Porträt
Besuch im Bildhaueratelier von Petra Roquette in Maximiliansau
Aus solchen hölzernen Stämmen und Balken wächst oben ein Kopf heraus, unten sieht man genau einen Fuß. „Barfüßler“ nennt Bildhauerin Petra Roquette diese Reihe, deren Köpfe mit lebensechten Gesichtsausdrücken ausgestattet sind. Eine andere Skulptur wirkt wie ein Segel aus Holz, als ob durch ihr Atelier gerade ein Windstoß hindurch fahren würde. Manche Holzarbeiten Roquettes offenbaren auch tiefe Ein- und Durchblicke.
„Manchmal arbeite ich wie im Rausch“, sagt die Künstlerin, die seit vielen Jahren in Maximiliansau lebt und arbeitet. Geboren ist sie 1959 in München. „Abends kommt mein Mann nach Hause und findet mich in einem Berg aus Spänen.“ Dabei ist das Arbeiten mit dem Holz alter Bäume körperlich anstrengend.
Das Holz findet sie auf Spaziergängen
Ursprünglich hat die gelernte Holzschnitzerin ganz klassisch nur mit Schnitzeisen und Holz-Klüpfel gearbeitet. Inzwischen greift sie bei großen Objekten auch zu Maschinen. „Aber ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel auf einmal wegnehme, damit die vom Holz gegebene Form erhalten bleibt“, sagt Roquette.
Jede ihrer Arbeiten ist so einzigartig wie der Baum, aus dem das Holz stammt. „Ich bin viel in der Natur unterwegs. Auf den Spaziergängen entlang des Rheins und über die Streuobstwiesen finde ich das Holz für meine Objekte“, erzählt die Bildhauerin. „Wenn ich sehe, dass irgendwo alte Obstbäume gefällt werden, gehe ich gleich zum Bauern und frage, ob ich die Stämme haben kann.“
Die Holzbearbeitung liegt in der Familie
Die Stämme werden dann in den Ortskern von Maximiliansau geschleppt, wo Petra Roquette mit ihrem Mann ein altes Haus bewohnt. Die einstige Garage im Hof ist zum Atelier ausgebaut. Das Wohnhaus wird gerade restauriert, mit – genau, viel Holz. „Wir haben uns an der Berufsfachschule für Holzschnitzer und Schreiner in Berchtesgaden kennengelernt, wo wir beide 1979 angefangen haben: ich als Holzschnitzerin und mein Mann als Schreiner“, erzählt Roquette.
Der Opa ihres Mannes hatte eine Schreinerei in Maximiliansau, der Umgang mit Holz liegt sozusagen in der Familie. Petra Roquettes Vater war Rechtsanwalt und hat die Kreativität seiner drei Töchter immer gefördert. „Sport und Kunst waren immer mein Ding. Als Kind habe ich aus Kerzenwachs Figuren modelliert und viel gezeichnet.“
In Schreinerkluft zum Bäcker
Ihre Mutter stammt aus der Gegend um Berchtesgaden und schlug der Tochter eine Ausbildung in Holzkunst vor. Roquette reichte eine Zeichenmappe ein und wurde eingeladen. „Die Prüfung dauerte zwei Tage“, berichtet sie. Sie gehörte zum ersten Jahrgang, der zum Abschluss nicht eine Kopie einer vorgegebenen Figur nachschnitzen musste, sondern frei gestalten sollte.
Nach der Ausbildung zog das Ehepaar in die Pfalz zur Schreinerei des Opas. „Glücklicherweise sind die Pfälzer aufgeschlossene Menschen, die sich nicht allzu sehr wundern, wenn ich in Schreinerklamotten zum Bäcker gehe“, meint Petra Roquette, die ihren Mädchennamen behalten hat. Sie bekam einen Sohn und eine Tochter und freut sich über vier Enkelkinder.
Man kann sie in ihrem Atelier besuchen
Nach der Familienphase stieg Roquette 2003 wieder richtig in die Bildhauerei ein. „Ich hatte Glück, weil Beate Refflinghaus, die ebenfalls Bildhauerin ist und in Maximiliansau wohnt, mich bei der Bewerbung um den Pfalzpreis für Bildhauerei unterstützt hat. Sie lud kurzerhand drei meiner Arbeiten in ihren VW-Bus und fuhr nach Kaiserslautern“, berichtet Roquette. Tatsächlich wurde eine ihrer Arbeiten für den Wettbewerb 2008 angenommen und kam unter die ersten zehn. Über die Künstlerkollegin und die Südpfälzische Kunstgilde in Bad Bergzabern kam der Einstieg zu regelmäßigen Ausstellungen. Mittlerweile ist Petra Roquette Gildemeisterin.
Wer ihre Arbeiten sucht, kann es derzeit in Bad Bergzabern in der Galerie Brockschmidt, Marktstraße – Ecke Kettengasse versuchen, die in der Regel samstags geöffnet hat. Gerne kann man der Künstlerin aber nach vorheriger Anmeldung auch einen Besuch in ihrem Atelier in Maximiliansau abstatten.
Köpfe aus der Fantasie geformt
Für 2022 ist eine Ausstellung im Park des Alten Schulhauses in Schweigen-Rechtenbach geplant, wo in erster Linie die beliebten „Barfüßler“ ausgestellt werden. Was Roquette besonders fasziniert ist, dass die Betrachter immer denken, in den Köpfen jemanden aus ihrem Bekanntenkreis zu erkennen. Doch sie formt die ausdrucksvollen Gesichter frei aus ihrer Fantasie heraus. Wer ihre Arbeiten betrachtet, darf gern eigenen Assoziationen folgen. „Ich gebe meinen Werken deshalb ungern Titel, weil jeder etwas anderes in ihnen sehen kann“, sagt die Künstlerin.