Techno-House
Benefizaktion von United We Stream fürs Gloria
Während der Puls der Musik den Raum erfüllt, zeichnen sich auf dem Pult und der Rückwand immer neue geometrische Formen in wechselnden Farben ab. Dominik Rinnhofer, der auch schon Projektionen für die Karlsruher Schloss-Lichtspiele entworfen hat, bespielt das Gloria mit optischen Effekten.
An den Reglern treten nacheinander sechs DJs an. Am bekannten ist Shahrokh Dini, der 2016 in Karlsruhe die Monk Bar aufgemacht hat und den Schlusspart der Session ab 22.30 Uhr bestreitet. House mit starken Hang zum Soul ist sein Markenzeichen. Seit Anfang der 1990er-Jahre ist er im Geschäft und hat schon mit Stars wie den Musikern Robert Owens, Tikiman, Gloria Gaynor, Niki Harris, Barbara Tucker und Nathan McLau zusammengearbeitet, außerdem mit dem Houselabel Strictly Rhythm und dem Mulitimedia-Unternehmen rund um den Londoner Club Ministry Of Sound.
Retrotrend zurück zu Vinyl
In der Szene stehe Shahrokh Dini für den Retrotrend in der elektronischen Musik zurück zu Vinyl auf analogen Plattentellern, sagt Ralf Heilmann, der die Aufnahme für United We Stream organisiert hat. Diese Benefizaktion ist ursprünglich in Berlin gegründet worden, um Clubs zu unterstützen, die während der Corona-Krise um ihr Überleben kämpfen. Inzwischen hat sie sich auf das ganze Land ausgebreitet.
DJs und Clubs dürften von der Pandemie wohl am längsten getroffen sein, sagt Heilmann. „Diese Szene kann nur durch Streamen präsent sein,“ meint der 61-jährige Kandeler. Doch die Spendenbereitschaft sei nach dem ersten Lockdown stark abgefallen. Er selbst ist froh, dass die Musik für ihn nur ein Hobby ist und er sein Geld in der IT-Branche verdient. „Sonst würde ich an der Situation verzweifeln.“
„Froh, mal wieder aktiv zu sein“
Um das Landauer Gloria zu unterstützen, hat er Kollegen aus der Südpfalz und Karlsruhe zusammengetrommelt und an einem Wochenende zwölf Stunden lang Technik auf- und wieder abgebaut, um Material für seinen sechsstündigen Stream zu bekommen. Viele Vorschriften hätten bei der Produktion beachtet werden müssen, erzählt Heilmann. „Das war mordsmäßig viel Arbeit. Aber ich war froh, mal wieder ein bisschen aktiv zu sein und ein bisschen von der Kunstaura zu erleben.“ Er hofft auf Freiluft-Konzerte im Sommer – trotz der neuen ernüchternden Corona-Verordnung des Bunds, die Open Air mit Indoor-Veranstaltungen gleichsetzt. „Dabei leiden wir alle ja inzwischen an sozialer Verkrüppelung“, sagt er.
Los geht es im Stream am 7. Mai um 17.30 Uhr mit einem Auftritt der beiden Ost-West Brothers aus Landau und Jena, die ebenfalls Plattenteller kreisen lassen mit Sounds von Ambient bis Techno. Im Stundentakt geht es weiter, zunächst mit dem Landauer ChrisToPhorus, der dem Pirmasenser Kollektiv Lager 14 angehört, und seine Sets gerne mit Loop-Maschine und Stepp-Sequenzer würzt.
Regelmäßig im Haus Südstern
Dann kommt Ralf Heilmann selbst, der unter seinem Künstlernamen RaGH Musik macht. Seit 30 Jahren ist er schon als DJ unterwegs, zunächst ganz konventionell mit Platten, nach der Familienpause mit elektronischer Ausrüstung für seine minimalistischen Progressive-House-Mixes. Mit ihnen hat er auch regelmäßig das Haus Südstern und die jüngste Auflage der Art Street Kandel beschallt.
Nach Heilmanns Part ist der Karlsruhe Designer Toby O. Rink an der Reihe, der am DJ-Pult am liebsten für treibenden und sphärischen Sound sorgt. Begonnnen habe seine Faszination für elektronische Musik 1982 tanzend auf der Straße zwischen Electro, Funk und Breakbeats, sagt er über sich. Er war einer von 30 DJs, die beim 300. Stadtgeburtstag Karlsruhes 30 Stunden lang durchgespielt haben, außerdem hat er oft in der Monk Bar und anderen Clubs sowie 2019 beim Fest auf der Woodstock-Bühne aufgelegt. Toby O. Rink ist zudem Mitbegründer der Wohltätigkeitsaktion „Gold Rush“, die Einnahmen aus abendlichen Veranstaltungen an soziale Projekte spendet.
Ein VJ sorgt fürs rechte Licht
Vor Shahrokh Dini steht mit Kriz LaFraize eine DJane an den Reglern. Deep Groove, hypnotische Melodien und organische Rhythmen kombiniert die Karlsruherin mit elektronischen Beats und experimentellen Sounds. Ins rechte Licht gerückt wird die Session von Videokünstler Dominik Rinnhofer, der schon für Carl Cox, Kevin Sanderson, Sven Väth, DJ Hell und George Clinton gearbeitet hat. Seit über 20 Jahren ist er als VJ unterwegs und hat eine Professur für Game Design an der Macromedia Universität Stuttgart. Für die Karlsruher Schloss-Lichtspiele hat Rinnhofer unter anderem den Megapixel-Multiplayer „Capture the Pyramide“ entwickelt.
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