Rheinpfalz Behinderten Tagelöhner trifft die tödliche Kugel

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Lauterecken. Eine unscheinbare Gedenktafel an der Wand des Rathauses in Lauterecken erinnert an die Separatistenzeit, eines der dunkelsten Kapitel der Pfälzer Geschichte. Darin wird der Tod eines Mannes als Tat eines „feigen Separatisten“ bezeichnet.

„Hier fiel am 22. Januar 1924 Johann Fersch durch die Kugel eines feigen Separatisten“, lautet die Inschrift der Tafel, die sich an der Wand des Rathauses an der Karl-Keller-Straße befindet. Über die Ereignisse, die der Anlass für die Tafel waren, gibt es kaum Berichte in den Zeitungen, weil diese zu dieser Zeit aus Protest gegen die Separatisten streikten. Aber die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern schickte einen ihrer Beamten nach Lauterecken, der ein sehr ausführliches Protokoll verfasste. Es ist heute im Landesarchiv in Speyer zu finden. In Lauterecken hatten einige Separatisten wichtige politische Ämter besetzt. Die Unruhen begannen damit, dass die Arbeitslosen keine Unterstützung mehr bekamen. Als sie eine Abordnung zur Exilgeschäftsstelle nach Heidelberg schickten, erklärte man ihnen, Geld gebe es erst, „sobald die grün-weiß-rote Fahne in Lauterecken beseitigt und das Stadthaus von Separatisten befreit“ sei. Deshalb kam es am nächsten Tag zu einer Demonstration, bei der Bürger die Entlassung des Staatsobersekretärs und die Entfernung der Fahnen verlangten. Zwei Tage später spitzte sich der Konflikt zu. Die Separatisten erhielten Unterstützung, wahrscheinlich aus Kaiserslautern, und verhängten den Belagerungszustand. Aber gerade dieser Schritt erbitterte die Bevölkerung. Sie besetzte das Stadthaus, das Finanzamt und die Gendarmerie. Beamte, die dort für die Separatisten arbeiteten, wurden verprügelt und eingesperrt. Kurz darauf kamen sechs Separatisten von auswärts nach Lauterecken und begannen sofort, auf die Menschenmenge zu schießen. Wahrscheinlich sollte die Demonstration aufgelöst werden, aber eine Kugel traf den 58-jährigen Tagelöhner Johann Fersch tödlich. Fersch war schwerhörig und gehbehindert und hatte sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Kurz darauf kamen knapp 30 Mann aus Speyer und führten eine Massenverhaftung durch. Dabei diente ein Foto als Beweismittel, auf dem zu sehen war, wie einer der Separatisten verprügelt wurde. Wer daran beteiligte war, wurde misshandelt und musste für seine Freilassung Lösegeld bezahlen. Auch von den Zuschauern, soweit sie auf dem Foto erkennbar waren, wurde Geld erpresst. Mehr als 50 Bürger flohen aus der völlig eingeschüchterten Stadt. Die Lauterecker Ereignisse erfolgten unmittelbar nach dem Attentat auf Heinz-Orbis in Speyer am 9. Januar und den Kämpfen in Pirmasens, bei denen es mehr als 20 Tote gegeben hatte. Der Tod von Johann Fersch war zwar ein unglücklicher Zufall, aber der Text der Gedenktafel lässt die Wut der Bevölkerung über das Vorgehen der Separatisten auch heute noch erkennen.

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