Kandel
Benjamin Burkard bereitet sich auf seine erste große Einzelausstellung vor
Sommerloch oder Saure-Gurken-Zeit sind Begriffe, die im aktiven Wortschatz des Malers Benjamin Burkard schlichtweg nicht existieren. Denn der 39-Jährige steckt voller kreativer Ideen, produziert unentwegt Kunst oder bereitet neue Projekte vor, weshalb bei ihm gefühlt das ganze Jahr über kein Leerlauf entsteht.
Als die RHEINPFALZ vor gut zwei Wochen bei ihm nach einem Termin für die Reihe fragte, war er noch auf einem Campingplatz am Lido di Jesolo bei Venedig. Dort verbrachte er zehn Tage Urlaub mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern in einem Mobile Home. Da dürfte kaum Platz gewesen sein für seine großen Leinwände – wer den Kandeler Künstler kennt, weiß, dass er kaum ohne sein tägliches Malpensum sein kann.
Wortsammlung und Skizzenbuch
„Das geht mittlerweile hin und wieder tatsächlich ganz gut ohne mein Atelier, meine Farben und großen Leinwände“, sagt er. „Ich hatte im Urlaub mein Skizzenbuch dabei, und seit sieben Jahren pflege ich auf meinem Handy als Ausweg ein intensives Memoboard.“ Darin sammelt er all seine unzähligen Ideen, notiert sie in kurzen Stichworten und Schlagwörtern, um später daraus vielleicht ein neues Kunstwerk entstehen zu lassen. Gerne zeigt er seine Wortsammlung, scrollt, scrollt, die Liste scheint keine Ende nehmen zu wollen. „Ganz auf Malerei kann ich einfach nicht verzichten, komplett ohne geht es bei mir nicht. Also musste ich eine Lösung für mich finden, um nicht auf Entzug zu kommen.“
Aktuell arbeitet Burkard in seinem Atelier in der Fußgängerzone von Bad Bergzabern an den Werken für seine erste Ausstellung in Österreich – es ist sogar eine Einzelschau. „Ich habe mich, eigentlich im Glauben, keine Chance auf einen Preis zu haben, beim Strabag Art Award beworben.“ Es war die letzte Möglichkeit, denn 2026 erreicht er die Altersgrenze von 40. Der Jury mit ausgewiesener Expertise haben seine drei Arbeiten gefallen, ihm wurde einer von vier Anerkennungspreisen zugesprochen.
Videospiel als neue Kunstform
Neben dem Preisgeld von 8000 Euro bekommt er ab 25. September auch eine Einzelausstellung im Strabag-Kunstforum in Wien. „Der Preis ist für mich ein Jackpot, denn die Sammler, die hinter dem Preis stehen, werden auch Werke von mir für ihre Sammlung ankaufen.“ Mit dem Team, das seine Ausstellung in Wien organisiert, stehe er durchgängig in Kontakt, entwickle seinen Auftritt ständig weiter. Geplant sind zehn großformatige Arbeiten in Mischtechnik auf verspachtelter und vergoldeter Leinwand in seinem ganz eigenen surrealen Stil.
In Wien will er auch eine Installation rund um seinen selbstgebauten Spielautomaten aufbauen, mit dem er schon auf der Art Karlsruhe für Furore sorgte. Mit ihm möchte er eine Wechselwirkung zwischen Videospielen und Malerei herstellen. „Ich erschaffe eine hybride Malerei, die junge Menschen und ältere Generationen anspricht und gemeinsam Kunst erleben lässt. Für mich sind Videospiele Kunst, die bisher noch in keiner Akademie gelehrt werden. Das ist aber wichtig, denn in ihnen werden Malerei und Grafik, Theaterelemente, wie Dialoge und Inszenierung, mit Musik verbunden.“
Mit den Kindern ins Freibad
Dass er für diese neue, noch nicht anerkannte Kunstform brennt, ist auch aus seiner nächsten Antwort herauszuhören. „Wenn ich Kulturbürgermeister oder Beauftragter für die ganze Region wäre, auch entsprechende finanzielle Mittel hätte, würde ich eben viel mehr in dieses neue, noch komplett offene Feld der Videospiele investieren.“ Das sei die Kunstform der Zukunft. Er verweist auf die erfolgreiche Dauerausstellung im ZKM und wissenschaftliche Studien, dass digitale Kunst heute den meisten Zuspruch erfahre quer durch alle Generationen.
Neben der Kunst ist seine Familie klar der zweite Fixpunkt im Leben. „So, wie ich als Kind oft in Kandel im Schwimmbad war, gehe ich heute mit meinen vier und sechs Jahre alten Kindern im Sommer ins Kandeler Freibad. Wir fahren mit dem Rad hin, wenn ich am frühen Nachmittag vom Atelier zurückkomme und mir Zeit für die beiden nehme. Wir packen schnell nur das Nötigste und dann ab. Das macht uns allen viel Spaß.“