

Von vielen Leuten sei sie während ihres Bergprojekts angesprochen worden, berichtet die 33-Jährige. „Die haben alle mitgefiebert.“ Allerdings bleibt ein kleines Manko. Das 3.507 Meter hohe Zuckerhütl, dessen Besteigung sie wegen schlechten Wetters schon bei ihrer Alpenüberquerung abbrechen musste, blieb auch diesmal unerreichbar. Wieder stellte sich das Wetter quer. „Der Schnee ist geschmolzen. Die Steinschlaggefahr war zu hoch.“ Bergsteiger boten keine Führungen mehr an. Und wer sich alleine hochtraute, erntete die Früchte des Leichtsinns. Mehrere Abstürze und sogar ein Toter. Solch ein Risiko habe sie nicht eingehen wollen. „Wir holen den Berg im Juni nach.“ Zwischen den „Seven Summits“ absolvierte Fritz noch das WM-Trainingslager und später die Weltmeisterschaft im Paraclimbing in Innsbruck, bei der sie in ihrer Gruppe auf den siebten Platz kam. „Dafür dass ich erst seit diesem Jahr in der deutschen Nationalmannschaft bin und von allen am schlechtesten vorbereitet war, bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Solange ich im nächsten Jahr unter den ersten fünf bin“, meint sie grinsend. Denn die einzige Frau im deutschen Nationalteam will 2020 auch an den Paralympics in Tokyo teilnehmen. Davor hat sie sich aber noch vorgenommen, die Berge auch im Winter zu erobern. Sommer-Bergtouren führt sie bereits – wie in der vergangenen Woche in Garmisch-Partenkirchen mit dem bekannten Extrembergsteiger Hans Kammerlander.

Auch Gletscher galt es zu bewältigen.
Auch Gletscher galt es zu bewältigen.
Fast immer dabei: Berghund Loui.
Fast immer dabei: Berghund Loui.
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